NPD in Hohenmölsen: (Volks-)Genosse gegen Karnevalist

In Hohenmölsen in Sachsen-Anhalt sorgt die NPD für Kopfschütteln. Die rechtsextreme Partei schickt hier gleich zwei Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters ins Rennen: Der ehemalige Genosse und jetzige Volksgenosse Hans Püschel, der vor Kurzem öffentlichkeitswirksam zur NPD übergetreten war, sowie den in der Partei umstrittenen Gerd Fritzsche, welcher im Kreistag Leipziger Land sitzt.

Dieser Mann ist der Hoffnungsträger der NPD: Hans Püschel (Foto: Mikael Zellmann)
Dieser Mann ist der Hoffnungsträger der NPD: Hans Püschel (Foto: Mikael Zellmann)

Peinlich genug? Nein, es geht noch besser. Fritzsche habe schon einmal als Bürgermeister kandidiert, auch in Borsdorf, seinem derzeitigen Wohnort, berichtet die Leipziger Volkszeitung in ihrem Regionalteil. Seine politische Nähe zur NPD habe er seinerzeit verschwiegen. Und das wiederholte sich laut LVZ jetzt offenbar in Hohenmölsen. So gehe aus einem Leserbrief des Karnevalsclubs Taucha, einem Ortsteil der Stadt, in der Mitteldeutschen Zeitung hervor, dass Fritzsche die Kostümierten offenbar an der Pappnase herumführen wollte. Er habe im Club als Unparteiischer um Unterstützerstimmen gebuhlt, schrieben die Mitglieder, und dabei verschwiegen, dass er für die NPD in einem Kreistag sitze. Wegen dieser „vermutlich absichtlichen Täuschung“ würden sie sich nun ausdrücklich von der Unterstützung durch Unterschriften distanzieren.

Weiter berichtet die Zeitung über Fritzsches Werdegang, für ihn wäre Hohenmölsen eine Rückkehr zu seinen Wurzeln: „Er wurde 1952 in Hohenmölsen geboren. Später verschlug es ihn Richtung Halle, Nach der LVZ vorliegenden Informationen stieg er dort als Mitglied der SED zum Abteilungsleiter eines Kombinates auf. Nach der Wiedervereinigung war er unter anderem Verkaufsleiter für Mitteldeutschland für einen Getränkehersteller“ In Hohenmölsen bewerbe sich der Borsdorfer unter der Berufsbezeichnung Verlagshändler.

Von einer Panne, gar Verstimmungen wollte NPD-Landpressesprecher Michael Grunzel nicht sprechen. Er sagte der taz, diese Doppelkandidatur sei „kein Problem“.  Allerdings ist Fritzsche in der Partei schon länger umstritten. Aus den internen Emails aus der Partei geht hervor, dass es erhebliche Widerstände gegen die Kooperation zwischen Fritzsche und anderen NPDlern gab. Der KPV-Chef Hartmut Krien schrieb in einer Rundmail an Kameraden, Fritzsche habe “ein Problem mit dem Alkohol, das ihm insbesondere in den Abend- und Nachtstunden das Privileg von Narren (wie ehemals Harald Juhnke) verleiht”. Fritzsche sei angeraten, über eine Kur in einer Spezialklinik nachzudenken, so Krien weiter.

Klage angedroht

Dies wollte Fritzsche nicht auf sich beruhen lassen. Er drohte wegen der Beleidigungen eine Privatklage gegen Krien an. Dies könne allerdings weitere Konsequenzen haben, deutete er vielsagend an: Damit würden “vielleicht auch Dinge öffentlich, die nicht nur für Herrn Krien juristisch bedenklich sein könnten”, drohte er – und listete auf:

Zum Beispiel in Sachen Finanzgebaren innerhalb der KPV.
Zum Beispiel in Sachen fehlender Nachweise über Mitgliederbeiträge und deren Verwendung.
Zum Beispiel in Sachen fehlender Kassenberichte innerhalb der KPV.
Ein zweiter Fall Kemna?

Damit spielte Fritzsche auf den Skandal um den Ex-Schatzmeister der NPD an, der mittlerweile im Gefängnis sitzt.

Dieser offene Schlagabtausch führte zu wenig Begeisterung in der Partei. “Diese Querelen müssen geklärt werden.Und zwar im kleinsten Kreis,unauffällig und effektiv.Wenn der Feind Witterung bekommt,tobt sich die Schmierenjournaille auf Monate aus”, warnt einer.

Siehe auch: Beleidigen, drohen, klagen: Tollhaus NPD

23 thoughts on “NPD in Hohenmölsen: (Volks-)Genosse gegen Karnevalist

  1. Herr Püschel,
    eine „deutsche“ Ethnie gibt es nicht. Wir sind allenfalls Mitteleuropäer und außerdem – das habe ich an anderer Stelle im Blog dem NPD KV Unna / Hamm schon erläutert – ist historisch gar nicht klar, was eigentlich „deutsch“ ist. Dazu haben sich die Grenzen und damit die Bewohner zu oft geändert. Vor dem Kaiserreich gab es schließlich keinen Nationalstaat und darum auch keine Abgrenzung, wer oder was eigentlich zu Deutschland gehört.

    Was ist z.B. mit den Sorben? Das sind Slawen mit eigener Sprache, aber Deutsche. Wollen Sie den sächsischen Ministerpräsidenten ausweisen?

    Was ist mit Zigeunern? Die wohnen seit Jahrhunderten (!) auch in Deutschland, sind deutsche Staatsbürger. Dürfen die bleiben, oder reichen einige hundert Jahre noch nicht aus? Den Nazis reichten sie nicht.

    Was ist mit den Schwarzen, die teils schon aus den Kolonien kamen. Bereits im Kaiserreich waren Schwarze in der Öffentlichkeit nicht ungewöhnlich.

    Was ist mit den Dänen? Die Grenzen zu Dänemark haben sich immer wieder geändert, die Menschen aber lebten immer dort. Auch heute leben Dänen – mit Ihrer Sprache – im deutschen Norden und entsenden eigene Vertreter in den schleswig-holsteinischen Landtag. Das sind zwar nach Ihrer Auffassung „Arier“, aber keine Deutschen.

    Und die Juden – ein Lieblingsthema der NPD. Was machen Sie denn mit denen? Schließlich sind wir laut Ihrem Volksgenossen Pastörs eine „Judenrepublik“.

    Was ist mit den Polen, die spätestens seit den polnischen Teilungen fester Bestandteil preußischer und damit auch deutscher Staatsgebiete waren? Soviel zu „Poleninvasion stoppen!“, wie die NPD heute schreibt. Ein großer Teil der Polen ging ins Ruhrgebiet in den Bergbau, wie Sie noch heute an den Namen dort sehen.

    Und die Tschechen? Sie gehörten ewig lang zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, zu Österreich-Ungarn und sind mit deutscher Geschichte auf das Engste verflochten. Die erste „deutsche“ Universität liegt in Tschechien. Aber sie haben eine andere Sprache. Und kennen Sie Karl IV., den „deutschen“ Kaiser? Wo regierte der? Was ist also Deutschland?

    Ich fassen zusammen: Sorben, Zigeuner, Schwarze, Polen, Dänen, Juden udn Tschechen leben seit Ewigkeiten als fester Bestandteil in Deutschland oder irgendwie deutschen Gebieten. Das mag Ihrer Wahrnehmung entgangen sein, zeigt aber, dass Sie Deutschland gar nicht kennen. Denn „Multikulti“ hat – anders als immer behauptet wird – nicht erst mit den Gastarbeitern begonnen. Und sie haben alle zu unserer heutigen Kulturgut beigetragen – zu jener Kultur, die Sie als „unsere“ bezeichnen, als typisch deutsch. Klingelt’s?
    Und die Vermischung all dieser Bevölkerungsanteile fand seitdem auch immer statt. Welche Volksgemeinschaft wollen Sie also retten?

    Dass Sie andere Menschen als „ethnischen Komposthaufen“ bezeichnen, übertritt hingegen nicht nur die Grenze des guten Geschmacks, sondern könnte streift schon meiner Meinung nach das Strafrecht. Und diese Unsachlichkeit, die sie selbst ganz oben noch für sich abgestritten haben, ist es u.a., wegen der man NPD-Vertreter nie zu öffentlichen Diskussionen einlädt. Irgendwann kommen immer Hassparolen und Beleidigungen.

  2. Lieber Herr Püschel,

    ihre braune Soße die sie hier ständig rühren, die wird und wird nicht sinniger durch ständiges wiederholen von urzeitlichen Ideen die längst ausgestorben und wissentschaftlich, politisch, kulturell, historisch und praxisnah, durch eigene Hand, widerlegt wurden. Warum gründen sie und ihre gewalttätige, menschenverachtende, fremdenfeindliche Mischpoke nicht irgendwo ne Kolonie in einer anderen Galaxie! Dort wirft auch niemand mit Steinen. Und ihren „bürgerlichen und demokratischen“ Anstrich nimmt ihnen und ihrer Gesinnungsethnie niemand ab.

    Gute Reise Herr Püschel und legen sie mir bei der nächsten Machtergreifung ja keinen Georg Strasser hin!

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