NPD-Pleitenanalyse: Wähler zu dumm!

Gewohnt souverän hat die NPD auf die Wahlpleite in Baden-Württemberg reagiert. Einmal mehr vermutet man Wahlbetrug – ohne einen einzigen handfesten Beweis vorlegen zu können. Bei der Ursachenforschung ließ sich die Partei auch etwas ganz besonders originelles einfallen: Die Wähler waren einfach zu dumm.

Von Patrick Gensing

Während der NPDler Frank Franz zumindest Widersprüche im eigenen Lager thematisierte, macht es sich der einflussreiche Parteifunktionär Holger Apfel etwas einfacher. Und das geht so:

Wie war das mit den dümmsten Kälbern, die ihren Metzger selber wählen? Mit der gestrigen Wahl in Baden-Württemberg tragen viele Wähler wie auch Nichtwähler im Ländle die Verantwortung dafür, daß erstmalig in der Geschichte der BRD ein Grüner, ein ehemaliger Aktivist des Kommunistischen Bundes Westdeutschland, Ministerpräsident von Baden-Württemberg wird – assistiert von einem der größten Türken-Lobbyisten im Lande, Nils Schmid von der SPD. Und wie dramatisch es um den Seelenzustand unseres Volkes steht, zeigte sich beispielhaft in den Wahlkreisen Stuttgart 1 und Tübingen, wo die Wähler keine Hemmungen besaßen, eine Frau Muhterem Aras und ein Herrn Lede Abal als Direktbewerber in den Landtag zu wählen – und sich somit auch nicht herausreden können, daß sie nicht wußten, auf was und wen sie sich da eigentlich einlassen. Auch in Rheinland-Pfalz haben sich die „Grünen“ verdreifacht, in Hessen das Ergebnis zur Kommunalwahl auf zwanzig Prozent verdoppelt – auch wenn der Satz von Max Liebermann stammt, er ist treffender denn je: „Man kann gar nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte.“

Abgesehen davon, dass Liebermann seinen berühmten Ausspruch im Jahr 1933 den geistigen Vätern der NPD gewidmet hatte, bleibt bemerkenswert, wie unverschämt Apfel die Wähler beschimpft. Der Kommentator „neuer Leser“ schrieb treffend bei NPD-BLOG.INFO:

Das ätzende Bashing der Wähler in diesen beiden Bundesländern macht deutlich, das Apfel ein ernsthaftes Problem mit freien Wahlen hat, solange diese nicht seinen persönlichen Erwartungen entsprechen. Eine solche Reaktion seitens eines Politikers der großen demokratischen Parteien würde den Todesstoß für die eigene politische Laufbahn bedeuten; für Apfel scheint ein solcher Ton allerdings völlig normal.

Und „BaWü Mensch“ ergänzte:

In der Tat mutet Apfels Kommentar zu den Wahlen an wie der eines greisen, längst vom Volk entfernten Diktators der so rein garnicht mit Demokratie und Wahlen anfangen kann. Mir fiel gerade bei der NPD Baden-Württemberg schon seit längerer Zeit auf das hier offenbar ein eklatanter Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit besteht. Wohl vielleicht aber auch einfach bezeichnend für jene braune Möchte-gern-Bewegung die zwar stets vorgibt das “Deutsche Volk” zu verteidigen, letztendlich aber von der Lebenswirklichkeit dieses Volkes herzlich wenig mitbekommt und schon lange in einer abgeskapselten Weltanschauungskarantäne vor sich hin lebt!

Dafür hat Apfel offenbar von den etablierten Parteien gelernt, was die Satzbausteine einer echten „Wahlanalyse“ angeht. Der Parteivorstand sei „nun gefordert, die Wahlergebnisse in Hamburg, S-A, BW, RLP und Hessen im internen Rahmen gründlich zu analysieren und sich bei der Ursachenforschung nicht allein auf die externen Gründe unseres Scheiterns zu beschränken“. Auch die Anfang 2010 einberufene Strategiekommission sollte so bald wie möglich wieder zusammenfinden, um der Partei neue Impulse zu verleihen, so Apfel. Das wird die Basis mitreißen.

Die NPD will den Saustall säubern. (Foto: Sebi Brux)
Offenbar zu anspruchsvoll für den Wähler: NPD-Plakat in Rheinland-Pfalz (Foto: Sebi Brux)

Etwas interessanter wird es dann beim heimlichen Thema Nummer 1, der NS-Zeit. Apfel fordert, genau wie Franz, man dürfe nicht mehr die „Schlachten von gestern kämpfen“. Diese Eingebung ereilt die NPD gut 70 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Nun gut, besser spät als gar nicht, könnte man meinen. Allerdings schränkt Apfel postwendend ein, es sei

„wichtig, daß sich junge Menschen auch heute mit der Geschichte unseres Volkes unverfälscht auseinandersetzen und auch würdig des hohen Blutzolls gedenken, den deutsche Soldaten und die Zivilbevölkerung im letzten Jahrhundert im Abwehrkampf gegen den Bolschewismus leisteten“.

Es ist alles noch da: Die Figur des gedemütigten Deutschen, das ewige Opfer, der Revisionismus sowie die Legende vom „Abwehrkampf gegen den Bolschewismus“. Etwas ändern möchte Apfel hingegen beim „Kampf um die Straße“, welcher ihm in seiner derzeitigen Form etwas zu weit geht. So kritisiert er, dass „inzwischen die ersten 4-5 Monate des Jahres bei vielen nur noch der Gedenkkultur gewidmet werden“. Er schlägt vor, sich auf einen Tag zu verständigen, an dem „stellvertretend aller Opfer und aller bombardierten Städte“ gedacht werden solle. Dumm nur, dass die NPD mit revisionistischen Themen die meisten Leute mobilisieren kann.

Als Fazit seiner Analyse muss dann aber auch Apfel auf Durchhalteparolen präsentieren:

Auch wenn das Volk uns als Ergebnis jahrzehntelanger Umerziehungspolitik und aufgrund gesellschaftlicher Kriminalisierung und Stigmatisierung noch nicht als Alternative wahrnimmt und stattdessen den Steigbügelhalter der Volksabwicklerparteien spielt: Wir dürfen nicht den Kopf hängen lassen, sondern müssen konsequent unseren Weg gehen. Wir sind es uns, unserem Volk schuldig! Wenn wir uns in dieser Situation nicht aus der Verantwortung stehlen, heißt das, vor allem Verantwortung zu übernehmen für das Schicksal unserer Kinder, die wir nicht den Bankrotteuren dieser Republik überklassen dürfen. Die Weisheit mag etwas abgegriffen sein, aber es ist dennoch so: Wenn die Guten nicht kämpfen, siegen die Schlechten!

Allerdings hatten die rechten Propheten des Untergangs doch schon seit Jahren vorhergesagt, in Kürze gehe das System bankrott, der Bürgerkrieg breche aus und die Zeit der nationalen Revolutionäre werde in Kürze kommen. Und nun soll man weiter abwarten, bis das verblödete und umerzogene Volk endlich wahrnimmt, dass die NPD die „Alternative“ sei? Nicht sehr überzeugend. Aber vielleicht öffnen die Wählerbeschimpfungen ja dem deutschen Volk endlich die Augen… Oder noch besser: Versenken auch in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen die NPD in die Bedeutungslosigkeit.

Siehe auch: Nach NPD-Pleiten: Angst vor der “Israel-Connection”, Landtagswahl in BaWü: Kein Geld für die NPD, Kommunalwahlen in Hessen: NPD bedeutungslos, NPD bleibt im Westen eine Splitterpartei, NPD-Ergebnis aus “nationaler” Sicht: “Die Opferrolle ist so bequem”, NPD scheitert bei “Schicksalswahl”

11 thoughts on “NPD-Pleitenanalyse: Wähler zu dumm!

  1. Der Herr Apfel schrieb:
    „Die Weisheit mag etwas abgegriffen sein, aber es ist dennoch so: Wenn die Guten nicht kämpfen, siegen die Schlechten!“

    Kann mal jemand dem Herrn Apfel sagen, dass die NPD niemals „gut“ war und je sein wird? An den Jungs ist so gar nichts „gut“. Da geht gar nichts.

    dann
    „wichtig, daß sich junge Menschen auch heute mit der Geschichte unseres Volkes unverfälscht auseinandersetzen und auch würdig des hohen Blutzolls gedenken, den deutsche Soldaten und die Zivilbevölkerung im letzten Jahrhundert im Abwehrkampf gegen den Bolschewismus leisteten.“

    Wenn junge Menschen sich damit auseinandersetzen, würden sie sehr schnell merken, dass dieser Blutzoll komplett unnötig und schwachsinnig war – vielleicht sogar kriminell, wenn nicht sogar kriminell. Desweiteren würden sie auch merken, dass die „Außenpolitik“ der NSlinge erst den „Vormarsch des Bolschewismus“ ermöglichte. „Selbst schuld“ würde ich sagen. Desweiteren würden sie auch merken, dass die NSlinge mehr dem deutschen Volk geschadet haben als es die Braunlinge heute zugeben wollen. Die damaligen Soldaten und die Zivilbevölkerung haben komplett unnötig ihren Arsch für etwas hergegeben, was unter aller Sau war, wie sich herausstellte. Nachdem klar wurde, dass es keinen Endsieg geben würde, hat man diese dann auch der Vernichtung überlassen, von wegen „keine Kapitulation“. Italien und Finnland waren da schlauer und haben „volksorientierter“ bzw. mennschenorientierter gehandelt. Die wollten ihre Menschen nicht unnötig sterben sehen. Die NS-Führung hatte mit dem Tod ihrer Untergebenen keine Probleme gehabt. Wirklich „nett“…
    Aber immer wieder lustig zu sehen, dass heutige Braunlinge nicht ohne den damaligen Braunlinge existieren können. Sie können nicht ohne.

    Und warum sollte man sowas wählen, gerade in Bundesländer, in denen die Menschen so nicht schlecht leben? Die letzten Wahlen zeigten ja eher, dass die NPD eine regionale Frustpartei ist. Wo es wirtschaftlich gut läuft, spielt sie keine Rolle. Sie werden nie eine seriöse Alternative werden, dafür ist ihr ideologischer Hintergrund schlichtweg zu negativ verseucht.

    Mit freundlichen Grüße
    Olli

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