Karriere bei der NPD: Von der kriminellen Vereinigung in den Landtag

Auch die NPD in Sachsen macht einmal mehr deutlich, welche Qualifikationen bei der Neonazi-Partei offenbar geschätzt werden. So beschäftigt die NPD-Fraktion den Neonazi Thomas Sattelberg als Sachbearbeiter. Das geht aus dem hausinternen Mitarbeitertelefonbuch des Landtags hervor, das den Dresdner Neuesten Nachrichten vorliegt. Sattelberg ist unter anderem wegen der Gründung einer kriminellen Vereinigung verurteilt worden.

NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag
Die NPD-Fraktion im Landtag von Sachsen

Und die Vereinigung hatte bereits bundesweit für Aufsehen gesorgt: Es geht um die Skinheads Sächsische Schweiz (SSS). Die neonazistische Schlägertruppe war 2001 verboten worden. Die Gruppierung soll zeitweise bis zu 80 Mitglieder gehabt haben. Nach dem Verbot wurde die Gruppe noch weitergeführt, zudem soll es enge Kontakte zur NPD gegeben haben.

Sattelberg wurde laut DNN im Mai 2003 von der Staatsschutzkammer am Landgericht Dresden wegen der Gründung der SSS zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. 2006 verurteilte ihn das Landgericht Dresden wegen der Fortführung der Gruppe zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Als Mitarbeiter eines Abgeordneten hätte Sattelberg wohl kaum eine Chance auf eine Resozialisierung in der Politik, schreiben die DNN. „Sie müssen dem Landtag ihr polizeiliches Führungszeugnis vorlegen“, sagte Henning Homann (SPD) dem Blatt. Wer in seinem Sündenregister vorsetzliche Straftaten aufweise, bekomme als Angestellter eines Landtagsabgeordneten kein Geld aus der Staatskasse. Daher sei Sattelberg für die NPD Sattelberg als Sachbearbeiter tätig, heißt es weiter.

„Politisch spricht das für sich“, kommentierte die Landtagsabgeordnete Eva Jähnigen (Grüne) gegenüber den DNN die Personalie. Die NPD sei eine rassistische und menschenfeindliche Partei. Wo sie politisch steht, beweise sie damit einmal mehr, meint Jähnigen.

Für Sebastian Reißig, Geschäftsführer der Aktion Zivilcourage, ist die Personalie Sattelberg laut DNN keine große Überraschung. „Mich verwundert das bei der NPD nicht. Seit Jahren weisen wir und viele andere Initiativen aus ganz Sachsen darauf hin, dass die Partei keine Berührungsängste zur gewaltbereiten Szene kennt“, sagt der Mitbegründer des Vereins für Toleranz und demokratische Kultur.

Siehe auch: Neonazi soll gegen SSS-Verbot verstoßen haben, Sachsen: “Mitarbeiter der NPD-Fraktion ein Verbrecher – und kein Politiker”,  Neonazis und die Drohung als Mittel der Politik, Sachsen: Prozess gegen mutmaßliche SSS-Kader, Sachsen: Haftstrafe für SSS-Anführer S., Sachsen: SSS-Anführer S. muss ins Gefängnis

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