„Schulhof-CD“: Behörden und Medien machen NPD-Wahlkampf

Alle Jahre wieder – kommt die Warnung vor der Schulhof-CD… Vor Jahren konnte die NPD mit dem Projekt noch demonstrieren, dass eine rechtsextreme Organisation erstmals den Schulterschluss mit der neuen Rechtsrock-Szene vollzogen hat – heute ist die CD ein alter Hut, ein Propaganda-Instrument aus der Mottenkiste. Leider sorgen die rechten Akkorde in Bremen nun für Aufsehen, um welche die NPD bereits seit Monat bettelt.

Von Patrick Gensing

Bereits im Januar hatte NPD-„Wahlkampfleiter“ Jens Pühse angekündigt, die Partei werde ihre CDs verteilen. Wer die Dinger aber überhaupt massenhaft unter das Volk bringen soll – angesichts der personellen Schwäche der NPD in dem Stadtstaat – blieb offen. Unklar auch, welcher Jugendliche, der sich für Rechtsrock interessiert, noch auf CDs wartet, obgleich im Internet  die Musik längst zur Verfügung steht.

Archiv: Artikel aus dem Jahr 2004 über die “Aktion Schulhof”

Den Behörden scheint es egal zu sein, das Landesamt für Verfassungsschutz in Bremen warnte nun vor der CD, die Medien griffen die Vorlage dankbar auf. Und Innensenator  Ulrich Mäurer wusste zu berichten: „Unabhängig davon, ob die CD strafwürdigen Inhalt aufweist, so ist sie doch menschenverachtend und dient der NPD dazu, ihr rechtsextremistisches Gedankengut zu verbreiten.“ Das ist zweifelslos richtig, alles andere wäre auch eine Sensation, beispielsweise, wenn die NPD eine CD produzieren würde, um für Toleranz und respektvollen Umgang zu werben.

Die neue Schulhof-CD der NPD wurde indiziert.
Die neue Schulhof-CD der NPD wurde indiziert.

Viel interessanter wäre indes eine Aukunft darüber, welche Wirkung die NPD mit der CD erreichen könnte. Besonders, da Verteilaktionen auf Schulhöfen ohnehin unzulässig sind, wie die Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper im Weserkurier betonte.

Der NPD wird es gleichgültig sein, da die Schulhof-CD dazu dient, die Existenz der Partei überhaupt ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die Neonazis würden angebliche Verteilaktionen wohl kaum öffentlich ankündigen, wenn es tatsächlich um die CD ginge – und nicht um die Drohung, die Jugend mit Rechtsrock ködern zu wollen.

Siehe auch: NPD in Bremen: Pühses virtueller Wahlkampf, 40 Nazi-Konzerte in drei Monaten, NPD in Mecklenburg: Zwischen Rechtsrock und Kümmerer-Partei, Wer nichts zu sagen hat, der muss schreien, NPD-Schulhof-CD endgültig auf dem Index

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