NPD in Bremen: Pühses virtueller Wahlkampf

Die NPD kann rund drei Monate vor der Landtagswahl am 22. Mai in Bremen mit „keiner nennenswerten Resonanz oder Zustimmung rechnen“. Das sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, nach Angaben der taz. Das Institut hatte der Zeitung zufolge rund 1300 Wahlberechtigte im Land Bremen befragt. Demzufolge kommt die CDU auf 23, die Grünen auf 22, die SPD auf 38, FDP auf vier sowie die Linke auf sieben Prozent kommen.

Der NPD-Funktionär Jens Pühse gilt als Schwergewicht in der Rechtsrock-Szene - und kontrolliert als Bundesorganisationsleiter Aktivitäten an der Basis. (Foto: Marek Peters)
Der NPD-Funktionär Jens Pühse - mittlerweile trägt er Matte (Foto: Marek Peters)

Die NPD versucht derweil weiterhin, ihre schwachen Strukturen in dem Stadtstaat virtuell aufzublasen. So verschickt NPD-Wahlkampfleiter Jens Pühse kontinuierlich und ungefragt Pressemitteilungen an Journalisten, um alle möglichen Aktivitäten der NPD anzukündigen. Zudem versuchte Pühse sich nassforsch als Experte für Rechtsrock anzubieten. So wollte er bei einem geplanten Workshop „Rechte Musik“ referieren – insbesondere über „Motive, Methoden und Funktion von Musik im politischen Kontext“. Als „langjähriger Produzent im Bereich volkstreuer und rechtsgerichteter Musik sowie ehemaliger Geschäftsführer des Deutsche-Stimme-Verlages“ sei er jederzeit bereit, „kompetent Auskunft zu geben. Allerdings nicht ganz jederzeit, da der NPD-Funktionär im Wahlkampf natürlich von Termin zu Termin eilen muss – und so schreibt Pühse weiter: „Bitte lassen Sie mir rechtzeitig eine Sachverständigen-Einladung zu dem genannten „Workshop“ zukommen, damit ich den Termin entsprechend einplanen kann.“

Pühse hoffte offenbar auf einen Aufschrei in der Öffentlichkeit, der bislang allerdings weitestgehend ausblieb, da in Bremen die organisatorische Schwäche der NPD hinlänglich bekannt ist. Nur einige altbekannte Propagandaschinken schafften es in die Medien, beispielsweise kündigte die NPD auch in Bremen an, „Schulhof-CDs“ an Jugendliche verteilen zu wollen.

Zudem versuchte sich Pühse als politischer Player in der Hansestadt zu inszenieren, indem er sich mehrfach als Diskussionspartner des Bremer „Aktionsbündnisses gegen Rechts“ bzw. des DGB anbot. Er wolle „die Allianz der selbsternannten Demokraten“ herausfordern, so Pühse. Höhepunkt des NPD-Wahlkampfs soll indes der „Sozialkongreß der Bremer NPD am 1. Mai“ werden.

Faust auf NPD Parteitag / Foto: Kai Budler
Ist er auch noch DVU-Chef? NPD-Vize Matthias Faust (Foto: Kai Budler)

Von dem NPD-Spitzenkandidaten in Bremen, noch- oder vielleicht auch Ex-DVU-Chef Matthias Faust, hört man derweil erstaunlich wenig. Möglicherweise muss der sich noch mit den zahlreichen Baustellen bei der bislang gescheiterten Fusion beschäftigen.

Siehe auch: NPD eröffnet “Bürgerbüro” in Bremerhaven, NPD eröffnet “Bürgerbüro” in Bremerhaven, Wer nichts zu sagen hat, der muss schreien, “Kurzer Prozess” oder Sprung in den Westen?

 

10 thoughts on “NPD in Bremen: Pühses virtueller Wahlkampf

  1. Was heißt denn „ungefragt Pressemitteilungen verschicken“?
    Ist das ein Vorwurf? Macht irgendwer, der Pressemitteilungen verschickt etwas anderes? Oder wurdet ihr schonmal angefragt, eine Pressemitteilung zu schreiben?

    Nur so…

  2. Tapete,

    ja, das ist ein Vorwurf. Pressemitteilungen kann man verschicken, wenn man tatsächlich etwas zu sagen hat. Eigentlich reicht es auch, sie auf den eigenen Seiten zu veröffentlichen.

    Die Auffälligkeit besteht darin, dass Pühse die Redaktionen derzeit mit Meldungen flutet, aber ohne Substanz dahinter. Das einfache Prinzip „Viel hilft viel“ soll große Aktivität und Wichtigkeit vorgaukeln und so Raum in der öffentlichen Berichterstattung einfordern, der dieser unbedeutenden Splitterpartei in keiner Weise entspricht. Glücklicherweise hat bisher niemand der NPD mehr öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt als dieser zusteht, also gar keine. Darum liefen die (allzu durchsichtigen) Provokationen komplett ins Leere. Weitere Rohrkrepierer werden folgen.

  3. Die NPD versucht es mit allen Mitteln sich im Mittelpunkt zu stellen.
    Im Internet für unsere dummen Nazis(Weltnetz)nennt man das Trollen oder schlimmer noch Off-Topic.Die NPD versucht überall ein letztes Aufgebot zu schicken.
    Solche Stalking ähnlichen Verhaltensweisen sind nervig,aber bei diesen hilflosen Verein wie der NPD ein vergeblicher Versuch auf sich aufmerksam zu machen.Wenn die NPD in Bremen laut Forsa bedeutungslos ist wird sie hoffentlich auch in den anderen Bundesländern auch als peinliche
    Rohrkrepierer nach den Wahlen sich erst ein mal aus der politischen Landschaft zurückziehen,sie müssen doch auch trotz Wahnvorstellung mal mitbekommen das die niemand wirklich haben will,außer einiger Träumer,die meinen „andersdenkend“was für Deutschland zu tun,diese Verblendeten müssen das auch mal peilen das Nazis hier schlechte Karten haben.

  4. „Pühses Liste“ war (ist?) in Ostfriesland sehr beliebt. Mich hat damals gewundert, dass das angeblich aus München kam, was aber offenbar nur ein kleiner „Trick“ war. Letztendlich hat er ja wohl alles aus Ostfriesland (Wilhelmshaven / Bremen) gelenkt.

  5. Und weil sich die NPD gern gegen die Politisierung an den Schulen wendet, bietet Herr Pühse jetzt auch „Informationsmaterial für den Schulunterricht“ für Lehrer an bzw. „stehen auch die beiden Spitzenkandidaten selbst gern in den Schulen Rede und Antwort.“

    Pühse verspricht dabei „umfassende und wertneutral vermittelte Informationen“, zum Beispiel bezüglich „ermüdender Aufklärungsversuche nach altlinken Strickmustern“ – ganz wertneutral eben.

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