Mutmaßliches Linke-Mitglied posiert mit Waffen und droht gegen Zionisten

Der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn hat in der Jungle World seine Vorwürfe gegen die Linkspartei erneuert. Salzborn weist den Vorwurf, seine Studie über den antizionistischen Antisemitismus in der Linkspartei sei unwissenschaftlich, als unsubstanziell zurück. Zudem könnte die Linkspartei erneut in Erklärungsnot geraten, wenn man sich eines ihrer mutmaßlichen Mitglieder aus Bayern anschaut. Es geht um einen Mann, der in der Parteispitze bereits bekannt ist – und auf Bildern offenbar mit Waffen hantiert und offen gegen Zionisten droht.

Von Patrick Gensing

Chris Sedlmair hatte bereits im Mai 2009 für unrühmliche Schlagzeilen gesorgt. Spiegel Online hatte die Fast-Kandidatur des damals 31-Jährigen bei der Bundestagswahl für die Linkspartei thematisiert:

Der Direktkandidat im Wahlkreis 216 Dachau-Fürstenfeldbruck gibt sich als praktizierender Islamist, der aus seiner Überzeugung keinen Hehl macht: Er ruft zur „Solidarität mit dem irakischen Freiheitskampf“ und lobt die PDS im Saarland, die als einziger Landesverband 2003 den „Mut“ gehabt habe, „dem irakischen Volk im Einklang mit dem Völkerrecht das Recht auf Widerstand gegen Besatzung nicht nur einzuräumen, sondern dies offensiv zu unterstützen“ – indem sie die Aktion „10 Euro für den Irakischen Widerstand“ förderte.

Eine „zentrale Aufgabe für linke Außenpolitik“ sieht Sedlmair darin, das „Regime in Deutschland“ daran zu hindern, „das rassistische Siedlerregime Israel mit Hightech-Bewaffnung und politischer Parteinahme in Internationalen Gremien und Organisationen“ zu unterstützen.

Geht es ihm um den Irak, gelten offenbar andere Regeln: Auf einer Youtube-Seite, die Sedlmair verlinkt („Stalinator 1945“), findet sich auch ein Video mit dem Titel: „Saddam? Missing you“. Ein weiterer Verweis von Sedlmair führt von seiner Homepage zur „Islamischen Armee im Irak“ – einer der aktivsten militanten Gruppe in dem Land.

Derartige Verweise hält Sedlmair für unproblematisch: „Sie dienen der Information. Ich identifiziere mich damit nicht“, sagte er SPIEGEL ONLINE.

Nur einen Tag nach dem Artikel berichtete Sponline, Sedlmair werde sich von der Kandidatur zurückziehen. Seine Genossen hätten dies bedauert, soll Sedlmair in einer Email geschrieben haben. Auf der Homepage der Linken in Bayern klang dies etwas anders, hier distanzierte man sich von Sedlmair – und kündigte mögliche Konsequenzen an, die aber offenbar ausblieben.

Waffen und Drohungen

Zwei Jahre später ist Sedlmair weiterhin in Sachen Die Linke, Islamismus und Israel-Hass aktiv. Auf seinem Blog bewirbt er eine Kampagne für eine Mitgliedschaft in der Linkspartei – und auf seiner privaten Facebook-Seite posiert Sedlmair auf Fotos mit Waffen, auf einem Bild – welches auf einem Motiv des Films „Hitman“ basiert – heißt es drohend: „Coming soon to your prozionist meeting!“

Als Pseudonym benutzt Sedlmair auch den Namen „Glaubenskrieger77“ – so gibt er es zumindest selbst auf seinen zahlreichen Profilen im Netz 2.0 an. Auch bei „linksaktiv“ – der Community der Linkspartei – war oder ist der 33-Jährige unterwegs.  In der Facebook-Gruppe „Stoppt den BAK Shalom“ (BAK Shalom ist eine kleine Gruppe in der Linkspartei, die sich gegen den Israelhass stark macht) ist Sedlmair äußerst aktiv, zuletzt forderte er hier in einem Beitrag, den „prozionistischen Journalisten Patrick Gensing“ zu blocken. Genau wie aggressive Hetze gegen ungenehme Meinungen und Personen sowie gegen Israel gehören auch Forderungen wie beispielsweise gegen eine „Kriminalisierung von Organisationen wie Hamas und Hisbollah“ hier zum guten Ton.

Facebook-Freunde im Bundestag

In der linken, antiisraelischen Szene ist Sedlmair also kein Unbekannter. – zudem ist er bei Facebook beispielsweise mit Annette Groth befreundet, die für die Linkspartei im Bundestag sitzt und auf ihrer Netzseite verkündet, als „linke Menschenrechtspolitikerin“ an die Bundesregierung zu appellieren, „ihrem Postulat, die Menschenrechte zu einem Ziel ihrer Außenpolitik zu machen, endlich Taten folgen zu lassen. Das gilt gerade auch für die Politik in Nahost und Nordafrika.“  Auch Inge Höger, Passagierin auf dem Frauendeck bei der Gaza-Flotte 2010, darf in diesem Netzwerk nicht fehlen, genau wie zahlreiche Gliederungen der Linkspartei, die mit eigenen Seiten auf Facebook vertreten sind. Auch die Freundeslisten dieser Profile sind spannend, Höger beispielsweise ist via FB mit einem A. A. verbunden, der als Profilbild eine brennende Israel-Flagge auserwählt hat (siehe Bild oben).

Der Hass auf Israel, linksvölkische Ideologie und antiwestliche Einstellungen sind in diesen vermeintlich internationalistischen Kreisen die verbindenden Elemente – und Sedlmair kann problemlos mitreden: Nach Angaben auf seinem öffentlich einsehbaren Facebook-Profil spricht er Deutsch, Englisch – und Terroristisch.

Sedlmair bei MySpace
Sedlmair bei MySpace

Angeblich Ausschluss angestrebt 

Offenkundig ist Sedlmair weiterhin Mitglied bei der Linkspartei – obwohl seine Einstellungen in der Parteispitze seit Jahren bekannt sind. So berichtete das „Neue Deutschland“ am 07. Mai 2009, Sedlmair lasse „gelinde gesagt, antisemitische Tendenzen erkennen“. Das sagte Dietmar Bartsch, Bundesgeschäftsführer der Partei dem Blatt. Und weiter schrieb das ND:

„Für Unbehagen mag dabei ein Papier sorgen, das dem Neugierigen eher mit spitzen Fingern gereicht wird. Darin wird aus einem Brief Sedlmairs zitiert, in dem er Bundeskanzlerin Angela Merkel vorwirft, etwas anderes als ein »Kotau vor dem völkisch-zionistischen Siedlerfaschismus der ›israelischen‹ Bourgeoisie« sei von ihr »selbstverständlich nicht zu erwarten« gewesen. Und weiter: »Beenden Sie die Fortsetzung des Zweiten Weltkrieges, der die zionistische Entität erst durch die Shoa ermöglichte.““

 „Lafonatines Linke“ berichtete am 10. Juli 2011 unter Berufung auf eine Focus-Vorabmeldung, angeblich werde ein Parteiausschluss von Sedlmair vorbereitet. Diese Angabe ließ sich am Freitagabend nicht mehr überprüfen, eine Anfrage an die Linkspartei folgt aber.  Sedlmair wollte sich auf Anfrage nicht äußern, eine erste Stellungnahme zog er zurück und veröffentlichte, wie oben erwähnt, stattdessen den Aufruf gegen den „prozionistischen Journalisten“.

Der Israel-Hasser äußert sich zudem weiter zur Strategie der Linkspartei. So kommentierte er erst am 25. Juli 2011 einen Artikel auf „Lafonatines Linke“ – und forderte einen „3. Weg“:

DIE LINKE als Partei sollte schnellstmöglich wieder zum Lafontainschen erfolgsmodelll zurückkehren, tabus der politischen Kultur brechen. Themen selbst setzen auf Populisitsche Weise. Die Bedenkenträger auf die Hinterbank schicken und asich nicht mit SPD und Grünen einlassen und sich korrumpieren lassen. Nur mit dem Aufbau eines dritten politischen, und zwar antagonistischen Pols jenseits von Rot-Grün und Schwarz-Gelb kommen wir wieder auf die Erfolgsspur.

Gegen „Fremdarbeiter“ und Zionisten – so könnte für Sedlmair das neue Erfolgsrezept der Linken wohl aussehen. Forderungen, die auch von der NPD stammen könnte.

Die Partei selbst dürfte indes kaum Probleme haben, sich gegenüber Kritikern von Sedlmair zu distanzieren. Sie kann bequemerweise auf die derzeit populäre These des wirren Einzelgängers verweisen.

Siehe auch: Antisemitismus: Nazi-Hetze bei der Linkspartei, “Israel-Kritik”: Wenn NPD-Positionen nicht auffallen

 

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45 thoughts on “Mutmaßliches Linke-Mitglied posiert mit Waffen und droht gegen Zionisten

  1. @Gelderlander Alle jungen Parteien stehen dauerhaft unter Beobachtung. Das nennt man Demokratie. Politik ist kein Ponyhof. Das mussten auch die Grünen erfahren. So ist das.

  2. P.S. „Politik ist kein Ponyhof.“ …sollte gemeint sein: Streitgespräch und Kritik unter Gleichberechtigten: Ja! Gerne! Aber keine Hetze…

  3. @gelderlander:

    es ist ganz defintiv kein fake. ich bin selber aus münchen und kenne sedlmair schon eine ganze weile. wurde von ihm auch schon bedroht. nein. keine fake ist das.

  4. Ziemliche unnötig dieser Artikel: Sedlmeir ist kein Antisemit, kein Querfrontler, er hat eine klare Einstellung, die unter Linken konsens sein sollte. Gut, seine Provokation mit dem Hitman ist auch grenzwertig, aber wieso berichtet ihr dann dieser Blog nicht über postautonome Aktivisten, die die Israelische Armee abfeiern, die sich über die Bombardierung des Gazastreifens gefreut haben und die Opfer verhöhnen? Wieso berichtet ihr nicht über Leute, die Kriege wie die in Afghanistan oder jüngst Libyen offen unterstützen und damit dem Terror gegen die Zivilbevölkerung das Wort reden? Wieso keine Artikel über Menschen, die sich als radikale Linke ausgeben, aber gegen Antisexist_innen, Antirassist_innen, Muslime hetzen?

    Hier wird mit zweierlei Maß gemessen: wer sich gegen die aggressive Besatzungspolitik Israels äußert, wird anders behandelt, als jemand, der beispielsweise zum Krieg gegen Iran aufruft (da gibt es einige Fanatiker in der postautonomen Szene, die sich schon öffentlich für einen Angriffskrieg ausgesprochen haben). Dieser Artikel klärt über gar nichts auf, der Autor klärt den Leser höhsten darüber auf, in welcher politischen Sekte er zu verorten ist. Der Autor versucht mit diesem Artikel Positionen innerhalb der gesellschaftlichen Linken zu diskreditieren, die manchen links-nationalistischen, proisraelischen und prodeutschen Dogmatikern nicht passen. Dieser Artikel missbraucht dieses antifaschistische Blog, um eine Position in einen Szenetypischen Streit nach vorne zu bringen.

    Die Admins dieser Seite sollten diesen Artikel löschen und die Diffamierung von Linken dem Verfassungsschutz und den Neonazis überlassen und sich lieber mit richtigen Nazis beschäftigen!

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