Stolberg: Wenn Neonazis „trauern“…

Neonazis "trauern" in Stolberg (Screenshot Report)
Neonazis "trauern" in Stolberg (Screenshot Report)

Der rechte Opfermythos verlangt nach Märtyrern – und im Jahr 2008 waren Neonazis und NPD der Ansicht, ihnen sei ein solcher gegeben worden. Ein 19-Jähriger wurde getötet, obwohl die Staatsanwaltschaft und Familie nicht von einem politischen Verbrechen sprachen, die Eltern sogar darum baten, das Andenken ihres Sohn nicht zu missbrauchen, marschierten die Neonazis durch Stolberg, um des vermeintlichen „Kameraden“ zu gedenken. So auch am vergangenen Wochenende, als in der Stadt erneut Rechtsextreme „trauerten“. Auf der Rückfahrt bedrohten Neonazis dann besoffen im Kölner Hauptbahnhof andere Reisende, berichtete der Kölner Express.

Im Kölner Hauptbahnhof mussten die Neonazis demnach auf ihre Anschlusszüge warten. Neben üblen Parolen zeigten sie Passanten den Stinkefinger und gröhlten biertrinkend herum. Schließlich kam auch noch ein Zug mit Antifaschisten am Bahnhof an, die in Stolberg gegen die Neonazis demonstriert hatten, so dass die Polizei größere Ausschreitungen befürchtete und mit 200 Beamten anrückte. Es blieb laut Express bei Rangeleien.

 

Der Neonazi-Marsch selbst fiel in diesem Jahr kleiner aus als in den Vorjahren. Das „Neue Deutschland“ berichtet, ein bürgerliches Bündnis habe ein Fest samt Demonstration in der Innenstadt organisiert. Zudem sei der Aufmarsch erstmalig blockiert worden. Ein Zusammenschluss aus Gewerkschaften, Linkspartei, Antifagruppen und anderen hatte zu Blockaden der Anreiserouten nach Dresdener Vorbild aufgerufen. Die Veranstalter sprachen in einer vorläufigen Bilanz von 1000 Beteiligten, die den Aufmarsch knapp vier Stunden verzögert hätten. Die Polizei gab hingegen an, „Verkehrsbehinderungen“ und „betriebliche Störungen“ hätten die Anreise der 430 Neonazis – bedeutend weniger als im Vorjahr – verzögert.

Die Zeitung berichtet weiter, Sprüche wie: „Schlagt den Kanaken die Schädeldecken ein“ oder „linkes Gezeter – neun Millimeter“ hätten die Polizei nicht zum Einschreiten veranlasst, genauso wenig wie das Absingen des Hitlerjugend-Liedes „Ein junges Volk steht auf“.

Siehe auch: NRW: Neonazis missbrauchen weiter Gedenken an getöteten Jugendlichen, NRW: “Hört auf, über unseren Sohn zu lügen!”, NRW: Wie NPD und Neonazis eine tödliche Messerstecherei instrumentalisieren

7 thoughts on “Stolberg: Wenn Neonazis „trauern“…

  1. Na klar, rund 300 Antifas am Stolberger HBF sowie eine weitere, ebenso große Gruppe die an mehreren Stellen die Gleise blockiert kann man natürlich durchaus als “betriebliche Störungen” ansehen.

    Nur für Arbeit gibt es Lohn – Bullen in die Produktion!

  2. „Nur für Arbeit gibt es Lohn – Bullen in die Produktion!“

    Und das von einem Studenten?!? Ich bin schon auf die Fachrichtung gespannt… Vielleicht erfüllt das ja ein Klischee?

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