„Junker Jörg“ gibt Ratschläge zum Bombenbau

Der NPD-Spitzenkandidat für die Wahl am 20. März in Sachsen-Anhalt hat in einem internen Forum offenbar über mögliche Anschläge und den Bau von Bomben diskutiert. Informationen von tagesschau.de legen es nahe, dass der NPD-Funktionär unter seinem Pseudonym „Junker Jörg“ zudem dazu aufrief, linke Frauen zu „schänden“. Heyder sagte, er bezweifle, dass er jemals in diesem Forum etwas geschrieben habe – kurz nach der Anfrage war das Forum allerdings verschwunden.

Von Patrick Gensing, zuerst veröffentlicht bei tagesschau.de

„20 Koffer, 20 Mann, 20 Bahnhöfe. Bundesrepublik lahmgelegt. Alles legal. Kosten unter 1000,-€. Wo ist das Problem?“, fragt „Junker Jörg“ in einem Internet-Forum, welches tagesschau.de komplett vorliegt. In einem Unterforum mit dem Titel „Waffen“ beschrieb „Junker Jörg“ in sieben Schritten genau, wie Sprengstoff hergestellt werden könne. Experten schätzen die Einträge als strafrechtlich relevant ein, da auch erklärt wird, wie die Substanzen dosiert werden müssen.

Wahlplakat der NPD in Sachsen-Anhalt: "Heyder räumt auf!"
Wahlplakat der NPD in Sachsen-Anhalt: "Heyder räumt auf!"

Hinter dem Pseudonym „Junker Jörg“ steht mutmaßlich der NPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt, Matthias Heyder. Das Forum selbst ist bei der Internet-Registrierstelle Denic auf den NPD-Fraktionschef im Sächsischen Landtag, Holger Apfel, registriert. Apfel leitet zudem den Wahlkampf der NPD in Sachsen-Anhalt – und gilt als enger Vertrauter von Heyder.

Fotos, Dokumente und abfällige Bemerkungen

Dass Heyer offenbar hinter dem Pseudonym „Junker Jörg“ steht, wird aus seinen Hunderten Einträgen seit 2004 deutlich. So beschrieb „Junker Jörg“ detailliert die NPD-Strategien für den Wahlkampf, diskutierte mit Kameraden über Fotos, welche Heyder zeigen und welche in Werbebroschüren zum Einsatz kommen sollten – und stellte Entwürfe für Flugblätter vor, welche auf einem Server Heyders liegen. Dort finden sich beispielsweise auch persönliche Dokumente von Heyders Angehörigen.

Zudem verbreitete „Junker Jörg“ immer wieder Insider-Wissen aus der NPD-Spitze – oft wenig Schmeichelhaftes allerdings. So lästerte er mehrmals über seine Kameraden, besonders Parteichef Udo Voigt bekommt sein Fett weg. Dieser habe „nicht mehr alle Latten am Zaun“, schrieb „Junker Jörg“ im Februar 2009. Zudem habe Voigt seine Geliebte als „Pressehostess einstellen lassen“ – trotz der desolaten finanziellen Situation der NPD. Der Partei drohen nämlich wegen Fehlern in einem Rechenschaftsbericht erhebliche Strafzahlungen, ein Berliner Gericht entscheidet in diesem Jahr darüber. Möglicherweise könnten noch weitere Strafen folgen:  Denn „Junker Jörg“ behauptet in dem Forum, nach Angaben von Parteichef Voigt seien noch weitere Berichte fehlerhaft. Voigt habe daher, so behauptet es „Junker Jörg“ zumindest, über Strafzahlungen in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro spekuliert – was gleichbedeutend mit dem Ende der Partei wäre.

„Die brauchen einen Führer“

Überhaupt hält „Junker Jörg“ das Führungspersonal der NPD nur für bedingt qualifiziert: „Pastörs, Voigt, Apfel“ und weitere seien „für sich überzeugend und ehrlich“. Allerdings seien sie „nicht teamfähig“, urteilte er, daher bräuchten sie „einen Führer der sie richtig diszipliniert“.

Über NPD-Chef Voigt meint "Junker Jörg", dieser habe nicht mehr alle Latten am Zaun; in Bezug auf Andreas Molau (Mitte) schrieb er, dieser tanze seinen Namen.
Über NPD-Chef Voigt meint "Junker Jörg", dieser habe nicht mehr alle Latten am Zaun; in Bezug auf Andreas Molau (Mitte) schrieb er, dieser tanze seinen Namen.

Offenbar waren auch Kameraden aus der NPD über Heyders Verhalten zwischenzeitlich wenig begeistert. So berichtete „Junker Jörg“ im September 2009, der Parteivorstand wolle auf seiner nächsten Sitzung über einen Antrag auf Parteiausschluss gegen ihn entscheiden. Anlass war demnach ein Artikel von Heyder, in dem er die NPD kritisierte. „Junker Jörg“ kommentierte den Eintrag lapidar: „It`s not a bug, it`s NPD!“

Außerdem rief der Neonazi in dem Forum die „tapferen Nationalisten“ im Bezug auf die Linkspartei dazu auf, „ihre Frauen zu schänden“. Konkret bezog sich „Junker Jörg“ auf eine namentlich genannte sächsische Landtagsabgeordnete der Linken.

„Widerliche Facette der Menschenverachtung“

Der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Hövelmann, sagte zu den Kommentaren von „Junker Jörg“: „Wenn sich bewahrheiten sollte, dass der NPD-Spitzenkandidat hinter den Einträgen steckt, wäre das eine neue Qualität. Dass die NPD vom demokratischen Rechtsstaat und seinen Gesetzen nichts hält, haben wir immer gewusst. Aber mit Planspielen zum Bombenbauen wird die Grenze der Legalität überschritten.“ Nach diesen Enthüllungen könne zudem niemand mehr sagen, er habe nicht gewusst, was hinter der dünnen bürgerlichen Fassade der NPD stecke. „Solche Leute haben in keinem Parlament etwas verloren“, so Hövelmann weiter.

Besonders schockiert zeigte sich der Minister über die „schmierigen Phantasien, die in den Aufruf münden, Nationalisten sollten linke Frauen ’schänden'“. Damit werde „eine besonders widerliche Facette“ der Menschenverachtung gezeigt.

Heyder sagte auf Anfrage von tagesschau.de, er bezweifle, dass er jemals in diesem Forum etwas geschrieben habe. Allerdings wusste er sofort, dass es sich um ein geschlossenes Angebot handelt: Es sei nicht zulässig, daraus zu zitieren, behauptete Heyder. Er wolle dies aber nicht weiter kommentieren. Er drohte strafrechtliche Konsequenzen wegen „Datendiebstahls“ an.

„Kunstland Sachsen-Anhalt“

Die NPD will am 20. März in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen. Es wäre das dritte ostdeutsche Landesparlament, in dem die Rechtsextremisten vertreten wären. Laut Umfragen kann die NPD auf rund fünf Prozent der Stimmen hoffen. Neben Spitzenkandidat Heyder setzt die NPD auf ihrer Landesliste vor allem auf Nachwuchskräfte aus der neonazistischen Nachwuchsorganisation JN. Diese gelten als besonders radikal.

Matthias Heyder beim Neonaziaufmarsch in Halberstadt
Matthias Heyder, Spitzenkandidat der NPD, beim Neonaziaufmarsch in Halberstadt

Heyder hat der Partei allerdings ein moderates Image im Wahlkampf vorgeschrieben, in dem internen Forum feixen die Rechtsextremisten allerdings über das bürgerliche Auftreten. Doch „Junker Jörg“ verteidigt die Strategie: „Wir haben gemerkt, daß die HARTZIVler uns zwar wählen würden, aber nicht wählen gehen. Wir müssen also in die Schichten, die Angst haben, knapp dran sind und dennoch noch so aktiv, daß sie wählen gehen.“ An eine Identität der Bürger in dem Bundesland glaubt er indes nicht, es handele sich bei Sachsen-Anhalt viel mehr um ein „Kunstland“.

Nachtrag: Seit den Abendstunden des 14. März 2011, einige Stunden nach der Anfrage von tagesschau.de an Matthias Heyder, ist das Forum nicht mehr online.

Forum der "Freien Freunde" offline

Nachtrag II: Am frühen Morgen des 15. März 2011 sieht die Startseite des Forums wieder anders aus. Nun soll sich die Seite angeblich in der Hand vermeintlicher Antifa-Hacker befinden. Wirkt alles sehr überzeugend…

Nachtrag III: Mittlerweile wurde die Domain freie-freunde.de bei der Denic gelöscht.

Einige Screenshots aus dem Forum, es liegen zahlreiche weitere vor:

Siehe auch: Udo gegen Udo im NPD-”Kindergarten”, NaziLeaks: Medien erhalten Daten aus der NPD, Aus den Hinterzimmern in den Landtag?, Aus Nazi-Radaubrüdern werden braune Strategen, NPD träumt von der Achse Dresden-Magdeburg-Schwerin

39 thoughts on “„Junker Jörg“ gibt Ratschläge zum Bombenbau

  1. Ja so ist es mit der braunen Flut,nix wollen sie gemacht haben,keine Antifas,Obdachlose oder Ausländer totgeschlagen haben,“das haben sie selber gemacht“Oder die Todesopfer der Nazis sind dann „eines natürlichen Todes gestorben“
    Wenn für den neuen Duden eine neue Beschreibung für Blödheit gebraucht wird,ich hab es Nazi soll es sein das neue Wort im Duden.
    Diese braunen spinner wiedersprechen sich ständig selber in jeder Lebenslage,mir ist bekannt schon beruflich als Krankenschwester das jeder Vollrausch einige millionen Hirnzellen irreversiebel absterben.
    Sie haben von einen normalen Leben keine Peilung,Heyder inbegriffen der sich wohl auch gerne mal mit Alk das „Gehirn“zulötet.
    Sicher ist das eine schwierige Mixtur aus Psychosen gepaart mit Alkohol oder Drogen,dann macht das bombastische Bombenbasteln bei den Nazis um so mehr Spass.Ja Junker Jörk (Matthias Heyder)hast dich damit wohl selbst ins Knie geschossen und die NPD könnte was ich hoffe wieder unter die 5% abschmieren,war ein Satz mit X das war wohl NIX du Muhammed Atta aus Sachsen-Anhalt,Game Over möchte ich hier sagen.

  2. Es wäre schon gut gewesen,wenn Ihr das Alter der PDS-MdL,gegen die der Vergewaltigungsaufruf ging,auch geschwärzt hättet.Jeder,der halbwegs rechnen kann,weiß nun,wer die Frau ist.
    Finde ich der Genossin gegenüber ziemlich unsensibel.

  3. „Selbstverständlich stehen die Bombenpläne auch woanders, denn der Autor wird wohl kaum selbst die Kompetenz haben, diese zu entwickeln. Ob die Polizei dies wusste oder nicht, ist nicht relevant. Wer zum Bombenbau aufruft, macht sich strafbar.“

    Da bin ich anderer Meinung. Findet man die Quelle, findet man auch den Täter.

  4. Der Sprengstoff, der hier beschrieben wird, ist in höchstem Maße krebserregend. Es darf also bezweifelt werden, dass jemand so eine Bombe mit dem eigenen Chemiekasten bastelt, …

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