Alle Jahre wieder: Rechtsextreme Waren auf dem “Wave-Gotik-Treffen“

Seit 1992 trifft sich die Gothic-Szene alljährlich an Pfingsten zum WGT in Leipzig. Seit einigen Jahren wird der Veranstalter des WGTs, die “Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH“, von Teilen der Szene kritisiert, weil sich ein rechtslastiger Verlag im Rahmen des Festivals mit einem Verkaufsstand präsentieren darf. Auch in diesem Jahr durfte der Produktanbieter “Verlag und Agentur Werner Symanek“ (VAWS) seine zum Teil rechtsextremen Waren feilbieten.

Von Stefan Kubon für NPD-BLOG.INFO

Im Detail wird der VAWS-Verkaufsstand deshalb kritisiert, weil dort Tonträger und sonstige Artikel des Rechtsextremisten Josef Klumb und dessen Musikprojekt “Von Thronstahl“ angeboten werden. Derzeit wird im Internet-Forum des WGTs unter der (leider irreführenden) Überschrift “Der Stand des Anstoßes fehlte“ wieder einmal über den betreffenden Stand diskutiert. Man darf gespannt sein, wie lange die Diskussion geduldet wird. In den letzten zwei Jahren gehörte es nämlich zu den Gepflogenheiten des Veranstalters, die im WGT-Forum geäußerte Kritik am Produktanbieter VAWS zu unterdrücken. Im Einzelnen wurden Diskursthemen gesperrt oder sogar komplett gelöscht.

Seit dem April dieses Jahres kann man beim Blick in das WGT-Forum den Eindruck gewinnen, dass die Verantwortlichen des Festivals auch relativ subtile Methoden anwenden, damit das Interesse an dem brisanten Thema erlischt. So wurde das Thema “Rechte raus“ aus der privilegiert platzierten Rubrik “Anregungen“ in einen untergeordneten Bereich verschoben, der den bezeichnenden Titel “Plauschecke“ trägt.

Initiative “Schwarz statt braun“

Die Initiative "Schwarz statt braun" thematisiert rechtsextreme Umtriebe in der Szene.
Die Initiative "Schwarz statt braun" thematisiert rechtsextreme Umtriebe in der Szene.

In Anbetracht des repressiven und ignoranten Diskursverhaltens des WGT-Veranstalters verwundert es nicht, dass viele Gothic-Anhänger im Lauf der Jahre dazu übergegangen sind, ihre Kritik an dem VAWS-Verkaufsstand auch außerhalb des WGT-Forums zu äußern. Davon zeugt beispielsweise die Initiative “Schwarz statt braun“. Diese Gruppe kritisiert allerdings nicht nur die Präsenz des Händlers VAWS auf dem WGT. Sie hat auch andere Begebenheiten im Blick, die möglicherweise ebenfalls ein Indiz für rechte Tendenzen in der Gothic-Szene sein könnten. Im Internet ist “Schwarz statt braun“ mit einem Informationsportal vertreten. Außerdem verteilte die Initiative auf den letzten beiden WGTs Flugblätter. Auch angesichts solcher Initiativen erscheint es fraglich, ob es den Verantwortlichen des WGTs wirklich langfristig gelingen wird, die Kritik an dem VAWS-Verkaufsstand zu unterdrücken.

Zu Recht erleidet jede Kulturveranstaltung einen erheblichen Ansehensverlust, wenn dort rechtsextreme Waren verkauft werden. Das WGT bildet da keine Ausnahme. Dieser Erkenntnis verschließen sich die Verantwortlichen des Festivals bislang beharrlich. Mit seiner Duldung des VAWS-Verkaufsstandes offenbart der WGT-Veranstalter zudem eine erstaunliche Ignoranz gegenüber den spezifischen subkulturellen Wurzeln der Gothic-Szene. Denn bekanntlich hat sich diese Szene vor rund 30 Jahren aus der Punkbewegung entwickelt.

Stefan Kubon hatte bereits auf redok über die Gothic-Szene berichtet: Ende eines politischen Dornröschenschlafes, Vom Mythos des Unpolitischen in der Gothic-Szene