NPD-Ergebnis aus „nationaler“ Sicht: „Die Opferrolle ist so bequem“

Da die Reaktionen aus der NPD auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einmal mehr ziemlich langweilig ausfallen dürften (Wahlfälschung, Medienpropaganda, alle sind gegen uns – warum nur?), hat der Neonazi-Kader Christian Worch eine interessante Analyse veröffentlicht, die NPD-BLOG.INFO in Auszügen dokumentiert. Worch interpretiert das Wahlergebnis nicht als Misserfolg, sondern kritisiert viel mehr die Großmäuligkeit der NPD, welche sieben Prozent plus x erreichen wollten.

Der Neonazi Christian Worch zu der Wahl in Sachsen-Anhalt:

Christian Worch (Quelle: Marek Peters)

Es waren nicht andere, die aus der Sachsen-Anhalt-Wahl (anders als vor knapp zwei Jahren aus der Thüringen-Wahl) eine „Schicksalswahl“ gemacht haben; das war die NPD. Es waren nicht andere, die fest heraufbeschworen haben, daß diesmal der Einzug in einen weiteren Landtag gelingen würde; das war die NPD. Die NPD oder zumindest NPD-nahe Kreise lancierten sogar eine Meldung, nach einer von der CDU in Auftrag gegebenen und von dieser geheimgehaltenen Umfrage sei mit einem NPD-Ergebnis von 7 oder 8 Prozent zu rechnen; die NPD habe dies aus „internen Quellen“ der CDU erfahren. Solche Quellen sind natürlich schützenswert und daher geheimzuhalten; eine bequeme Lösung, um frei erfundene Meldungen nicht belegen zu müssen. Wenn die NPD eine Wesensnähe zum historisch gewesenen Nationalsozialismus hat, dann besteht diese zumindest auch in den berüchtigten „Geisterdivisionen“, die in der Endphase des letzten Weltkrieges in den Köpfen verzweifelter Menschen herumspukten.

Und weil die NPD – nicht zuletzt aufgrund des durchgängigen und starken äußeren Drucks, unter dem sie steht – nach innen hin Geschlossenheit zum geradezu sektenhaften Dogma gemacht hat, kursieren natürlich wieder die üblichen Verschwörungstheorien. Die Opferrolle ist so bequem; sie enthebt einen der Notwendigkeit zu schonungsloser Analyse und Selbstkritik. Dabei war der Wahlkampf an sich nicht schlecht. Er war mit einem angeblichen oder tatsächlichen Kostenvolumen von 260.000 Euro (in einem Land mit rund zwei Millionen Wahlberechtigten) auch von angemessenem Aufwand. Vielleicht haben ein bißchen die Impulse gefehlt, die Flexibilität; gerade in Bezug auf die Japan-Vorgänge. Und die etwas hilflos wirkenden Leugnungsversuche in Sachen „Junker Jörg“ waren bei politischen Beobachtern gleich welcher Einstellung nicht gerade überzeugend. So was mag dann das Zünglein an der Waage gewesen sein, das den Unterschied zwischen 4,6 und 5,1 gemacht hat. Ärgerlich, aber kein Drama. Sicherlich selbstverschuldet, aber eine Altlast aus den Jahren 2006 oder 2007, einem Zeitpunkt, wo wohl noch niemand  abgesehen hat, daß der Mann gestern fast zum dritten Fraktionsvorsitzenden der NPD geworden wäre…

Wäre also die NPD eine ganz normale Partei, mit anderen Worten: das, was sie gern zu suggerieren versucht, wäre gar nichts los. Zum Drama wird es erst durch die Großmäuligkeit vor einer Wahl und die anschließenden üblichen hilflosen Versuche, die geschürten Erwartungen mit der Realität in Einklang zu bringen. Oder umgekehrt. Einen Beweis dafür liefert uns in einer ersten gestrigen Stellungnahme der Landesvorsitzende von Baden-Württemberg, Schützinger. Offenbar frei von Realitätsbezug bekundet er in einem Land, wo die NPD wohl eher Glück braucht, um auch nur ein Prozent Wählerstimmen zu bekommen: „Was die politikfähigen Deutschen in Sachsen-Anhalt konnten, nämlich die NPD mit einem respektablen, die FDP weit überholendem Ergebnis zu wählen, das können wir Baden-Württemberger doch auch – und vielleicht noch ein Klitzekleines mehr.“ Und damit nicht mißverstanden wird, wie dieses „Klitzekleines mehr“ zu verstehen ist – nämlich als den Einzug in den Landtag von Baden-Württemberg -, beginnt er einen Nachsatz mit den Worten: „Übrigens: Bei der Landtagswahl am 27. März 2011 wird die NPD das Überspringen der willkürlich gesetzten und undemokratischen Fünf-Prozent-Hürde fest ins Auge fassen!“

Da ist die nächste Niederlage vorprogrammiert. Denn sie entsteht bekanntlich im Auge des Betrachters.

Siehe auch: Analyse: NPD scheitert in den Städten

96 thoughts on “NPD-Ergebnis aus „nationaler“ Sicht: „Die Opferrolle ist so bequem“

  1. So Herr Worch noch mal zum mitschreiben,bzw nachlesen der Link zum Wissen.http://www.fachschaft-medizin.de/download/sonstiges/HippoEid.pdf
    Dieser Eid gild heute noch für Mediziner.
    Diese „Experimente“ die Mengele veranstaltete „Eiswasser“ waren trotzdem gegen jeden gesunden Menschenverstand die thermischen Parameter bei Abstürzen über Wasser (Nord-Ostsee)in der Zeit des 2.WK waren so oder so für die Piloten leider tödlich man verstirbt auch heute noch nach ca.20-30 Minuten im Wasser wenn Wasser und Luft unter 10.C liegt und keine Rettung in der Nähe währe bei Schiffbruch wenn sie segeln wissen sie das.
    Mit hoher Warscheinlichkeit kann eine Universität den akademischen Grad des Dr.oder Prof.aberkennen wenn schwerster Missbrauch vorliegt nicht nur bei Plagiaten wie bei einen Von und Zu vor Kurzen.
    Es ist richtig ich bin gläubige Christin,steht aber nicht in Vordergrund warum ich gegen der Sterbehilfe bin,ich lehne es eben aus eigener Überzeugung ab,wie sie ein mal schrieben „Ich habe nicht vor aus der „rechten Szene“ auszusteigen…
    Die Euthanasie „Aktion T4″war und ist ein Verbrechen und die Menschenversuche in den Konzentrationslagern waren untersuchungs oder medizintechnisch völlig unsinnig.
    Die sowas taten waren Sadisten,
    Friedrich Nietsche litt zeitlebens unter schweren psychischen Problemen.

  2. @ Mylius

    Scheinbar sind Sie nicht in der Lage sinnerfassend zu lesen oder es war ganz einfach noch zu früh am Morgen für Sie. Ich wiederhole mich wenn ich erwähne, dass ich meinen Namen hier in keinem Zusammenhang mit dem Dichter Rilke sehe. Vielleicht sollten Sie das zur Kenntnis nehmen.
    Darüber hinaus verwende ich ein kleines „r“ zu Namensbeginn auch wenn Sie mich in Ihren Darlegungen wiederholt weis machen wollen, dass ich Rilke mit großem „R“ bin.
    Auch das sollten Sie – um Mißverständnisse zu vermeiden – zur Kenntnis nehmen und wohlgefälligen Umsetzung führen.

    Deine weiteren „Ausführungen“, die meist auf die charakterlichen Attribute der hier gegen die politisch korrekten Simplifizierungen schreibenden Anwesenden zielt, haben, nachdem scheinbar der sachlich-argumentatorische Fundus auf deiner Seite doch limitiert zu sein scheint, einen beleidigenden, abwertenden populistischen Duktus angenommen. Gerade die Möglichkeit auf den Reiz nicht unmittelbar reagieren zu müssen in einer dialogischen Struktur, wie sie dieses Logbuch hier zur Verfügung stellt, lässt mich von einem gebildeten Menschen etwas anderes erwarten. Pawlow grüßt dich.
    Schade, dass du diese charakterliche Schwäche hast durchbrechen lassen (müssen?).
    Herren-Moral ist eben nicht gleich SS.

    @ Worch

    Ursprünglich ging es hier ja einmal um den Wahlkampf, die Wahlergebnisse der NPD und die Selbstwahrnehmung der NPD diesbezüglich.
    Wenn ich Sie richtig verstehe, werden die tatsächlichen Wahlergebnisse der NPD erst dadurch erwartungskompromittierend, da sie durch einen Scheinriesen die Welt gebracht werden. Würde ein mehr am Real-Möglichen orientierter Wahlkampf stattfinden, wäre die Enttäuschung auf der einen Seite und die Häme auf der anderen Seite nivellierter.

    Hinzu kommt, dass die Wahlnachschau gerne von Verschwörungstheoretikern beeinflusst wird um das eigene Scheitern der Organisationsform (gemessen an den selbst formulierten Zielen), aber auch der agierenden Protagonisten um die Integrität beider nicht zu gefähren.

    Nun existieren neben der NPD die Freien Kameradschaften u. a. mehr die eine ähnliche gelagerte Zielsetzung haben aber keine klare und nach außen auch transparente Struktur aufweisen.

    Beiden Organisationen gelingt es in den vergangenen Jahren nicht, auch nur ansatzweise eine Staatstransformation im nationalen Sinne zu initiieren oder auch nur, ganz profan gedacht, die Menschen im größeren Stil für ihre Idee zu begeistern.

    Diese Realität scheint eine große Enttäuschung (sic!) für die idealistisch vertretenen und obschon mit weitreichenden Folgen für die persönliche Lebensführung kennzeichnenden Ziele der Vertreter beider Organisationen zu sein.

    Wie könnte eine Neuausrichtung der NPD – um die ging es hier ursächlich – denn eine Veränderung herbeiführen?
    Eine Abkehr von marktschreierischem Verhalten im Wahlkampf und realistische Nachwahlbetrachtung unter Hinweglassung der Staatsraison wird wohl kaum hilfreich hinsichtlich der Zielsetzung sein. Ich persönlich war schon mehrfach bei Auszählungen dabei und kann es mir grundsätzlich vorstellen, dass Stimmen die für rechte Parteien sind ungültig geamacht werden … Denkbar ist dies für mich allerdings nicht im großen Stil.

    Gestatten Sie mir auch eine persönliche Nachfrage in diesem Kontext: wie gehen Sie persönlich mir dieser Diskrepanz und Spannung intrapsychisch um?

  3. @rilke

    Das hast du aber wirklich schön ausformuliert. Es liest` sich zwar alles sehr gekünstelt – dennoch Hut ab`! Da bin ich nun sprachlos und gehe in mich. – Hoffentlich kann ich auch mit dieser „Spannung“ irgendwie „intrapsychisch“ umgehen; wenn nicht, dann wird Herr Worch schon Auskunft darüber geben, wie man das bewältigen könnte … *lol*

    @rilke, werfe Worch immer schön die Bälle zu: von einem „Herren-Moralist“ zum Anderen. 😉

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