NPD in MVP: Zwischen gewerbsmäßiger Hehlerei und Kinderfesten

In Mecklenburg-Vorpommern beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs zur Landtagswahl im September. Die NPD läutet diese Zeit auf ihre Art ein – der Rechtsextremist Sven Krüger aus Jamel muss sich ab dem 14. Juli 2011 vor dem Schweriner Landgericht verantworten. Keine gute Werbung für die angeblich so seriöse NPD. Um ihr Image aufzupolieren, versucht sich die NPD als Kümmerer-Partei zu inszenieren.

Von Patrick Gensing

Anfang Mai hatte die Staatsanwaltschaft Schwerin Anklage gegen den 36-jährigen Krüger erhoben. Sie wirft ihm gewerbsmäßige Hehlerei in 19 Fällen sowie einen Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Der Abrissunternehmer soll sich in den vergangenen zwei Jahren Baumaschinen und Geräte verschafft haben, um sie selbst zu nutzen oder weiter zu verkaufen.

Krügers Firmenlogo (Quelle: Lobbi MV)
Krügers Firmenlogo (Quelle: Lobbi MV)

Damit nicht genug: Bei einer Razzia Ende Januar auf seinem Betriebsgelände in Jamel wurden auch noch Waffen und Munition entdeckt. Wenige Tage, nachdem Anklage gegen den Neonazi erhoben worden war, gab er sein NPD-Mandat für den Kreistag in Nordwestmecklenburg zurück. Krüger, der bereits vorbestraft ist, drohen mehrjährige Haftstrafen.

Den Kameraden ist offenbar aufgegangen, dass ein vorbestrafter Funktionär, der während des Wahlkampfs wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und Waffenbesitzes vor Gericht steht, die Fassade einer seriösen NPD mit verantwortungsbewussten Mitgliedern und Funktionsträgern doch nachhaltig beschädigen könnte.

Ohnehin können eigentlich nur ganz Ignorante oder Verblendete dieses Bild ernst nehmen. Denn besonders der NPD-Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern wird maßgeblich von Funktionären geprägt, die aus Neonazi-Banden, den „Freien Kräften“, kommen. Von den Vorstrafen und Anklagen ganz zu schweigen. Beispielhaft lässt sich dies an einem Bericht der NPD zu einer Veranstaltung am 09. Juli 2011 darstellen:

In der Mitte Mecklenburg und Pommerns fand am 9. Juli 2011 eine Saalveranstaltung des NPD-Landesverbandes statt. Die Veranstaltung stand ganz unter dem Eindruck der anstehenden „heißen“ Wahlkampfphase.

Offenbar handelte es sich also um eine geschlossene Veranstaltung, denn wo die jeweilige Mitte von Mecklenburg und Pommern handelt, das weiß wohl nur die NPD.

Zu Beginn wurde mit einer berührenden Gedenkfeier dem [sic!] kürzlich verstorbenen nationalen Publizisten und unermüdliche Streiter für Deutschlands Einheit und Freiheit, Herbert Schweiger, gedacht.

Bei Schweiger handelt es sich um einen ehemaligen SS-Untersturmführer der Division „Leibstandarte Adolf Hitler“ – ein unbelehrbarer Altnazi aus Österreich, der mehrmals in Haft saß.

Attacke auf eine am Boden liegende Frau in Itzehoe, daran beteiligt unter anderem: Stefan Köster, NPD-Landtagsabgeordneter in MVP.
Attacke auf eine am Boden liegende Frau in Itzehoe, daran beteiligt unter anderem: Stefan Köster, NPD-Landtagsabgeordneter in MVP.

Danach sprachen noch NPD-Landeschef Stefan Köster – rechtskräftig verurteilt wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Auch NPD-Fraktionschef Udo Pastörs trat auf – ob er dabei einen ähnlichen Auftritt wie beim „Politischen Aschermittwoch“ der NPD in Saarbrücken hinlegte, ist nicht überliefert, Fakt ist aber, dass Pastörs für seine Hetzrede im Saarland vor Gericht verurteilt wurde. Zudem wurde in einer anderen Sache Anklage gegen Pastörs erhoben. Auch Liedermacher Jörg Hähnel, der noch auftrat, stand bereits mehrfach vor Gericht.

Zugegeben: Die Erkenntnis, dass die NPD eine Partei der Alt- und Neonazis ist, ist alles andere als neu – doch sollte diese Tatsache durchaus betont werden, wenn sie sich gleichzeitig als moderne „Heimatpartei“ anbieten möchte – wie in Mecklenburg-Vorpommern derzeit. Denn am 16. Juli 2011 lädt die NPD zu „Spiel und Spaß beim Kinderfest in Ueckermünde ein. Geboten werden laut NPD:

– Hau den Lukas
– Sackhüpfen
– Hüpfburg
– Mal- und Bastelstraße
– Bademöglichkeiten
– Clown Maex
– Kaffee und Kuchen
– und vieles mehr.
ALLES KOSTENLOS!

Durchaus ein attraktives Angebot für Kinder – sowie Eltern, die kein Problem mit der NPD haben, obwohl neben den oben erwähnten weitere NPD-Kader aus MVP einschlägig vorbestraft sind. Zudem ist die Bilanz der Fraktion im Landtag äußerst dürftig. Kein Wunder, dass die Neonazis bei den jüngsten Umfragen bei „nur“ drei bis fünf Prozent lagen – bei der Wahl 2006 holten sie noch mehr als sieben Prozent.

Dennoch hat die NPD durchaus noch Chancen, erneut in den Landtag einzuziehen und sich so zu stabilisieren. Ein Scheitern wäre hingegen ein weiterer schwerer Schlag für die Partei. Um einen Erfolg der NPD zu verhindern, wurde die Kampagne „Kein Ort für Neonazis“ ins Leben gerufen. Mehr dazu hier.

Siehe auch: “Nazi-Werbung ein Desaster für unser Bundesland”, Geldstrafe gegen NPD-Abgeordneten Müller bestätigt, Nach Anklage: NPDler legt Mandat nieder, Nach Waffenfund: Anklage gegen NPDler erhoben, Weitere Anklage gegen Pastörs erhoben, MVP: NPD bei nur noch drei Prozent, Pölchow-Prozess: Strafen müssen neu verhandelt werden, NPD in Mecklenburg: Zwischen Rechtsrock und Kümmerer-Partei, Rechtsextremismus auf dem Dorf: Zwischen Lageanalysen und Zonen der Angst

9 thoughts on “NPD in MVP: Zwischen gewerbsmäßiger Hehlerei und Kinderfesten

  1. Angesichts der Versaubeutelung der Kinder und Jugendlichen und deren frühzeitiger Indoktrination seitens der NPD und ihrer „Kinderfreundlichen“ GDF etc., kann man wohl ziemlich zynisch behaupten, dass in diesem Land Kinder noch auf eine andere Art „geschändet“ werden können … diesmal nicht durch Sexualstraftäter – sondern durch Politiker, die die NPD mit einem Nichtverbot schützen… :(

    Nach solchen „Kinderfesten“ kann dann der NPD-NS-Skin-Pappa seinen Sohnemann gleich wieder in`s „Thinghaus“ schleifen: für „Vorträge“…

    http://www.mupinfo.de/wp-content/uploads/2011/03/ritterkreuz2.jpg
    http://www.mupinfo.de/?p=12312 usw.

    Nur für Alfred Rosenberg wird der Heranwachsende noch zu jung sein … das kommt` dann eben später, „dank“ der BfV-NPD. 😉

  2. Der NPD-Clown auf`n „Kinderfest“ hieß übrigens „Maex“. – Da haben die Kinder dann später gleich eine gute Assoziation, wenn sie sich an die NS-„Juristen“ von „Maexchen Treuherz“ wenden… *grööööl* 😉

Comments are closed.