Interne Strategiediskussion: „NPD tief verunsichert“

Die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen hat eine E-Mail vorliegen, in der sich der NPD-Funktionär Peter Schreiber hinter die Kritik von Frank Franz an der Partei stellt. Schreiber bereicherte Franz` Aussagen noch durch interessante Kommentare, welche Rückschlüsse auf den Zustand der NPD zulassen. Schreiber (in der Mail als PS) ist Parlamentarischer Berater der NPD-Fraktion, Kreisrat in Meißen (dort mit Holger Apfel in der Fraktion) und Stadtrat in Strehla.

Miro Jennerjahn, Rechtsextremismusexperte der GRÜNEN, erklärte dazu, die derzeitige Strategiediskussion der NPD offenbare deren tiefe Verunsicherung. Die „fortgesetzten Wahlniederlagen, aber auch die zunehmend besser funktionierenden Strategien der demokratischen Parteien im Umgang mit der NPD, beginnen Wirkung zu zeigen“. Die NPD sei in der Krise, so Jennerjahn. Man habe „gute Chancen, die NPD im September dieses Jahres in Mecklenburg-Vorpommern und perspektivisch auch in Sachsen aus dem Landtag zu wählen“.

Zu der vorliegenden Email erklärt Jennerjahn, Ernüchterung herrsch bei der NPD offenkundig auch über das eigene Personal, sowohl auf Funktionärsebene als auch in der Anhängerschaft. Für Funktionsträger denke man laut über einen „Amtseid“ nach. Den Anhängern werde attestiert, dass ihnen bisweilen „die Dämlichkeit geradezu aus den Augen“ springe. Zudem werde darüber nachgedacht, wie man sich „unbrauchbarer Truppenteile“ entledigen könnte.

Die NPD will sich an aktuelle Themen heranzuhängen, wie den Streit um die Kita-Kosten in Hamburg. Eigene Themen kann sie nicht setzen.
Die NPD will sich an aktuelle Themen heranzuhängen, wie den Streit um die Kita-Kosten in Hamburg. Eigene Themen kann sie nicht setzen.

„Ideologisch bewegt sich hingegen nicht viel“, stellt Jennerjahn zutreffend fest. Man stelle sich bei der NPD nur noch die Frage, wie der eigene Rassismus ‚positiver rüber gebracht‘ werden könne, empfehle die offensive Abwendung vom Nationalsozialismus, um wenig später Anleihen am italienischen Faschismus zu nehmen und über eine „Hierarchie des Adels“ nachzudenken.

„Die NPD scheitert in doppelter Hinsicht“, bilanziert Jennerjahn. „Die Verbürgerlichungsstrategie, ’sächsischer Weg‘ genannt, scheitert, weil man die Finger dann doch nicht von Nationalsozialismus und Faschismus lassen kann. Die Zusammenarbeit mit der so genannten ‚Freien Szene‘ stagniert, weil diese vom legalistischen Weg des Parlamentarismus nichts wissen will.“

In der Tat zeigt die derzeitige Strategiediskussion, dass auch ambitionierte Kader wie Franz oder auch Holger Apfel keine neuen Impulse setzen können. Während Franz immerhin noch Widersprüche in Ideologie und Strategie thematisierte, beschimpfte Apfel die Wähler als „dumme Kälber“ und verbreitete schließlich Durchhalteparolen.

Hier der Email-Wechsel mit Anmerkungen von Peter Schreiber.

Siehe auch: NPD-Pleitenanalyse: Wähler zu dumm!, Nach NPD-Pleiten: Angst vor der “Israel-Connection”

8 thoughts on “Interne Strategiediskussion: „NPD tief verunsichert“

  1. Hallo Herr Gensing, Voigt hat sich bereits gestern oder vorgestern zu Wort gemeldet…

    Auf der Weltnetztseite der Bundes-NPD findet sich sein längerer Kommentar.

    Danke für den Hinweis! PG

  2. Im Rahmen der Wahlanalyse behauptet die NPD: „In den letzten 10 Jahren explodierten die Preise, während die Reallöhne sanken.“

    Sehen wir einmal die Statistik der Inflationsrate, dann lernen wir, dass die Preise seit 1994 mit nicht mehr als 2,5% pro Jahr „explodierten“ – nicht zuletzt, weil Währungsstabilität schon immer ein großer Schwerpunkt der Währungspolitik war. So einfach, so dumm die Worte der NPD.

    Unterhaltsam wird es nur dann, wenn man die Schuld bei „den diabolischen Kräften der Verderbnis“ sucht (Wer das ist? Natürlich NPD-Gegner, also Menschen ohne bizarre psychische Aussetzer).

    Und dann erleben wir den wissenschaftlichen Höhepunkt: „Wer, wenn nicht die NPD, steht für Deutschlands glorreiche Geschichte“.

    Kann man diese Frage noch irgendwie mit Ironie übertreffen?

  3. Die NPD und ihr Umfeld sind nach diesen Wahlkatastrophen Tief verunsichert. Auch durch die offenkundigen Daten- und Informationslecks werden sie massiv verunsichert. Da viele von denen ohnehin an notorischem Verfolgungswahn leiden und sich ständig vom „System“ beobachtet fühlen führt das zu einem hineinsteigern in ihren Wahn.
    Der Inhalt der nun öffentlich gemachtn eMail lässt tief blicken. Wenn man sich ein Mal die Mühe macht den ganzen Wulst durchzulesen zeigt das hier versucht wird eine in jedem Punkt bankrotte Ideologie noch irgendwie zu retten, koste es was es wolle! Vor allem sitzt bei den Kameraden der Frust tief was die Zuverlässigkeit (aus ihrer Sicht versteht sich…) des eigenen, so wehement umworbenen Volkes anbelangt. Sie können es nicht verstehen das man sie wahltechnisch derart an die Wand gespielt hat. Insbesondere das Ergebnis in BaWü wo die Wahlbeteiligung stieg und gerade dann die Partei eins auf den Deckel bekommen hat die seit Jahren immer behauptet hat wenn jene Nichtwähler wählen gehen würden wäre die NPD sicherlich im Landtag. Pustekuchen! Die Quittung des Wählers ist angekommen!
    Man darf nun davon ausgehen das wenn die Wahlen in MV ebenfalls zur Misserfolg werden oder zumindest massive Stimmenverluste eingefahren werden, es nicht mehr weit her ist mit der NPD, da hilft auch eine ominöse „Vereinigung“ mit der bürgerlich-deutschnationalen Parteileiche „DVU“ nicht mehr weiter….

  4. Ich gehe davon aus das die NPD auch in MV eine Wahlklatsche verpasst bekommt,es hat sich bestimmt rumgesprochen das die NPD keine positive Option ist.
    Ein Skandal nach den anderen,kein Geld,interne Streitigkeiten.
    Sowas würde für jede Partei das Aus bedeuten.
    Da aber bekanntlich nun mal NPD und ihre Anhänger aus der rechten Ecke nachweislich unter paranoiden Wahnzuständen leiden, wollen oder können sie es nicht wahr haben das sie keine Chance auf einer Landtags-Wahl haben,sie blamieren sich bis auf die Knochen,das wird auch in MV für sie hoffentlich nach hinten losgehen und sich auch dort wie begossene Pudel aus der Wäsche gucken wenn die ersten Hochrechnungen und Prognosen gesendet werden.
    Die NPD begreift es einfach nicht das sie niemand haben will.

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