Fehlender „Ariernachweis“: Rechtsradikale Burschis wollen putschen

Nach dem Streit über einen „Ariernachweis“ wollen rechte Verbindungen die Macht im größten und ältesten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) übernehmen und planen dazu offenbar einen Putsch. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, ihr liegen Dokumente vor, aus denen hervorgehen soll, dass in der extrem rechten Burschenschaftlichen Gemeinschaft zusammengeschlossene Verbindungen an einer Strategie gearbeitet werde, um auf dem Burschentag 2012 alle Verbandsämter zu übernehmen. Das Konfliktthema sei weiter dasselbe: Es gehe um die politische Ausrichtung der Deutschen Burschenschaft. Und um die Frage, welcher Abstammung man sein müsse, um Verbindungsbruder zu werden.

Burschenschafter in der Wartburg im Jahr 2001. (Quelle: DB)
Burschenschafter in der Wartburg im Jahr 2001. (Quelle: DB)

Entzündet hatte sich der Streit an einem Mitglied der Burschenschaft Hansea zu Mannheim: Der junge Mann ist in Mannheim geboren, ist nach eigener Auskunft „stolz, als Wehrdienstleistender meinem Vaterland gedient zu haben“ und „stolz, Deutscher zu sein“. Geht es jedoch nach der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, hätte er niemals in der Hansea aufgenommen werden dürfen. Denn seine Eltern stammen aus China.

Den rechten Bundesbrüdern ist das unannehmbar. Schon in Eisenach legte die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn Anträge vor, die den Ausschluss der Hansea aus der DB forderten und die Abstammung als Aufnahmekriterium präzisieren sollten. In der Begründung hieß es: „Beispielsweise weist eine nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie auf die Zugehörigkeit zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung und damit auf eine nicht deutsche Abstammung hin.“

Siehe auch: Leipziger Burschenschafter und ihre Verbindungen nach rechtsaußen, Burschenschaften verlassen Dachverband, Burschenschaft lädt rechtsextremen Referenten Marinovic ein, NPD-Bildungswerk: Von JN bis Blauer Narzisse, NPD-Referent bei Burschenschaft, Studie: Bundeswehr-Studenten und die Neue Rechte

4 thoughts on “Fehlender „Ariernachweis“: Rechtsradikale Burschis wollen putschen

  1. Hey,

    kleine Ergänzung: Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zog die Anträge auf Ausschluss der Hansea letztendlich auf Druck der liberaleren Burschenschaften zurück.[1] Trotzdem bleiben natürlich Ausdrücke wie „fortschreitende Überfremdung“, das Gerede vom „deutschen Stamme“ und natürlich die in Ihrem Artikel auch erwähnte „nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie“ im Raum stehen, die sicherlich der Ideologie vieler der in der DB Schlüsselpositionen besetzenden Burschis entsprechen.
    Wenn es jetzt sogar konkrete Putschpläne gibt, ist die Spaltung der DB sicherlich nur noch eine Frage der Zeit.

    [1]: http://www.sueddeutsche.de/karriere/streit-um-burschenschaften-deutscher-als-deutsch-so-muessen-mitglieder-sein-1.1109916

  2. Die „arischen“ Burschen haben wohl noch nicht mitbekommen, dass Kaiserreich und „Hitlers Traum“ bereits gescheitert sind. Auch von fortschreitender Globalisierung scheint man wenig gehört zu haben.
    Und doch fragt man sich, wo hier die Verbotsforderungen bleiben. Diese Möchtegern-Eliten sind doch noch viel schlimmer als NPD und Co.

  3. Ich fände es ja mal lustig, wenn ausgerechnet NPD-Mitglieder (z.B. wie Andrejewski oder Pastörs oder Babic) wegen ihrer nichtdeutschen Abstammung aus einer Burschenschaft geworfen würden :-) Peinlich, peinlich vor den Kameraden.

    Aber die meisten NPD-Mitglieder dürften kaum jemals in die Verlegenheit kommen, die Aufnahme zu einer Burschenschaft überhaupt beantragen zu können. Der umgekehrte Fall hingegen scheint sehr leicht vorstellbar.

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