Schlesier bangen um Geld aus Niedersachsen

Für die Landsmannschaft Schlesien wird das Jahr 2011 nicht in besonders guter Erinnerung bleiben. Zunächst deckte tagesschau.de rechtsextreme Umtriebe in der „Schlesischen Jugend“ (SJ) auf. Nachdem es politischen Druck aus Berlin gab, trennte sich die Landsmannschaft von der SJ. Doch dies sorgte intern wiederum für Streit, die Schlesier in Thüringen verweigerten offenbar die Gefolgschaft – und wurden ebenfalls aus der Landsmannschaft suspendiert. Mit Spannung hatten Beobachter daher auf den Schlesiertag in Hannover geblickt, zu dem auch die SJ anrücken wollte. Im Vorfeld hatte die Landesregierung in Niedersachsen bereits deutlich gemacht, dass Fördergelder gestrichen werden könnten, wenn sich die Schlesier nicht klar von rechtsextremen Kreisen und Gedankengut distanzierten. Nach dem Schlesiertag drohen endlich Konsequenzen.

Auch eim Schlesiertreffen 2007 sorgten Vertriebene durch ihre revisionistischen Reden für Aufsehen.
Auch eim Schlesiertreffen 2007 sorgten Vertriebene durch ihre revisionistischen Reden für Aufsehen.

Die niedersächsische Landesregierung, die bisher alle zwei Jahre das Schlesiertreffen mit 50.000 Euro bezuschusst, denkt laut Medienberichten nun über eine Streichung dieser Summe nach. „Noch ist nichts entschieden, aber wir sind in Gesprächen“, sagte ein Sprecher von Innenminister Uwe Schünemann (CDU), gegenüber der Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ). Der Zuschuss hänge von der „weiteren Entwicklung bei der Landsmannschaft“ ab.

Eigentlich habe sich, so schreibt das Blatt über das Schlesier-Treffen treffend, Rudi Pawelka, der Vorsitzende der Schlesischen Landsmannschaft, in Hannover nur so verhalten wie sonst auch: Nach Lust und Laune zog er vor 3000 Zuhörern über die Polen her, schob ihnen eine Mitschuld am Holocaust zu und scherte sich überhaupt nicht darum, dass diese ausländerfeindlichen Töne Empörung auslösten und viele Zuhörer vorzeitig gingen, einschließlich des Ministerpräsidenten David McAllister. Jahrelang hatte Pawelka so auftreten können, ohne dass er Konsequenzen befürchten musste. Er fühlte sich wohl in der Pose dessen, der einmal ganz ungeschminkt seine eigenen Ansichten verbreiten wollte. Jetzt aber dürfe der Funktionär um seine Zukunft an der Verbandsspitze bangen, so die HAZ.

Deutlicher drückt sich demnach der Vertriebenenbeauftragte der Landesregierung, der Landtagsabgeordnete Rudolf Götz (CDU) aus Seesen im Harz, aus: „Als Mitglied der Landsmannschaft kann ich Herrn Pawelkas Auftreten nicht mehr ertragen. Er schadet dem Ansehen der Vertriebenen und zerstört das Vertrauen, das die Vertriebenen bei ihrer Aussöhnung mit den Polen erworben haben.“ Auch die evangelische und die katholische Kirche, die bei den Schlesiertreffen regelmäßig Gottesdienste anbieten, wolle nicht in rechtsextremes Fahrwasser geraten, berichtet die HAZ weiter. Wie es heiße, überlegen auch sie Konsequenzen für künftige Treffen.

Stinkt die Fisch also auch hier nur vom Kopfe her? Fakt ist, dass Pawelka seit Jahren ähnliche Reden hält – was in der Landsmannschaft offenbar kaum jemand stört. Oder die Vertriebenen bzw. deren Nachkommen bleiben einfach weg – denn die Teilnehmerzahlen der Schesiertreffen sinken – und damit auch die Einnahmen für die Landsmannschaft, die zum Bund der Vertriebenen (BdV) gehört. Sollten nun auch noch die Fördergelder aus Niedersachsen wegfallen, müssen sich die Schlesier wohl einmal ernsthaft überlegen, ob rückwärtsgewandte Rhetorik und Polemik gegen Polen im 21. Jahrhundert noch angesagt sind; außer, man möchte sich als rechtsradikale Splitterorganisaion aufstellen. Dem eigentlichen Anliegen der Landsmannschaft, nämlich der Pflege von Brauchtum und Kultur aus ehemaligen deutschen Gebieten, erweisen die Schlesier mit ihrem Verhalten auf jeden Fall einen Bärendienst.

Siehe auch: Schlesier suspendieren Thüringer, Landsmannschaft: “Pawelka und seine Unverbesserlichen”, Landsmannschaft und SJ: Berlin, wir haben kein Problem, Die “Schlesische Jugend” und ihre Kontakte zur JLO, Friedrich fordert Landsmannschaft zu Stellungnahme auf, Vertriebenen-Nachwuchs im Zwielicht

3 thoughts on “Schlesier bangen um Geld aus Niedersachsen

  1. 50.000 Euro Unterstützung alle zwei Jahre allein durch das Land Niedersachsen für eine Veranstaltung, die die Ministerpräsidenten des Landes (auch Christian Wulff schon zu seiner Zeit als Niedersächsischer Ministerpräsident) regelmäßig „aus politischer Missbilligung“ vorzeitig verlassen?

    Warum bleiben die Ministerpräsidenten nicht einfach von vorneherein weg, wenn sie doch sowieso wissen: Die Relativierung des Nationalsozialismus und seiner Konsequenzen WIRD hier stattfinden – so sicher wie das Amen in der Kirche?

    Warum auch nur EINEN CENT an öffentlichen Geldern für ein solches Treffen, auf dem offenbar die Unbelehrbaren das Sagen haben?

    Und jetzt soll ausgerechnet das niedersächsische Innenministerium über eine Streichung dieser Steuermittel ernsthaft nachdenken?? Auf dem besagten Schlesiertag vor zwei Wochen sah das noch anders aus – da sagte der anwesende niedersächsische Innenminister Schünemann (CDU) in seiner Rede: „Ich weiß, dass Sie mit Revanchismus nichts zu tun haben.“ und wurde als Freund und Förderer mit dem „Schlesierschild“ – der höchsten Auszeichnung der Landsmannschaft – geehrt.

    Quelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/jahrestreffen-der-geschichtsklitterer/

    Warum hofiert der niedersächsische Innenminister Schünemann (CDU) diese Organisation und erteilt ihr den demokratischen Persilschein, wenn doch GERADE ERST – mal wieder muss man im Bezug auf manche Vertriebenenorganisationen ja leider sagen! – die JAHRELANGE Präsenz und die stillschweigende Duldung von zahlreichen Neonazis in der Jugendorganisation der Landsmannschaft einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist?

    Ach Moment – wie war das doch gleich in dem taz-Artikel?

    „Von 2006 bis 2009 war er SJ-Bundesvorsitzender – bis ihn Rechtsextreme absetzten. Schon vor dem Putsch hatte er den Vorstand der Landsmannschaft, die Polizei und auch das Innenministerium über den Einfluss von Rechtsextremen in der SJ informiert.“

    Hmmm … hat sich da also das Land Niedersachsen bzw. das niedersächsische Innenministerium (das nun „überlegt“, die Förderung aus Landesmitteln zu streichen – ich bin sehr gespannt!!!) an dieser Politik der jahrelangen, stillschweigenden Duldung von zahlreichen Neonazis in der „Schlesischen Jugend“ beteiligt??

    Na, ich bin mir sicher Herr Schünemann wird nun wirklich nichts davon gewusst haben, was in seinem Ministerium gewusst wurde. Da geht es ihm wahrscheinlich wie „unserem“ Papst: Der wusste ja auch nicht, das er Holocaustleugner hofiert. Woher auch.

  2. 50.000€ aufzutreiben sollte doch für die organisierten Berufsvertriebenen kein Problem sein: Schließlich haben NACH (???) dem Krieg 120 Millionen Ostdeutsche Ihre Heimat verlassen, von denen noch gefühlte 270 Millionen – glaubt man den nicht verifizierbaren Zahlenspielchen von Erika „ich bin (k)eine Vertriebene“ Steinbach – am Leben sind.

    Nimmt man von jedem einen Cent, bleibt sogar noch was übrig.

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