Junker Jörg: Falsches Spiel mit NPD-Fraktionschef Apfel?

Wegen der Vorwürfe gegen den NPD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Heyder, dürfte bald auch die Polizei in Sachsen ermitteln. Auf den dortigen NPD-Fraktionschef Apfel war nämlich das Forum, in dem „Junker Jörg“ sein Unwesen trieb, registriert. Apfel bestreitet, davon gewusst zu haben. Möglicherweise wurde er tatsächlich hintergangen. Derweil will der Informant, der die Berichte über „Junker Jörg“ ausgelöst hatte, sein Material komplett der Polizei zur Verfügung stellen.

Von Patrick Gensing

tagesschau.de und NPD-BLOG.INFO hatten am Dienstag exklusiv berichtet, dass der NPD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Matthias Heyder, in einem Internet-Forum offenbar unter dem Pseudonym „Junker Jörg“ Anleitungen zum Bau von Sprengstoff sowie weitere Geschmacklosigkeiten veröffentlicht hatte. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Magdeburg – bislang gegen Unbekannt. Die Seite, auf dem das Forum lag, war kurz nach der ersten Anfrage an Heyder und noch vor der ersten Veröffentlichung zum Thema verschwunden, die dazugehörige Domain „Freie-Freunde.de“ wurde bei der Internet-Registrierungsstelle Denic ebenfalls umgehend gelöscht. Spuren verwischen lautete offenbar die Devise.

NPD-Spitzenkandidat Heyer gibt sich im Wahlkampf als Demokrat - bei einer früheren Rede sprach er noch von einem "ekelhaften" System.
NPD-Spitzenkandidat Heyer gibt sich im Wahlkampf als Demokrat - bei einer früheren Rede sprach er noch von einem "ekelhaften" System.

Die Adresse  „Freie-Freunde.de“ war bei der Denic auf den sächsischen NPD-Fraktionschef Holger Apfel registriert. Daher dürfte nun auch die Polizei in dem Freistaat auf den Plan gerufen werden.

„Warum hast Du ausgerechnet Apfel eingetragen?“

Holger Apfel wurde als Inhaber der Domain "Freie-Freunde.de" eingetragen. (Screenshot vom 27. Februar 2011)
Holger Apfel wurde als Inhaber der Domain "Freie-Freunde.de" eingetragen. (Screenshot vom 27. Februar 2011)

Apfel leitet auch den NPD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt – und betonte nachdrücklich, er habe von der Domain nichts gewusst. Dies könnte nach Informationen von NPD-BLOG.INFO zutreffend sein, denn aus dem Forum geht hervor, dass „Junker Jörg“ und seine Kameraden Apfel hintergangen haben. Fakt ist aber, dass Apfel zuletzt bei der Denic als Inhaber der Domain geführt war.

 „Aber weshalb hast Du dort [gemeint ist die Denic] ausgerechnet Holger Apfel eingetragen?“, fragte ein Mitglied in dem Forum, als es um Probleme mit der Registrierung ging. „Junker Jörg“ wusste offenbar davon – und intervenierte nicht. Aber er bot seine Adresse für das Impressum der Seite an, seine Firmen-Anschrift allerdings, wie „Junker Jörg“ ergänzte. Diese lautete seinem Eintrag zufolge: „Matthias Heyder, Wasserturmstr. 32b, 38220 Halberstadt.“ Dieses Impressum lässt sich in einem Internet-Archiv noch aufrufen.

 Zudem verstärken weitere Indizien den Verdacht, dass Heyder unter dem Pseudonym „Junker Jörg“ schrieb. So organisierten die „Freien-Freunde“ in ihrem Forum gemeinsame Reisen nach Polen, in die ehemaligen deutschen Ostgebiete. Mit dabei laut Teilnehmerliste: „Junker Jörg“. Auf den Fotos von den Fahrten, die ebenfalls bei den „Freien-Freunden“ veröffentlicht wurden, ist Heyder zwischen seinen Kameraden zu sehen.

Bemerkenswert auch, dass „Junker Jörg“ ein Hörbuch von „Mein Kampf“ auf einen gemeinsamen Server hochgeladen hat. Hier teilten die „Freien-Freunde“ weitere NS-Propaganda, Rechtsrock und Bilder.

NPD-Unterstützer bestätigt Berichte

Angesichts der Berichte über „Junker Jörg“ gehen mittlerweile sogar Unterstützer Heyders auf Distanz. So erklärte der Betreiber einer einflussreichen rechtsextremen Internet-Seite, die den Wahlkampf der NPD als Medienpartner bislang uneingeschränkt unterstützte, die Vorwürfe seien zutreffend; dies wisse er aus sicherer Quelle. Daher wolle er nicht mehr weiter für „DeutschlandEcho“ arbeiten.

Von der NPD-Kampagnenseite „unser-heyder.de“ wird „Deutschlandecho“ weiterhin verlinkt – die Partei verweist also selbst direkt auf eine Quelle, welche die Berichte über Heyder bestätigt.

"(und es sind Tatsachen, allen Beteuerungen zum Trotz, das ist mir aus sicherer Quelle bekannt)" - der Betreiber von DeutschlandEcho verkündet seinen Abschied.
"(und es sind Tatsachen, allen Beteuerungen zum Trotz, das ist mir aus sicherer Quelle bekannt)" - der Betreiber von DeutschlandEcho verkündet seinen Abschied.

Die NPD übt sich derweil in wüsten Beschimpfungen. Das Niveau der Beleidigungen zeigt, dass Ausfälle wie von „Junker Jörg“ in der Partei keine Einzelfälle sein dürften.

Kopie geht an die Ermittler

Für die Behörden könnten sich die Ermittlungen bald deutlich leichter gestalten. Der Informant, der seinen Zugang zu dem Forum übergab, will nun auch eine komplette Kopie des Angebots sowie weiterer Daten vom Server der „Freien-Freunde“ an die staatlichen Stellen weiterleiten.

Diese Informationen dürften auch gerichtsfest sein: Es handelt sich um keinen Hack. Da die „Freien-Freunde“ auf ihrem Server Musik, Videos und andere Daten teilten, hatten viele Mitglieder die Möglichkeit, Material hochzuladen – oder eben auch herunterzuladen.

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7 thoughts on “Junker Jörg: Falsches Spiel mit NPD-Fraktionschef Apfel?

  1. „Für ein Weiterwurschteln auf dem prozentualen Niveau der letzten Jahre und damit in der faktischen Bedeutungslosigkeit sind mir aber meine Zeit, mein Geld und auch meine Nerven zu schade. Deshalb nehme ich hiermit meinen Hut und wünsche allen weiter Aktiven noch viel Spaß im immer wieder selbst verschuldeten Ghetto der Klischee-Erfüllung!“

    Also dass er mit Nazis zusammenarbeitete, war ok, aber dass die Nazis sich in der Öffentlichkeit als Nazis präsentieren, ist blöd, weil wenig erfolgversprechend.

    Kann denn wirklich einer geglaubt haben, dass mit den „Lichtgestalten“ der NPD eine erfolgreiche rechte Partei nach europäischem Vorbild möglich ist? Wenn man vorbestrafte Schläger in einer Vereinigung zusammenführt, nennt man das Selbsthilfegruppe, nicht Partei.

  2. Mich erinnern solche Geschichten immer an gute alte Zeiten, als wir im Stadion nach jeder vergebenen Torchance des Gegners hoehnisch „Ihr seid zu bloed!“ gesungen haben :)

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