Neonazi-Attacke in Berlin: Mehrere Schläger identifiziert

Nach dem Naziangriff auf Migranten und Gegendemonstranten in Kreuzberg versucht die Polizei jetzt die Täter zu ermitteln. Antifa-Gruppen haben nach eigenen Angaben bereits mehrere Rechtsextreme identifiziert und Namen sowie Bilder im Netz veröffentlicht.

Von Johannes Radke, Störungsmelder

Wie berichtet hatten am 14. Mai 2011 rund 120 Rechtsextremisten die Polizisten überrannt und Passanten und Sitzblockierer auf dem Mehringdamm attackiert. Der chaotische Einsatz und die Geheimhaltung der Route sorgt Streit in der rot-roten Koalition.

„Wir sind sehr enttäuscht, dass wir vor dem Aufmarsch nicht vom Innensenator informiert wurden“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Marion Seelig, am Dienstag. Im Verfassungsschutzausschuss am Mittwoch und im nächsten Innenausschuss müssten die Geschehnisse und die Informationspolitik der Behörden detailliert geklärt und aufgearbeitet werden.

Neonazis prügeln auf Gegendemonstranten ein (Copyright: C. Jäger)
Neonazis prügeln auf Gegendemonstranten ein (Copyright: C. Jäger)

Im Internet haben inzwischen linke Gruppen Fotos des Angriffs veröffentlicht und neun der mutmaßlichen Täter namentlich identifiziert. Vier der Männer sind bekannte Kader aus der militanten Berliner Szene, die zum Teil schon mehrfach wegen Körperverletzungsdelikten verurteilt wurden. Die übrigen stammen aus anderen Bundesländern. Vier der Gewaltopfer hatten am Sonntag Anzeige wegen schwerer Körperverletzung erstattet.

Am Tag des Aufmarsches wurde lediglich einer der mutmaßlichen Angreifer am Nachmittag in Rudow festgenommen. Vorgeworfen wird ihm aber nicht der Übergriff, sondern, genau wie den übrigen 38 Festgenommen, ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. Während der Attacke selbst wurde kein Täter gefasst, obwohl auf Pressefotos zu sehen ist, wie Einsatzkräfte Angreifer festhalten und zurück in den rechten Aufmarsch schieben. Auch Wohnungsdurchsuchungen bei Tatverdächtigen hat es offensichtlich noch keine gegeben. Die Polizei wollte sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht näher dazu äußern. Die Polizeivideoaufnahmen des Vorfalls seien aber inzwischen ausgewertet. Noch vor kurzem hatte sich die Polizei selbstkritisch zu ihrem Vorgehen gegeben.

Am Sonntag hatte Innensenator Ehrhart Körting umfangreiche „Ermittlungsverfahren gegen die rechtsextremistischen Gewalttäter“ angekündigt. „Ich hoffe die Angreifer werden jetzt schnell gefasst“, sagte Marion Seelig (Linke). Aufgrund der vielen Bilder und der späteren Festnahmen, sei sie optimistisch, dass die Ermittler schnell Erfolg haben.

Neonazi in Berlin (Foto: Sebi Brux)
Neonazi in Berlin (Foto: Sebi Brux)

Offenbar ist am Samstag auch ein Polizist von Neonazis schwer verletzt worden. Noch nicht identifizierte Rechtsextremisten hatten einige so genannte „Polenböller“ mit hoher Sprengkraft aus dem Aufmarsch heraus in die Sitzblockaden geworfen. Ein Beamter erlitt ein Knalltrauma und wurde erst am Montagabend aus dem Krankenhaus entlassen. Unklar bleibt, wie die Rechtsextremen die Böller zum Mehringdamm bringen konnten. Die Teilnehmer seien im U-Bahnhof „einer selektiven und verdachtsabhängigen Vorkontrolle“ unterzogen worden, heißt es von der Polizei. „Hinweise auf das Mitführen von verbotenen Gegenständen“ hätten nicht vorgelegen.

Bereits am 1. Mai 2010 hatten zwei Neonazis aus Aachen versucht selbst gebaute und mit Glasscherben umwickelte Sprengkörper zu einem Aufmarsch nach Prenzlauer Berg zu bringen. Kurz vor einer Polizeikontrolle warfen sie die Sprengsätze in die Büsche und flüchteten. Beide Bombenbauer wurden im Februar dieses Jahres zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Siehe auch: Neonazi-Attacke in Kreuzberg: Polizei leitete Rechtsextreme in Gegendemo

2 thoughts on “Neonazi-Attacke in Berlin: Mehrere Schläger identifiziert

  1. Die NPD klärt uns in einer „Richtigstellung“ darüber auf, was sie unter Recht und Ordnung versteht. Wir lernen:

    1. Wenn mehrere Personen auf andere am Boden Liegende eintreten, dann ist das Notwehr.

    2. Wenn man Polizeisperren überrennt, um Gegner anzugreifen, dann „folgte man den Anweisungen der Polizei“. Aha.

    3. Wenn man auf Gegner zustürmt und sie angreift, dann ist das „entschlossenes Handeln anderer Demonstrationsteilnehmer“ und so „begannen die Demonstranten selbst die Wegstrecke zu räumen“.

    4. Die „Gewaltorgie“ sieht man derweil bei den Gegendemonstranten.

    5. Während man beklagt, dass „die Demonstranten aus den Reihen der [rechten] Blockierer mit Obst, Glasflaschen und Steinen beschmissen“ wurden, vergisst man versehentlich völlig, dass die Nazis einen Böller warfen, der einen Polizisten ins Krankenhaus beförderte.

    6. Die Veröffentlichung entsprechender Bilder, die den Nazi-Angriff zeigen, kommentiert die NPD so: „Für Gewalt unsererseits, außer zum Selbstschutz, gibt es weder Film-noch Fotobeweise und sie dürfen ruhig glauben, solche Bilder hätten die Linksmedien gerne.“

    Alle, die etwas anderes behaupten, sind „Linksextremisten“.

    Und zur Verhältnismäßigkeit polizeilicher Mittel im Umgang mit einer friedlichen Menschenmenge weiß die NPD:

    „Vor jede ordnungsgemäß angemeldete Demo sollte heut zu Tage ein Wasserwerfer gehören, um geltendem Recht den Weg bahnen zu können.“

  2. Die NPD titelt aktuell sehr treffend:

    „Deutschland – Schlaraffenland für Kriminelle“

    und

    „Laut Angaben der Polizei scheint Deutschland immer mehr zu einem Paradies für Kriminelle und Schwerverbrecher zu werden“

    Wer möchte der NPD in dieser Frage die Kompetenz absprechen? :-)

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