25 Jahre Junge Freiheit: Gefangen im Trauma des Zweiten Weltkriegs

Seit einem Vierteljahrhundert verbreitet die rechte Zeitung “Junge Freiheit“ (JF) ihre nationalistischen Ideen in Deutschland. Im Gegensatz zu den meisten Deutschen hat sich das Blatt noch immer nicht von den dunklen Schatten des Zweiten Weltkriegs befreit: Die Zeitung glaubt noch heute, dass Deutschland von vielen Feinden umzingelt ist.

Von Stefan Kubon für NPD-BLOG.INFO

25 Jahre ist es nun her, dass die JF von einigen Schülern und Studenten gegründet wurde. Maßgeblich beteiligt daran war Dieter Stein, damals Schüler an einem Gymnasium in Stegen bei Freiburg in Breisgau. Schon bei der Gründung des Blatts nahm Stein, der 1967 in Ingolstadt geboren wurde, die Position des Chefredakteurs ein. Und auch noch heute steht er an der Redaktionsspitze der Zeitung. Trotz dieser personellen Kontinuität hat sich das Blatt im Lauf der Jahre in vielerlei Hinsicht verändert. Den Charakter einer Schüler- und Studentenzeitung hat die JF schon recht lange verloren. Heute wendet sich das Blatt an ein gebildetes Publikum in den mittleren Lebensjahren. Zudem ist die JF längst ihrer südbadischen Heimat entwachsen: Bereits in den 90er Jahren wurde der Redaktionssitz nach Berlin verlegt. Auch bei der Auflage entwickelte man sich weiter: Während die erste Ausgabe am 1. Juni 1986 noch in einer Menge von 400 Exemplaren erschien, werden heute immerhin an die 20.000 Stück verkauft.

Langsame, aber stetige Entwicklung

Ab 1991 erschien das Blatt, das zuvor nur alle zwei Monate herausgegeben wurde, jeden Monat. Im Januar 1994 schaffte die JF den Sprung zur Wochenzeitung. Sechs Jahre später stieg man auf ein großflächigeres Zeitungsformat um. Seitdem entspricht es dem Format bekannter Zeitung wie beispielsweise der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ oder der “Süddeutschen Zeitung“. Die Seitenzahl wurde während der letzten elf Jahre nur geringfügig erweitert: Bis zum September 2010 wies das Blatt zumeist einen Umfang von 20 Seiten auf. Seit dem 1. Oktober des vergangenen Jahres sind es meistens 24 Seiten. Im Zuge dieses Ausbaus wurden die Ressorts neu gegliedert. Diese bestehen nun zu gleich großen Teilen aus den Bereichen “Politik“, “Thema“, “Kultur“ und “Wissen“. Zuvor bestand das Blatt aus einem gleichgroßen Politik- und Kulturteil. Folgerichtig lautete der Untertitel der Zeitung damals “Wochenzeitung für Politik und Kultur“. Heute heißt er “Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissen und Debatte“.

Titelblatt der "Junge Freiheit" im Jahr 2010

Einige Beobachter der JF meinen, dass das Blatt im Lauf der Jahre auch seine politische Ausrichtung verändert habe. Angeblich soll die Zeitung heute weniger radikal als früher sein. Doch tatsächlich ist von einer Mäßigung wenig zu spüren. So weist das rechte Blatt nach wie vor auch eine rechtsextreme bzw. antidemokratische Neigung auf. Deutlich wird dies etwa, wenn die JF versucht, den in Deutschland lebenden Ausländern die Verschuldung der öffentlichen Haushalte anzulasten. Demgemäß werden Ausländer insbesondere als vermeintliche Kostenfaktoren dargestellt, die sich der deutsche Staat angeblich nicht mehr leisten könne. Diese menschenfeindlichen Entgleisungen erinnern daran, dass einige Autoren der JF offenbar grundsätzlich ein angespanntes Verhältnis zur Idee universeller Menschenrechte haben. Dass die Menschenrechte ein elementarer Bestandteil unseres Grundgesetzes und unserer Demokratie sind, scheint diesen Autoren gleichgültig zu sein.

Ihre rechtsextremen Züge offenbart die Zeitung zudem bei ihrer Betrachtung des NS-Staats und des Zweiten Weltkriegs. Zwar bestreitet die JF, dass sie den NS-Staat bewundert, dennoch findet man in dem Blatt immer wieder Artikel, in denen der Kriegseinsatz der Wehrmacht (die ja bekanntlich das zentrale Herrschaftsinstrument des NS-Staats war) verherrlicht wird. Vor diesem Hintergrund wirkt die Distanzierung vom Nationalsozialismus nicht gerade überzeugend. Ferner ist es auffällig, dass die vorrangige Schuld des NS-Staats am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs von maßgeblichen Kräften des Blatts vehement bestritten wird.

Außerdem sieht man die Offenheit der JF gegenüber dem Rechtsextremismus daran: Das Blatt orientiert sich an den Ideen der “Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik. Diese publizistische Bewegung beteiligte sich an der Zerstörung der ersten deutschen Demokratie. Carl Schmitt und Ernst Jünger dürften die bekanntesten Vertreter dieser antidemokratischen Strömung sein. Beide Autoren werden von der JF regelmäßig in zustimmender Weise rezipiert. Dabei übernimmt das Blatt freilich mitunter auch Vorstellungen, die keine demokratietheoretische Relevanz besitzen.

Die rechtsextreme Schlagseite sorgte für Probleme

Ihr gelegentlicher Hang zum Rechtsextremismus hat der JF schon erhebliche Probleme bereitet. In den 90er Jahren gingen Antifa-Aktivisten besonders massiv gegen das Blatt vor. Die Aktionen gipfelten in zwei Brandanschlägen: Zum einen wurde im Dezember 1994 die für die Herstellung der JF verantwortliche Druckerei angegriffen. Zum anderen erfolgte im Januar 1995 eine Attacke auf das Auto des Chefredakteurs.

Wegen ihrer rechtsextremen Tendenzen fand die JF auch immer wieder Aufnahme in die Verfassungsschutzberichte des Bundes und der Länder. Schließlich beschwerte sich das Blatt beim Bundesverfassungsgericht darüber, dass es in den nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzberichten der Jahre 1994 und 1995 unter der Rubrik Rechtsextremismus aufgeführt wurde. Die JF sah darin einen Verstoß gegen die Pressefreiheit. Am 24. Mai 2005 gab das höchste deutsche Gericht dem Blatt recht. Angeblich war es nicht rechtens, die JF pauschal unter der Rubrik Rechtsextremismus einzuordnen. Denn für diese bedeutsame Maßnahme sei die Beweislage des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes nicht umfangreich genug gewesen. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts verzichten die Innenminister darauf, in ihren Verfassungsschutzberichten die JF zu thematisieren. Doch auch nach dem Urteil wurde das Blatt vom baden-württembergischen Verfassungsschutz unter die Lupe genommen. Und das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen schloss nicht aus, das Blatt weiterhin zu beobachten.

Derweil bemüht sich Chefredakteur Dieter Stein darum, dass sich sein Blatt zumindest von den besonders radikalen Kräften des Rechtsextremismus fernhält. Gegenüber der NPD gelingt das mittlerweile auch einigermaßen überzeugend. Dementsprechend kam es in der Geschichte der JF auch vor, dass besonders radikale Autoren aus der Redaktion ausschieden, um daraufhin im NPD-Milieu aktiv zu werden. Beispielsweise ist das bei Andreas Molau und Angelika Willig der Fall gewesen. Wollte man die politische Ausrichtung der JF, die sich grundsätzlich als überparteiliche Zeitung versteht, im parteipolitischen Spektrum verorten, liegt das Blatt wohl am ehesten auf der programmatischen Linie der rechtskonservativen Republikaner. Hierzu passt, dass sich auch die Republikaner in den letzten Jahren darum bemüht haben, gegenüber der rechtsextremen NPD Distanz zu wahren.

So ist bei aller notwendigen Kritik an der JF auch Folgendes festzuhalten: Obgleich das Blatt mitunter rechtsextremen Positionen das Wort redet, ist es nicht angemessen, die Zeitung pauschal dem Rechtsextremismus zuzuordnen. Doch zumindest kann man die allgemeine politische Richtung des Blatts als “rechts“ bezeichnen. Einer Etikettierung als “rechts“, “national“ oder “konservativ“ dürfte die JF kaum widersprechen, denn ihr Selbstverständnis lautet: “Die JUNGE FREIHEIT ist der großen kulturellen und geistigen Tradition der deutschen Nation verpflichtet. Ihr Ziel ist die politische Emanzipation Deutschlands und Europas und die Bewahrung der Identität und der Freiheit der Völker der Welt.“

Das Klagelied vom ausgebeuteten Deutschland

Obwohl dieses hochtrabende Selbstverständnis letztlich nur sehr bedingt das wirkliche publizistische Treiben der JF beschreibt, spiegelt es zumindest einen wahren Sachverhalt wider: Das Hauptthema des Blatts ist in der Tat die deutsche Nation. Bei der Beschäftigung mit diesem Thema geht es der Zeitung vor allem darum, zu veranschaulichen, dass das deutsche Volk ein besonders benachteiligtes Volk ist. Und diese vermeintliche Benachteiligung rührt angeblich daher, dass die Deutschen von anderen Völkern bzw. ausländischen Mächten unterdrückt und ausgebeutet werden.

Freilich ist diese Sichtweise schon allein deshalb ein ziemliches Hirngespinst, weil Deutschland im globalen Vergleich bekanntlich eher zu den wohlhabenden Ländern gehört. Doch dieser Einwand dürfte das Blatt nicht weiter irritieren. Schließlich geht es der JF offenkundig weniger um rationale Befunde, sondern vielmehr um die propagandistische Vermittlung ihrer eigenen wohlstandschauvinistischen Überzeugungen und Zielvorgaben. Wobei sich diese Zielvorgaben letztlich schlichtweg in der Formel “Mehr Macht und mehr materieller Reichtum für Deutschland“ zusammenfassen lassen. Und ganz offensichtlich scheint die JF zu glauben, dass es ihren Zielen am meisten dient, ständig in absurder Manier darüber zu lamentieren, dass Deutschland ein von ausländischen Mächten ausgebeutetes Land sei.

Auch wenn das Klagelied der JF stets der gleichen Grundmelodie folgt, weist es im Detail unterschiedliche Varianten auf: Zum einen kommen dort ständig Menschen vor, die nach Deutschland eingewandert sind. Den Einwanderern wird vorgeworfen, dass sie die deutschen Sozialsysteme überlasten würden. Zudem kritisiert man die Migranten, weil diese angeblich im besonderen Maße kriminell seien. Zum anderen geht es in dieser Jeremiade regelmäßig um die EU. Dem Staatenverbund wird beharrlich unterstellt, dass er vorrangig dem Zweck diene, das deutsche Volk zur Kasse zu bitten und Deutschland in machtpolitischer Hinsicht klein zu halten.

Darüber hinaus handelt das Klagelied immer wieder vom Zweiten Weltkrieg. Nach dem Verständnis der JF sind die Deutschen bis zum heutigen Tag aufgrund der Verbrechen des NS-Staats mit einem übertriebenen Schuldkomplex beladen. Vor allem dieser Komplex sei es, der Deutschland daran hindere, die machtpolitische Stellung zu erlangen, die dem Land eigentlich zustehen würde. Angeblich nutzen die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und das übrige Ausland den vermeintlichen Schuldkomplex, um Deutschland ausbeuten zu können.

Die Verleugnung der Wirklichkeit

Dass das Lamento der JF fast nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, dürfte dem Blatt relativ gleichgültig sein. Schließlich ist die Zeitung recht geübt darin, Realitäten auszublenden. So stützt sich das elitäre Gehabe der Zeitung nicht zuletzt darauf, stets zu betonen, dass man nicht gewillt sei, sich der gegenwärtigen bundesdeutschen Wirklichkeit zu beugen. Bei nüchterner Betrachtung müsste die JF freilich erkennen, wie absurd es ist, zu behaupten, eine relevante Anzahl der Deutschen sei aufgrund der Verbrechen des Nationalsozialismus mit einem übertriebenen Schuldkomplex beladen. Einen solchen Schuldkomplex kann es schon allein deshalb nicht geben, weil sich die meisten Deutschen schlichtweg nicht besonders für die Verbrechen des NS-Staats interessieren.

Die Deutschen des Jahres 2011 interessieren sich vor allem für ihren beruflichen Werdegang. Des Weiteren sorgen sie sich um ihre Gesundheit und hoffen auf das große Glück in der Liebe. Ansonsten interessieren sie sich für Autos, Mode, Reisen, Sport oder auch einfach dafür, dass ihre Wohnung ordentlich geputzt ist. Tatsächlich unterscheiden sich die Interessen der Deutschen nicht besonders von denen anderer Menschen in der westlichen Welt.

Gefangen im Trauma des Zweiten Weltkriegs

Dass das Blatt bei seiner Beschäftigung mit der deutschen Nation sogar aktuell annimmt, Deutschland sei von lauter Feinden umzingelt, dürfte auch daran liegen, dass sich die Zeitung noch immer dem kriegerischen Geist der Zeit des Zweiten Weltkriegs verbunden fühlt. Tatsächlich projiziert die JF die Feindbilder von damals in die Gegenwart. Es ist nicht das deutsche Volk, das aufgrund der Verbrechen des NS-Staats an einem übertriebenen Schuldkomplex leidet. Vielmehr ist es die JF, die noch immer in psychopathologischer Weise in den geistigen Schützengräben des Zweiten Weltkriegs gefangen ist. Und offensichtlich scheint die JF zu glauben, dass sie ihr konfuses Leiden an Deutschland und seiner Geschichte mindern kann, wenn sie den Deutschen ihr eigenes Trauma aufbürdet. Frei nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid!

In ihrem nationalen Wahn blendet die JF aus, dass die von ihr als bedrohlich empfundenen Migrationsbewegungen nicht zuletzt durch das eklatante globale Wohlstandsgefälle zustande kommen. Aufgrund seiner Ignoranz hat das Blatt generell kein Problem mit der weltweiten Ausbeutung der Unterschichten. Letztlich ist es dem Blatt auch egal, ob diese Ausbeutung im nationalen oder im internationalen Zusammenhang stattfindet. Schließlich setzt man sich grundsätzlich für eine hierarchische Gesellschaftsordnung ein.

Die Ausbeutung der Unterschichten ist kein Thema

Angeblich bereitet der Zeitung die enorme Staatsverschuldung Deutschlands große Sorgen. Laut der JF sind für die hohe Staatsverschuldung natürlich insbesondere die sozial Schwachen (Asylbewerber, Hartz-IV-Empfänger usw.) verantwortlich. Obgleich in diesem Zusammenhang in erster Linie die in Deutschland lebenden Ausländer kritisiert werden: Auch die sozial Schwachen mit deutschem Pass geraten bei der JF relativ schnell ins Visier, wenn es darum geht, Schuldige für die erheblichen Defizite der öffentlichen Haushalte zu benennen. Demgemäß attackiert die Zeitung auch gerne den deutschen Sozialstaat, weil dieser angeblich nicht mehr zu finanzieren sei. Der Gedanke, dass die dramatische bundesdeutsche Haushaltslage etwa an der hemmungslosen Raffgier liegen könnte, die manche Vertreter der Oberschicht an den Tag legen, ist bei der Zeitung hingegen kaum verbreitet.

Tatsächlich ist es nicht wirklich überraschend, dass das Blatt gegenüber den Wohlhabenden unserer Gesellschaft auffällige Milde walten lässt. Denn die JF ist ja selbst ein Teil des wohlhabenden Milieus Deutschlands. Dementsprechend brüstet sich die Zeitung in ihrer Selbstdarstellung auch damit, dass ihre Leser angeblich über ein überdurchschnittlich hohes Einkommen verfügen.

Ihre wohlstandschauvinistische Ausrichtung hält die JF nicht davon ab, sich als ein Bollwerk des Christentums zu inszenieren. Demgemäß nimmt man sich gerne auf scheinbar christlicher Grundlage der Abtreibungsproblematik an. Dass man sich bei diesem Treiben aber vor allem um die niedrige Geburtenrate deutscher Frauen sorgt, ist ganz unverkennbar. Im Übrigen verwendet die JF ihre vermeintlich christliche Haltung, um einen kulturellen Abgrenzungsgraben gegenüber den in Deutschland lebenden Moslems zu ziehen. Die christliche Religion ist für die JF also auch ein wichtiges Instrument bei ihrem grundsätzlichen Kampf gegen die multikulturelle Gesellschaft in Deutschland. Das übergeordnete Ziel bleibt dabei stets der Einsatz für eine in ethnischer Hinsicht homogene deutsche Nation.

Man wähnt sich von lauter Feinden umzingelt

Abgesehen von den geschilderten Themenvariationen, die tatsächlich alle mehr oder weniger intensiv um das nationalistische Hauptthema kreisen, gefällt sich die JF darin, Stimmung gegen die angebliche Übermacht der politischen Linken in Deutschland zu machen. Und angesichts des rechten politischen Standortes der Zeitung überrascht es freilich nicht, dass das Blatt fast überall die Vertreter der Linken an der Macht sieht.

Innerhalb der von der JF als “links“ bezeichneten Kräfte sind es insbesondere die Angehörigen der 68er-Bewegung, die bevorzugt angegriffen werden. Die 68er sollen angeblich im besonderen Maße für die verschiedensten Fehlentwicklungen der Gesellschaft (Egoismus, Hedonismus, Materialismus usw.) verantwortlich sein. Selbstverständlich ist es vor allem die nationalistische Gesinnung, die die JF dazu treibt, gegen die vermeintliche Übermacht der Linken vorzugehen. Sicherlich gibt es viele politische Kräfte, die den chauvinistischen Machtphantasien der JF im Wege stehen. Gleichwohl könnte man wohl nur dann die Mehrheit davon als “links“ bezeichnen, wenn man sich den rechten Standort des Blatts zu eigen machen würde.

Da die JF glaubt, sie sei von lauter Feinden umzingelt, drängt sich folgende Frage auf: Mit welchen Menschen möchte die JF eigentlich ihre Idee der deutschen Nation verwirklichen? Angesichts der recht großzügig ausfallenden Feindbestimmung dürfte es in der Tat einigermaßen schwer werden, eine ausreichende Zahl an Mitstreitern zu gewinnen. Zumal es das Blatt ja nicht einmal mit den eigenen Landsleuten gut meint. Ansonsten würde sich die Zeitung nämlich kaum seit einem Vierteljahrhundert darum bemühen, den Deutschen die Unfrieden stiftende Wahnidee von der benachteiligten deutschen Nation einzureden. Das Treiben der JF könnte daher auch in den kommenden 25 Jahren überwiegend wirkungslos verpuffen. Für eine solch undramatische Entwicklung des Blatts sprechen zumindest die derzeitigen Interessenlagen der Deutschen.

Siehe auch: Angriff der Eliten: Von Spengler bis SarrazinJF: ie Furcht vor dem Zusammenbruch autoritärer Systeme, Rohe Bürgerlichkeit und Klassenkampf von oben, Junge Freiheit: Prekäre Partystimmung, JF: Dichter zwingt NS-Diplomaten zur Ausbürgerung, SZ druckt JF-Anzeigen – Leserbrief dazu aber nicht, Getrennt marschieren oder den rechten Flügel stärken?, Andreas Molau: Ausgeschlossen, gescheitert, überschätzt, “Dem Konservatismus fehlt es an klugen Denkern”, JF: “Vollständige Rückführung von Ausländern ist eine Illusion”, Junge Freiheit: Für Schultze-Ronhof und gegen die “Shoah-Epidemie”, Gemeinsam gegen die Versöhnung: Extreme Rechte wird ewigvorgestrig, “Keine Politik mehr rechts von Lenin”? Konservate in der Krise

Literatur:

Stephan Braun, Ute Vogt (Hrsg.): Die Wochenzeitung “Junge Freiheit“. Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden, Wiesbaden 2007.

Martin Dietzsch, Siegfried Jäger, Helmut Kellershohn, Alfred Schobert: Nation statt Demokratie. Sein und Design der “Jungen Freiheit“, 2. unveränderte Auflage, Münster 2004.

Klaus Kornexl: Das Weltbild der Intellektuellen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland. Dargestellt am Beispiel der Wochenzeitschrift JUNGE FREIHEIT, München 2008.

Stefan Kubon: Die bundesdeutsche Zeitung “Junge Freiheit“ und das Erbe der “Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik. Eine Untersuchung zur Erfassung der Kontinuität “konservativ-revolutionärer“ politischer Ideen, Würzburg 2006.

15 thoughts on “25 Jahre Junge Freiheit: Gefangen im Trauma des Zweiten Weltkriegs

  1. Nochmal an Borni:
    Ich habe meinem Artikel einen Rechtsextremismus-Begriff zugrunde gelegt, wie er mehrheitlich in der bundesdeutschen Politikwissenschaft üblich ist.
    Dass die JF beharrlich bemüht ist, Deutschland als benachteiligtes bzw. ausgebeutetes Land darzustellen, hat meines Erachtens noch keine extremismustheoretische Relevanz.
    Diese Relevanz stellt sich aber beispielsweise ein, wenn sich die JF aufgrund ihrer verwegenen These von der Benachteiligung Deutschlands dazu veranlasst sieht, den Artikel 1 unseres Grundgesetzes zu schleifen. Und Sie werden mir doch zustimmen, dass die Würde des Menschen das Recht auf Nahrung, Kleidung, Unterkunft usw. einschließt!? Genau diese Menschenrechte will die JF aber beständig Flüchtlingen, Asylbewerbern usw. verwehren, indem sie etwa auch noch die Reste des bereits 1993 beschnittenen Asylrechts untergräbt. Und die Menschenrechte, zu denen eben auch das Asylrecht gehört, sind eben nun mal ein Bestandteil einer Demokratie.
    Dass die JF in einer autistischen Wohlstandsblase gefangen ist, ist das eine. Dass sie aber noch dem Asylbewerber die sechs Quadratmeter in der Massenunterkunft neidet, ist das andere. Hier wird es dann wirklich extrem. Vielleicht sollten sich die Autoren der JF, die sich an dem Kesseltreiben gegen sozial Schwache beteiligen, auch mal überlegen, dass sie mit ihrem Treiben letztlich auch ihre eigene Würde (und die Deutschlands!) beschmutzen …

    Borni, ich weiß jetzt nicht, ob ich Ihrer Vorstellung eines “echten Diskurses“ entsprochen habe, aber zumindest habe ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten darum bemüht. Und Ihre Meinungen werden hier doch auch zugelassen. Und die Meinungen der JF und des Herrn Sarrazin werden in Deutschland doch ebenfalls zugelassen. Die Frage ist halt nur, ob sich eine Mehrheit in Deutschland dafür gewinnen lässt. Ich für meinen Teil hoffe, dass das nie der Fall sein wird.

    Im Übrigen ist es doch so: Würden in Deutschland die politischen Vorstellungen der JF oder des Herrn Sarrazin zu Gesetzestexten werden, würde Deutschland seine eigene kulturelle Abschaffung (Aufklärung, Menschenrechte, Christentum) betreiben. Aber merkwürdigerweise meinen diese politischen Kräfte ja ernsthaft, sie würden sich mit ihrem Treiben für Deutschland einsetzen. Klar, letztlich haben diese Kräfte eben schlichtweg ein anderes Verständnis von Deutschland als ich. Meines Erachtens sollte Deutschland aber ein Ort sein, an dem sich Deutsche und Ausländer gemeinsam für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Stefan Kubon

  2. Was für eine demokratische Einstellung der Autor hat, lässt sich an diesen 2 Sätzen ablesen: „Ihr gelegentlicher Hang zum Rechtsextremismus hat der JF schon erhebliche Probleme bereitet. In den 90er Jahren gingen Antifa-Aktivisten besonders massiv gegen das Blatt vor. “

    Unter anderem wurde die Druckerei der Jungen Freiheit abgebrannt!! Die Schuld für schwere Sachbeschädigungen, Bedrohungen und andere Straftaten werden beim Opfer gesucht. Statt offen die Antifa als kriminell zu bezeichnen, oder gar als terroristisch, werden sie als „Aktivisten“ bezeichnet.

  3. An Kuhborn:
    In meiner Lebens- und Begriffswelt versteht es
    sich von selbst, dass es sich bei einem Brandanschlag
    um eine kriminelle Aktion handelt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Stefan Kubon

  4. Natürlich gibt es starke Unterschiede zwischen Anhängern der Jungen Freiheit und Anhängern beispielsweise der NPD. Ich habe heute zufällig in Wikipedia eine ganz brauchbare Beschreibung gefunden, die den Nagel auf den Kopf trifft. Ich gebe das mal verkürzt wieder:

    „Der „konservativ Revolutionäre“ Salonfaschist ist zwar intellektuell begabt und fähig seine Umwelt analytisch und differenziert wahrzunehmen, ist aber in seinem Weltbild fest in sozialdarwinistischen und totalitären Denkmustern verhaftet. So kann er einfach nicht begreifen und verstehen, dass Freiheit auch beinhaltet, dass Individuen unabhängig voneinander selbstständig und eigenverantwortlich Handeln und Argumentieren können. Aus seiner Sicht kann es nur Hierarchien, Eliten und Anführer geben. Im Gegensatz zum eliminatorischen Nationalsozialisten, der seinen Frust und sein Minderwertigkeitskomplexe real durch die konkrete und brutale Vernichtung von Menschen auslebt, war und ist der Salonfaschist der geborene Schreibtischtäter, der sich die Finger selbst nie schmutzig machen würde. Seine Frustration kompensiert er eher durch verbale Ausfälle, welche dazu dienen sein mangelndes Selbstwertgefühl und seine soziale Unfähigkeit auszugleichen. Beliebt sind bei ihm Prangerseiten oder Diskussionsbeiträge, wo er radikalverbal andere erniedrigt, um sich selbst zu erhöhen. Aus dem tiefen Minderwertigkeitskomplex und der mangelnden sozialen Kompetenz resultiert die Opferrolle, welche er intensiv auslebt und vor sich herträgt. Selbst unter Gleichgesinnten kommt der Salonfaschist oft in die Minderheitsposition. Dem Mob ist er zu eigenbrötlerisch und noch zu sehr eigendenkend (Geschichtlich betrachtet wurden die „konservativ Revolutionären“ vom eliminatorischen Flügel der Bewegung, welche sie tatkräftig mit gefördert haben, ebenfalls eliminiert). Der Salonfaschist macht in der Gesamtbevölkerung insgesamt einen verschwindend kleinen Prozentsatz aus.“

    Gefunden hier: [http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:KarlV/Gruselkabinett]

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