Landsmannschaft und SJ: Berlin, wir haben kein Problem

Die Landsmannschaft Schlesien soll sich gegenüber dem Bundesinnenminister zur Schlesischen Jugend erklären, die wegen rechtsextremer Umtriebe für Aufsehen sorgte. Halbherzig distanzierte sich die Landsmannschaft, welche angeblich 200.000 Mitglieder hat, von rechtsextremen SJ-Funktionären. Zudem betonte man, die SJ gehöre gar nicht wirklich zur Landsmannschaft, BdV-Chefin Steinbach formulierte es so: Die SJ sei „völlig indirekt angedockt“ an die BdV-Landsmannschaft. Wie so eine völlig indirekte Anbindung aussieht, zeigt die Bundesdelegiertenversammlung der Landsmannschaft. In einer Pressemitteilung der SJ heißt es dazu:

Am 3. April 2011 hielt die Landsmannschaft Schlesien, Nieder- und Oberschlesien e.V. im Haus Schlesien in Königswinter ihre alljährliche Bundesdelegiertenversammlung ab, das höchste Organ der Landsmannschaft. Rund dreißig Delegierte, Vertreter aus fast allen Landesverbänden und Vertreter der korporativen Mitglieder, wie z.B. der Schlesischen Frauen, der Evangelischen Schlesier, der Stiftung Schlesien und natürlich der Schlesischen Jugend, waren der Einladung gefolgt. Beginnend mit der üblichen Totenehrung verstorbener Mitglieder ging es zügig und einig durch die verschiedenen Tagungspunkte notwendiger Vereinsarbeit, wie z.B. dem Finanzbericht, der Haushaltsplanung oder der Nominierung verdienter Schlesier zur Verleihung des Schlesierschildes.

Die SJ berichtet über das Treffen der BdV-Organisation "Landsmannschaft Schlesien".
Die SJ berichtet über das Treffen der BdV-Organisation "Landsmannschaft Schlesien".

Wichtigster Punkt war die Planung des Schlesiertreffens 2011, das am 25./26. Juni 2011 erneut in Hannover stattfindet und bei dem der Verein angesichts der angespannten Finanzlage der Landsmannschaft und aufgrund gestiegener Ausrichtungskosten des Treffens bei gleichgebliebenen Eintrittspreisen auf eine rege Teilnahme hoffen muß. Auch in diesem Jahr darf sich der Besucher wieder auf ein reichhaltiges Kulturprogramm freuen. Neben den Gruppen der Schlesischen Jugend und verschiedenen Tanz- und Trachtengruppen haben sich bereits Vertreter aus der Politik angekündigt.

 

Im Folgenden ging es dann auch um die rechtsextremen Kontakte und Funktionäre in der SJ. Nach Angaben der SJ seien sich die Delegierten einig gewesen, „daß derartige Probleme mit Mitgliedern gar nicht existent sind“. Dennoch sei ein Antrag angenommen worden, in dem eine „Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in der Landsmannschaft bei einer gleichzeitigen Mitgliedschaft in einer extremistischen Organisation (oder auch einer Zusammenarbeit mit einer solchen)“ festgelegt werde. Dies ist besonders bemerkenswert, da die Landsmannschaft auf Anfrage erklärt hatte, es gebe bereits einen entsprechenden Unvereinbarkeitsbeschluss des geschäftsführenden Bundesvorstandes der Landsmannschaft. Dieser wurde nun offenbar also auf die Delegiertenversammlung ausgeweitet. Da man sich bei der Landsmannschaft aber ohnehin einig zu sein scheint, dass es ohnehin keine Probleme gebe, dürfte dieser Beschluss ebenfalls vollkommen nutzlos sein. Denn die Zusammenarbeit zwischen SJ und rechtsextremner JLO ist mehrfach dokumentiert, doch wenn man die JLO, Organisatorin der Neonazi-Aufmärsche in Dresden, nicht als rechtsextrem betrachten möchte, gibt es auch keinen Verstoß gegen den Beschluss. So einfach geht das.

Ob sich das Bundesinnenministerium mit einer solchen Haltung zufrieden geben wird, ist noch unklar.

Siehe auch: Die “Schlesische Jugend” und ihre Kontakte zur JLO

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