Werder leitet Verfahren gegen „NPD-Prominenz“ ein

Werder Bremen geht jetzt offiziell gegen den NPD-Funktionär Jens Pühse vor, der auch Mitglied des Fußballvereins ist. Das Werder-Präsidium leitete offiziell das Ausschlussverfahren gegen den Neonazi ein. Das bestätigte Werder auf seiner Homepage. „Wir machen damit von unserem satzungsmäßigen Recht Gebrauch, Mitglieder ausschließen zu können, die das Ansehen unseres Vereins schädigen, insbesondere eine rassistische Gesinnung vertreten. Es gab keine zwei Meinungen, dass in diesem Fall beides zutrifft“, sagte Dr. Hubertus Hess-Grunewald, Vize-Präsident des SV „Werder“ von 1899 e.V.

Ein Beier, ein Apfel, ein Faust, ein Voigt und ein Pühse flanieren zum Sozialkongress der NPD unter der Hochbrücke. Motto: Sehen und nicht gesehen werden, denn die Bremer wollten von den Nazis nichts wissen. (Foto: Kai Budler)
Ein Beier, ein Apfel, ein Faust, ein Voigt und ein Pühse flanieren zum Sozialkongress der NPD unter der Hochbrücke. Motto: Sehen und nicht gesehen werden, denn die Bremer wollten von den Nazis nichts wissen. (Foto: Kai Budler)

„Gerade Werder ist seit vielen Jahren ein Vorreiter in der Bundesliga beim Thema Anti-Diskriminierung und Gewaltlosigkeit, deswegen wollen wir auch hier ein klares Signal senden. Es ist für uns unbegreiflich, wie Herr Pühse seine politische Gesinnung in Einklang mit der Unterstützung für unsere multikulturelle Profimannschaft bringen kann“, ergänzte Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer, der die Aktion als Wahlkampfinszenierung der NPD einordnet. Jens Pühse, der im NPD-Bundesvorstand und als Spitzenkandidat in Bremerhaven arbeitet sowie in Bremen als NPD-Landeswahlkampfleiter agierte, hatte sich bei den Grün-Weißen im Vorfeld der Bürgerschaftswahlen bei Werder angemeldet. Erst im Januar 2011 hatte er seinen Mitgliedsantrag unterzeichnet.

Pühse und die „NPD-Prominenz“

Für Pühse ist die Sache doppelt ärgerlich, er hatte versucht, sich als verfolgter Dissident zu gerieren – und zwar noch vor der Wahl in Bremen. Daher behauptete er noch in einer Pressemitteilung vom 16. Mai, Werder Bremen stehe offenbar zu seiner „NPD-Prominenz“ [sic]. Eine Falschmeldung, denn das Präsidium hatte die Entscheidung nur vertagt – passenderweise auf einen Termin nach der Wahl, so dass das Interesse an Pühses Aktivitäten in der Hansestadt ohnehin noch geringer sind, als sie schon zu Wahlkampfzeiten waren.

Das FB-Profil von Jens Pühse: Lieblingsmannschaft - Werder Bremen
Das FB-Profil von Jens Pühse: Lieblingsmannschaft - Werder Bremen

Pühse habe nun ein Recht auf Anhörung, teilte Werder mit, er dürfe sich vor dem Präsidium äußern. Erst danach könne Werder über einen Ausschluss entscheiden. Der Verein hatte Pühse bereits aufgefordert sich freiwillig zurückzuziehen. Unwahrscheinlich, dass sich ausgerechnet Pühse den Auftritt vor dem Präsidium nehmen lässt.

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Dort dürfte er sich aber auf einiges gefasst machen, immerhin wurden Werder-Spieler schon von Neonazis beleidigt. Zuletzt war es NPD-Pressesprecher Klaus Beier, der meinte, den damaligen Werder-Star Özil als „Plaste-Deutschen“ beleidigen zu müssen.

Bei der Wahl gescheitert, Anschlag auf PKW

Pühse war Spitzenkandidat der NPD in Bremerhaven, die Partei scheiterte allerdings erneut deutlich, sie wollte den Einzug in die Bürgerschaft erreichen. Nach der Wahl brannte laut Medienberichten Pühses Wagen. Die Polizei schließt einen politischen Anschlag nicht aus.

Kommentar: Werder hat alles richtig gemacht, die Medien nicht!

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5 thoughts on “Werder leitet Verfahren gegen „NPD-Prominenz“ ein

  1. mal ne frage wieso kann ich bei den beiträgen „Von Fußball, Migration und bürgerlichen Freiheiten“ und „Wer nur eine Heimat kennt, ist verdammt, blöd zu bleiben“ keine kommentare abgeben? gibt es da ein technisches problem oder liegt das en meinem pc?

    Das liegt daran, dass die Artikel aus dem Archiv kommen. Bei älteren Meldungen wird die Kommentar-Funktion automatisch geschlossen. Könnte man nochmal überdenken.

  2. Wenn Pühse also erst im Januar 2011 seinen Mitgliedsantrag bei Werder unterzeichnet hat ist das logischerweise als eine ganz billige Art des Wahlkampfes um die total Gutgläubigen (von denen es ja nach dem niederschmetternden Wahlergebnis offenbar nicht genug gibt!) sympathischer zu erscheinen u. so Stimmen fangen zu können. Was ja offenkundig total daneben ging. Als Verein Werder würde ich die Sache medial möglichst niedrig hängen. Zwar ist der Bremenwahlkampf vorbei aber diesen Typen noch mehr Aufmerksamkeit zu schnenken halte ich für keine gute Idee.

  3. Inzwischen ist die Internetseite der NPD in Bremen auch nicht mehr erreichbar, nachdem Sie seit Meldung der katastrophalen Wahlergebnisse nicht mehr aktualisiert wurde. Das Thema NPD scheint sich in Bremen bis auf weiteres erledigt zu haben.

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