„Skandal“: NPD-Chef bezeichnet Owomoyela als Deutschen

In der Serie „wenn das der Führer wüsste“ führt der „Nationale Widerstand“ derzeit eine besonders amüsante Episode auf: NPD-Chef Udo Voigt hat sich den Zorn der Blut-und-Boden-Fanatiker zugezogen! Das „System“ hat Voigt offenbar gebrochen, denn vor Gericht bezeichnete der NPD-Chef den ehemaligen Nationalspieler Patrick Owomoyela als „echten Deutschen“. Die „Rassen“-Wächter toben in der virtuellen Welt.

Von Patrick Gensing

Theorie und Praxis: Die Eltern der deutschen Fußball-Nationalspieler schauen in einem DFB-Integrationsspot gemeinsam ein Spiel.
Theorie und Praxis: Die Eltern der deutschen Fußball-Nationalspieler schauen in einem DFB-Integrationsspot gemeinsam ein Spiel.

Owomoyela könne gar nicht Ziel der Kampagne gewesen sein, weil dieser „eine deutsche Mutter und damit deutsches Blut“ habe, führte NPD-Chef Voigt vor dem Berliner Landgericht aus, um zu beweisen, dass er und seine Kameraden auf keinen Fall gegen schwarze Spieler hetzen wollten, als sie einen WM-Planer mit der Parole „Weiß, mehr als eine Trikotfarbe“ herausgaben.

Ein Erklärungsversuch, der vor dem Hintergrund des Rassismus mit System in der NPD wenig überzeugen dürfte. Aber auch die Voigtsche Rassenlehre kommt im „Nationalen Widerstand“ nicht so gut an, so meldet sich auf Neonazi-Seiten der ehemalige NPD-Funktionär Eckart Bräuniger zu Wort und versucht, Voigts Aussagen zu interpretieren. Bräuniger setzt dabei auf folgende Erklärungen:

1. Udo Voigt glaubt tatsächlich daran

2. Man äußerte sich so, um Schaden von der Partei anzuwenden

3. Udo Voigt äußerte sich so, weil er selbst gerade als Angeklagter vor Gericht steht

Den letzten Punkt (Nr. 3), kann ich zweifelsohne persönlich verneinen. Ich kenne Udo Voigt lange genug, um zu meinen, daß er auch vor Gericht eine eigene, politische oder persönliche Meinung nicht derartig verleumden würde.

Obwohl ihn das ehrt, bleibt die Betrachtung der Punkte eins und zwei zunächst offen.

Bräuniger will die Sache aber nicht offen lassen, sondern stellt unmissverständlich fest:

Die NPD bekennt sich zum Abstammungsprinzip. Punkt!

[Man beachte die kunstvolle Verknüpfung von Punkt und Ausrufezeichen, aber dies nur am Rande.]

Bräuniger warnt davor, „durch den Vorsitzenden der Partei in öffentlicher Weise“ zu versuchen, „das deutsche Identitätsgefühl mit derartig eigenen Worten zu definieren“. Sollte dies aber doch geschehen, müsse „man sich nicht wundern, wenn aus der Partei dagegen Widerstand erwächst“. Weiter spekuliert der Neonazi, Voigt hätte sich wohl nicht so geäußert, wäre  Ex-NPD-Vize Jürgen Rieger noch am Leben. Dann wiederholt Bräuniger das Gesagte noch mehrmals und warnt, „angesichts des drohenden Aussterbens unseres Volkes und der zusehenden Vermischung“ würde ein Abrücken vom Blutsrecht „automatisch zu einem endgültigen und nicht mehr zu kittenden Bruch zwischen den Lagern führen“.

Auch das Sturmgeschütz des völkischen Narrentums, Altermedia aus Stralsund, donnert gegen Voigt, wenn auch nur noch mit halber Kraft, da einer der mutmaßlichen Betreiber wegen anderer Delikte bereits im Knast sitzt. Und so müssen vermeintliche Kommentatoren nun das Hetzen übernehmen:

Aber “Deutsches Blut” bei dem Kreuzungsprodukt eines Negers mit einer wie Heidi Topmodel?
Für RTL mag das angehen – aber politisch(?) wohl kaum

Ja sicher, Voigt. Kannst auch eine Flasche besten Sekt ins Klo kippen und dann behaupten, die Brühe sei noch trinkbar.
NPD – nur noch traurig.

Und:

Die Deutschen sind nicht verantwortlich fuer die Rassenmischungsgesinnung seiner Mutter. Wir, die Deutschen, sollen nun ausbuegeln was seine Mutter ‘verbockt’ hat? Seh ich nicht ein.

Liebe Kollegen von extra 3 – bitte übernehmen Sie!

Siehe auch: WM-Planer: Rassismus mit Methode


33 thoughts on “„Skandal“: NPD-Chef bezeichnet Owomoyela als Deutschen

  1. Also um es mal kurz zu fassen; alles was Sie an den, durch die Nationalsozialisten durchgeführten, Verbrechen gegen die Menschlichkeit stört, ist lediglich die Motivation hinter eben diesen – weniger die Tat an sich. Prost Mahlzeit.

  2. Nein, Sie vereinfachen unzulässig.

    Es stört mich die Art der Kriegsführung der Nazis sehr, sei es der Luftkrieg gegen Großbritannien oder die totale Zerstörung in der Sowjetunion. Das wird von Ihnen aber ausgeblendet, indem Sie nur die Folgen für die Deutschen, aber nicht die Ursachen benennen. So entsteht ein schiefes historisches Bild.

    Der seriöse Historiker fragt nicht nur: „Was ist passiert?“
    Sondern auch: „Warum ist es passiert?“ bzw. „Wie konnte es dazu kommen?“
    Und schließlich: „Was können wir daraus lernen?“

    Alles gehört zusammen, um eine historische Situation im Hier und Heute zu Erfassen. Sie und die genannten Publikationen beschäften sich beim Leid der Deutschen hingegen nur mit der ersten Frage und führen dazu – siehe oben – eine sehr verkürzte Statistik an.
    (Dort fehlen übrigens auch noch all jene deutschen „Opfer“, die durch die „Entjudung“ von Ämtern und Behörden einen Arbeitsplatz bekommen haben.)

    Damit erfassen Sie die Geschichte insgesamt unzureichend und kommen zu falschen Schlussfolgerungen. Sie sind quasi der Sarrazin der historischen Forschung.

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