Neonazi-„Passanten“ greifen Anti-NPD-Aktivisten an

Neonazis sprühen mit Reizgas
Neonazis sprühen mit Reizgas

Mit Tausenden Flugblättern und Aufklebern, die am Montag in Rostock verteilt worden sind, ist die Kampagne “Wake Up Stand Up! Keine Stimme den Nazis in MV” in der Hansestadt aktiv geworden. Im Rahmen eines Stadtteilspaziergangs waren etwa 70 Menschen in dem für rechte Aktivitäten bekannten Stadtteil Toitenwinkel unterwegs, als sie plötzlich von bekannten Neonazis und Aktivisten aus dem NPD-Milieu angegriffen wurden. Drei Neonazis liefen vermummt auf die Menge zu und besprühten sie mit Reizgas.

“Dieser Angriff auf eine Gruppe Jugendliche, die Flugblätter verteilen, zeigt einmal mehr die Gewaltbereitschaft der rechten Szene”, so Hanna Wildt, Sprecherin der Kampagne. “Gewalt und der Wille zum Terror sind Kern und Konsequenz jeder rechten Ideologie. Die NPD mag sich in ihrer Propaganda bieder und bürgernah geben. Ihre Basis aus Neonazis, ihre einschlägig verurteilten Parteikader und ihre unverkennbare Anlehnung an den Nationalsozialismus offenbaren jedoch die Sehnsucht nach der Barbarei. Dieser Propaganda wie auch der alltäglichen Gewalt gilt es sich entschieden entgegenzustellen, um weitere Erfolge und Aktivitäten der Rechten zu verhindern.”

Die Neonazis waren laut Polizei "Passanten".
Die Neonazis waren laut Polizei „Passanten“.

Die Angreifer sollen von NPD-Aktionen in Mecklenburg-Vorpommern bekannt und auch im Zusammenhang mit dem inzwischen geschlossenen Neonazi-Geschäft “East Coast Corner/Dickköpp” aufgefallen sein. Vor dem Laden, der zuletzt dem NPD-Landtagsabgeordneten Birger Lüssow gehörte und auch sein Bürgerbüro beheimatete, drohte L. zum Beispiel mit einem Knüppel. K. übernahm etwa bei einer NPD-Demonstration am 1. Mai 2011 in Greifswald eine tragende Rolle für die NPD. Vorbestrafte Kader und Gewaltbereitschaft sind in der Partei keine Seltenheit: NPD-Landeschef Stefan Köster ist wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung rechtskräftig verurteilt; gegen Fraktionschef Udo Pastörs sind Verfahren wegen Volksverhetzung abhängig; mehrere NPD-Kader sind einschlägig vorbestraft.

In der Ostseezeitung wird der Vorgang in Rostock etwas anders dargestellt. Dort heißt es – unter Bezug auf Polizeiangaben – eine Gruppe Vermummter hätte drei „Passanten“ angegriffen:

Am Montagabend seien aus der Gruppe heraus zunächst Schottersteine auf die etwa zehn Meter entfernten Passanten im Alter von 21, 24 und 29 Jahren geschmissen worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Alle drei Männer wurden von den Steinen getroffen. Dann wurde der 24-Jährige niedergeschlagen. Er fiel zu Boden und wurde mit Füßen getreten. Alle drei Passanten erlitten Verletzungen im Gesicht und am Oberkörper. Eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus war aber nicht nötig.

Nach dem Angriff im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel flüchteten die Vermummten in mehreren kleinen Gruppen. Die Fahndung nach ihnen verlief zunächst erfolglos. Geraubt wurde den drei Passanten nichts. Die Schottersteine, mit denen sie verletzt wurden, hatten die Angreifer mitgebracht.

Angesichts der Fotos scheint die Polizeiangabe, wonach es sich um „Passanten“ gehandelt haben, allerdings wenig präzise und hilfreich.

Siehe auch: NPD-Mann gesteht Hehlerei und Waffenbesitz, NPD in MVP: Zwischen gewerbsmäßiger Hehlerei und Kinderfesten

18 thoughts on “Neonazi-„Passanten“ greifen Anti-NPD-Aktivisten an

  1. Demokrat,
    ich weiß ja nicht, auf welchen Demonstrationen Sie häufig weilen. Ich erlebe höchst selten, dass man Steine mitführt. Aber so hat jeder ein anderes Umfeld.

    Beim Pfefferspray habe ich auch noch nicht Straftaten unterstellt, wie Sie erkannt haben wollen, sondern nach der Intention gefragt, dieses mitzuführen. Ist dies normal im Alltag? Oder welche seherische Fähigkeit berechtigt zu der Annahme, diese – wie Dennis richtig anmerkt – „Kanister“ seien bei einem Spaziergang in Rostock nötig?

    Wenn ich mich in die Lage der Polizei versetze, dann würde ich mir diese Fragen sehr intensiv stellen. Und auch, warum sich diese großen Pfefferspraybehälter in den Händen von Nazis und gleichzeitig in der Nähe von Nazigegnern befinden.

    Dass man schließlich von „Passanten“ redet, lässt relevante Informationen vermissen – nämlich die politische Gesinnung und die Bewaffnung. Damit stellt sich die Situation schon ganz anders dar.

  2. Der ausführliche Artikel in der Ostsee-Zeitung hat folgenden Wortlaut:

    „Rostock (dpa/mv) – Eine Gruppe von etwa 30 schwarzgekleideten Vermummten hat in Rostock drei Passanten angegriffen und verletzt, die die Polizei dem rechten Spektrum zuordnet. Die bisher gesammelten Erkenntnisse über den Ablauf der Tat gäben aber ein sehr widersprüchliches Bild ab, wie Volker Werner, Sprecher des Polizeipräsidiums Rostock, informiert. Die drei Geschädigten — 21, 24 und 29 Jahre alt — sagten aus, dass sie von rund 30 linken Jugendlichen angegriffen worden seien und durch Steinwürfe und Schläge Verletzungen erlitten hätten. Ein angeforderter Krankenwagen wurde jedoch nicht benötigt.

    Die linken Macher der Anti-NPD- Kampagne „Wake up — Stand up! Keine Stimme den Nazis in MV“ stellen die Ereignisse anders dar. In einer Pressemitteilung heißt es, dass rund 70 ihrer Anhänger im Stadtteil Flugblätter für die Kampagne verteilten, als sie von drei ihnen namentlich bekannten Rechten mit Reizgas angegriffen worden seien. Laut den Angaben eines Zeugen setzten sie sich daraufhin zur Wehr. „Wir müssen nun klären, wer wen zuerst attackierte und wie sich die Ereignisse danach abspielten“, sagt Polizeisprecher Volker Werner. Mittlerweile hat auch der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen.“ Quelle: Ostsee-Zeitung

    Anm. NPD-BLOG.INFO: Die erste Meldung der Ostseezeitung, zumindest im Netz, war kürzer – ohne die PM von „WuSu!“.

  3. Das macht` schon irgendwie „Sinn“, sich maskiert und mit dem riesen Behälter für dass, u.A. von Herrn Petereit verkaufte, „Spray zur Tierabwehr“ zum Opfer und nicht zum Angreifer deklarieren zu wollen… das sieht wohl eher nach Vorsatz aus. – Erstaunlich, dass jene NS-Fleischklopse nicht noch einen Höhlentroll im Gefolge hatten … „Blood & Honour“-Abschaum der „Denker & Dichter“-Partei NPD!

  4. Lieber WW,

    ich verweile auf so ziemlich jeder großen rechten oder linken Demo. Und üblicherweise werde ich mit den Steinen beworfen.

    Bei den Standkontrollen bei diesen Demos werden haufenweise Wurf- und Vermummungsgegenstände sichergestellt.

    Große Pfefferspraykanister sind natürlich ein deutliches Indiez. Keine Frage!

    Das man von Passanten redet, liegt auf der Hand. Immerhin lagen der Polizei lediglich die Vernehmungen der Rechten vor. (Diese werden ihre eigentliche Intention natürlich nicht angegeben haben)

    P.S.: Das sich Pfefferspray „Tierabwehrspray“ nennt ist nur ein rechtliches Problem. Es darf in Notwehr natürlich auch gegen Menschen eingesetzt werden. (Sofern es das mildeste geeignete Mittel ist!)

  5. Demokrat,
    mich würde mal interessieren, was Sie so treiben, bevor man Sie stets mit Steinen bewirft? Klugscheißen per Megafon? Oder wie provozieren Sie? Ihre Erfahrungen muten bizarr an. Wenn „so ziemlich jede große rechte oder linke Demo“, auf der Sie sich befinden, in Gewalt endet, dann sind Sie womöglich ein Teil des Problems.
    Geben Sie bitte vorher bekannt, wo Sie auftreten, dann bleibe ich besser fern.

  6. Lieber Anonymous,

    ich bin beruflich auf jeder großen Rechts-Links-Demo unterwegs um die verschiedenen Lager zu trennen, Gewalt zu verhindern und Straftaten zu verfolgen. Für jedermann erkennbar kleide ich mich dafür extra mit Einsatzanzug, Schlagschutz und Helm.

  7. Demokrat,

    Anonymous oben war übrigens ich, meine Cookies waren leider ausgefallen.

    Zum Thema:
    Ich vermutete richtig, Sie sind ein Teil des Problems :-(
    In letzter Zeit haben z.B. Personen, die sich recht ähnlich kleiden wie Sie, den Pfefferspray als neues Universalwerkzeug entdeckt. Insbesondere auch auf Demonstrationen. Nur wird das im Gegensatz zu den Nazis weit weniger konsequent verfolgt.
    Ich erinnere mich dahingehend an den 30. April in Bremen, wo man in dem Zeug baden konnte, soviel wurde davon in die Umwelt gespritzt. Ich stand viele Meter vom Einsatzort entfernt und bekam immer noch einen heftigen Hustenanfall, weil das Zeug als feiner Nebel in der Luft hing. Ist das eine Defensivwaffe? Ob man (u.a. mit dieser Methodik) Gewalt verhindert, dazu haben wir sicher auch unterschiedliche Ansichten.
    Meiner Ansicht nach trägt z.B. auch das Einprügeln auf Demospitzen nicht zur Deeskalation bei. Und der Beispiele mehr…
    Aus vielen Situationen weiß ich, dass die Polizei ein Teil des Problems, aber nicht die Lösung ist.

  8. „Nur wird das im Gegensatz zu den Nazis weit weniger konsequent verfolgt.“

    Es gibt den sogentannten Strafverfolgungszwang aus §163 StPO. Jeder Polizist, Staatsanwalt oder Richter, der ein Verfahren nicht ordnungsgemäß einleitet, macht sich der Strafvereitlugn im Amte strafbar und verliert, trotz unkündbarkeit, mit großer Wahrscheinlichkeit seine Stell und seine Pension.

    Die meisten Anzeigen werden schlicht und ergreifend eingestellt, weil die Zwangsmittelanwendung rechtmäßig war.

    Wenn Sie sich über die Rechtmäßigkeit der Zwangsanwendung informieren wollen, lesen sie das entsprechend geltende Polizeigesetz.

    Fakt ist, dass gegen Menschen, die polizeilichen Aufforderungen folge leisten, keine Zwangsmittel eingesetzt werden. Damit geht es nämlich immer los!

    P.S.: Pfefferspray ist ein sehr mildes Einsatzmittel. Das nächte wäre nämlich einfache körperliche Gewalt und die zieht häufig weitere Verletzungen nach sich.

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