Die „Schlesische Jugend“ und ihre Kontakte zur JLO

Die Landsmannschaft Schlesien soll sich zu Kontakten der „Schlesischen Jugend“ (SJ) in rechtsextreme Kreise äußern. Das hat Bundesinnenminister Friedrich gefordert. Es wird einiges zu erklären geben, denn der SJ-Chef gehört laut Satzung auch zum Bundesvorstand der BdV-Landsmannschaft – und die SJ pflegt vorliegenden Recherchen zufolge verschiedene Kontakte zu rechtsextremen Organisationen, wie beispielsweise zur „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“.

Von Maik Baumgärtner und Partrick Gensing

Die erste dokumentierte Zusammenarbeit zwischen der Bundesgruppe der „Schlesischen Jugend“ und der rechtsextremen „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) fand im Frühjahr 2010 statt. Damals luden die Vereine zu einem gemeinsamen Osterlager ein. Neben „Frühsport“ und einer „Ganztageswanderung“, stand auch ein Vortrag zum Thema „Die deutsche Kavellerie im ersten Weltkrieg unter August von Mackensen“ auf dem Programm.

Heldengedenktag in Berlin 1935 mit Hitler, Mackensen, Göring und weiteren (Quelle: Deutsches Bundesarchiv)
Heldengedenktag in Berlin 1935 mit Hitler, Mackensen, Göring und weiteren (Quelle: Deutsches Bundesarchiv)

August von Mackensen (* 6. Dezember 1849 in Haus Leipnitz, Kreis Wittenberg, als Anton Ludwig Friedrich August Mackensen; † 8. November 1945 in Burghorn, heute zu Habighorst, Niedersachsen) war ein Generalfeldmarschall im deutschen Kaiserreich. Aus bürgerlichen Verhältnissen stammend stieg er als Offizier bis zum Adjutanten des Kaisers Wilhelm II. auf und wurde von diesem 1899 geadelt. Im Ersten Weltkrieg war er ein erfolgreicher Heerführer und wurde später, zur Symbolfigur geworden, von den Nationalsozialisten als Anhänger Hitlers für Propagandazwecke eingesetzt. (Quelle: Wikipedia)

Ein halbes Jahr später lud die Landesgruppe der „Schlesischen Jugend“ aus Thüringen zusammen mit der JLO ihre Anhänger zum „Erntetanz“ ein. Da der ursprünglich geplante Veranstaltungsort kurzfristig nicht genutzt werden konnte, fand die Veranstaltung im thüringischen Kirchheim, im Hotel „Romantischer Fachwerkhof“ statt. Eine bei Neonazis beliebte Lokalität, in der nicht nur immer wieder Rechtsrock-Konzerte stattfanden, sondern auch NPD-Veranstaltungen und zuletzt im Dezember 2010 ein Parteitag der DVU.

Rechtsextreme JLO und SJ-Thüringen laden gemeinsam zum "Erntetanz" ein.
Rechtsextreme JLO und SJ-Thüringen laden gemeinsam zum "Erntetanz" ein.

Auch im Jahr 2011 besteht die Verbindung zur JLO fort. In einer Einladung, die NPD-BLOG.INFO vorliegt, ruft die JLO zum „3. Osterlager“ auf und begrüßt die Empfänger mit einem „Heil Euch, Kameraden!“. Die angegebenen Telefonnummern zur Anmeldung führen zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der „Schlesischen Jugend“- Bundesgruppe, Thiemo Wolf.

Die Bundeszentrale für politische Bildung zur JLO.

Die Verbindungen zur JLO sind allerdings alles andere als neu. Die „Ostfahrten“ der SJ wurden nämlich „In Gemeinschaft der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland, der Schlesischen Jugend und den Freien Freunden“ organisiert – und dies bereits im Jahr 2007. 

"Ostfahrt" 2007 - organisiert von JLO, SJ und Freien Freunden
"Ostfahrt" 2007 - organisiert von JLO, SJ und Freien Freunden

Auch im Folgejahr fuhr der Vertriebenen-Nachwuchs mit der rechtsextremen JLO in die ehemaligen deutschen Ostgebiete. Auch 2010 sollte die Reise gemeinsam von SJ und JLO durchgeführt werden.

"Ostfahrt" 2008 - organisiert von SJ und rechtsextremer JLO
"Ostfahrt" 2008 - organisiert von SJ und rechtsextremer JLO

Und es liegen noch weitere Beispiele für die Anbindung der SJ in die rechtsextreme Bewegung vor. So organisierte am 30. Oktober 2010 die NPD-nahe Vereinigung „National-Konservative Bewegung der Deutschen aus Russland“ einen Kongress unter dem Motto „Deutschland einig Vaterland“. Als Redner traten unter anderem die bekannte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck und der rechtsextreme Publizist Dr. Walter Marinovic aus Österreich auf.

Alljährlich kommen Tausende Rechtsextreme zu Aufmärschen in Dresden, die maßgeblich von der JLO organisiert wurden.
Alljährlich kommen Tausende Rechtsextreme zu Aufmärschen in Dresden, die maßgeblich von der JLO organisiert wurden.

Laut eines Berichtes der Veranstalter, traten dann „Vertreter verschiedener Jugendgruppen“ auf und referierten über „ihre Aufgaben und Jugendarbeit“. Neben einem Mitglied der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN), der bis zum Verbot auch in der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) aktiv war, trat auch Kai Pfürstinger auf. Letzter war im selben Jahr nicht nur Landeschef der JLO in Sachsen sondern auch Versammlungsleiter auf dem jährlich stattfindenden Neonazi-Aufmarsch am 13. Februar in Dresden. Und mitten drin: Der stellvertretende Bundesvorsitzende der „Schlesischen Jugend“-Bundesgruppe Thiemo Wolf, der den Angaben zufolge die Arbeit der SJ vorstellte.

Neonazi-Liedermacher Jürgen V.

Doch Thiemo Wolf besuchte den Kongress offenbar nicht alleine, auf Bildern ist auch der rechtsextreme Thüringer Liedermacher Jürgen Voigt mit einer Schlesien-Fahne zu sehen. Unter dem Namen „Jürgen V.“ tritt er seit Jahren auf neonazistischen Veranstaltungen auf. Im Jahr 2009, als er für die NPD-Thüringen für den Landtag kandidierte, begleitete er die „Schlesische Jugend“ auch zum Schlesier-Treffen nach Hannover.

Auch in den wenigen anderen Landesverbänden der SJ sind Funktionäre aktiv, die beispielsweise früher bei der JN waren. So in Baden-Württemberg, wo ein führender SJ-Funktionär in den 1980ern JN-Landesvorsitzender in Niedersachsen war. Zudem war er Mitglied im Landesvorstand der NPD, kandidierte für die rechtsextreme Partei – und war bis in die 1990er in der NPD als Funktionär aktiv.

Die SJ will sich "nicht spalten lassen". Interesse an Aufklärung der rechtsextremen Kontakte gibt es offenbar nicht.
Die SJ will sich „nicht spalten lassen“. Interesse an Aufklärung der rechtsextremen Kontakte gibt es offenbar nicht.

Die SJ ruft derweil die „Schlesier“ auf, sich nicht „spalten“ zu lassen. Es werde versucht, „durch die Verbreitung von Unwahrheiten dem Jugendverband zu schaden und Zwietracht zwischen den Vertrieben und ihrer Jugend zu sähen“. Dabei sei das Ziel ganz klar: „Der Vertriebenennachwuchs soll von der Erlebnisgeneration abgetrennt und damit das Schicksal der Vertriebenenarbeit besiegelt werden.“ Daher appelliert die SJ nun: „Glauben Sie nicht den Verleumdungskampagnen, die gegen Ihren Jugendverband geführt werden, sondern weisen Sie diese entschieden von sich ab.“

Fronttransparent der JLO in Dresden 2008
Fronttransparent der JLO in Dresden 2008

BdV-Chefin Erika Steinbach hat sich bereits von der SJ distanziert, ihren Angaben zufolge waren bereits seit Jahren Probleme mit der Organisation bekannt. Warum SJ-Chef Rimbach dennoch weiterhin im Vorstand der Landsmannschaft sitzt, bleibt unklar.

Die BdV-Landsmannschaft strebte noch im Jahr 2010 offenbar sogar eine noch engere Zusammenarbeit mit der SJ an, wie aus einem Artikel aus dem Mitteilungsblatt „Berliner Schlesische Nachrichten“ der Landsmannschaft hervorgeht. In der Ausgabe Nummer 3 / 2010 hieß es „zum Bundesmitarbeiterkongress am 23. Mai 2010 in Görlitz“:

Der große Saal des Tagungsortes war einigermaßen ordentlich gefüllt, aber deutlich nicht zur Gänze. Eine Tendenz des Rückganges war – im Vergleich zu früheren Kongressen – nicht zu übersehen. Um so erfreulicher war es festzustellen, dass ein ganzer Tisch von den Vertretern der jungen Generation besetzt war. Die „Schlesische Jugend von Thüringen“ mit ihrem Infoblatt „Junges Schlesien“ war nicht zu übersehen, nicht zuletzt auch wegen ihrer traditionell schlesischen Kleidung. Und sie meldete sich auch klar zu Wort. Angesichts der personellen Situation sollte die Landsmannschaft Schlesien eigentlich froh sein um jeden einzelnen jungen Menschen, der sich Schlesien zur eigenen Sache macht. Einen negativen Zeitgeist treffend bzw. treffen sollende Begriffe, wie Heimat, Volkstum, Deutschtum u. ä. m. brauchen dabei nicht überinterpretiert zu werden. Insofern war es erfreulich festzustellen, dass sowohl der Bundesvorsitzende, Herr Rudi Pawelka, als auch der Vertreter des DFK-Bezirkes Oppeln, Herr Bruno Kosak, zu erkennen gegeben haben, dass sie den Gesprächsfaden zur „Schlesischen Jugend“ aufnehmen und weiterentwickeln wollen. 

Ob sich der Bundesinnenminister damit zufrieden geben wird? Wohl kaum, denn es liegt noch weiteres Material zur SJ vor, beispielsweise Fotos, die SJ-Funktionäre mit NPDlern zeigen.

Siehe auch: Friedrich fordert Landsmannschaft zu Stellungnahme auf, Steinbach distanziert sich von Schlesischer Jugend, Vertriebenen-Nachwuchs im Zwielicht

2 thoughts on “Die „Schlesische Jugend“ und ihre Kontakte zur JLO

  1. Aus dem Jahre 2003:

    http://dead-osa.50webs.com/news9b2e.html?article=450

    Dazu die JLO (bereits 2005)

    http://www.jlosachsen.de/index.php?option=com_content&task=view&id=40&Itemid=48

    …Aber über Jahrzehnte die fetten Naziaufmärsche in Dresden initiieren und anmelden können; is` ja eigentlich auch kein Wunder – in „Mitteldeutschland“. 😉

    Man braucht` sich auch gar nicht so an den Kontakten der SJ zur JLO fest zu beissen … wie wäre es denn darüber hinaus mit dem „Institut für Staatspolitik“? *lol*

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