Regensburg: NPD-Chef Wiener wechselt zur Piusbruderschaft

Rückschlag für die NPD in Bayern: Einem Bericht des Wochenblatts zufolge ist der Regensburger Kreisverbandschef der Partei, Willi Wiener, aus der Partei ausgetreten. Dies habe er dem Blatt schriftlich bestätigt: „Zum 30. November 2010 habe ich alle meine Ämter bei der NPD niedergelegt und bin aus der Partei ausgetreten.“ Wiener soll eine neue Heimat bei der erzkonservativen Piusbruderschaft gefunden haben. Er habe zu seinem Glauben zurückgefunden, so Wiener den Angaben zufolge. Da sich die NPD auch im neuen Parteiprogramm nicht zum christlichen Abendland und zu dessen Werten bekenne, könne er als gläubiger Katholik nicht mehr Mitglied bei der NPD sein.

Wahlwerbung der NPD mit Willi Wiener
Wahlwerbung der NPD mit Willi Wiener

Auf den Seiten der NPD in Regensburg wird Wiener allerdings weiterhin als Kreisvorsitzender geführt. Die letzte Meldung aus dem Bereich „Aktuelles“ datiert hier allerdings auch vom 26. März 2008…

Die politischen Ansichten muss man für einen Übertritt von NPD zu Piusbrüdern aber offenbar kaum nachjustieren. So betonte Wiener in dem Schreiben an das Wochenblatt, da er seinen „einzigen wahren dreifaltigen Gott und mein deutsches Vaterland liebe, werde ich auch in Zukunft gegen die schleichende Islamisierung, die Auflösung des Nationalstaates, den Massenmord an den ungeborenen Kindern, die Homo-Ehe sowie gegen soziale Ungerechtigkeit und Benachteiligung behinderter Menschen Stellung beziehen“.

Das Wochenblatt wertet den Austritt Wieners als schweren Schlag für den organisierten Rechtsextremismus in der Region Regensburg. Die Internet-Seite des NPD-Bezirksverbands Oberpfalz sei bereits offline – was allerdings nicht stimmt, die Seite ist teilweise zwar hoffnungslos veraltet, aber noch online.

Die Piusbruderschaft verkündete derweil stolz den Übertritt von Wiener. Auf der Internet-Seite der Vereinigung heißt es dazu:

Wenn seine Bekehrung ehrlich ist (und davon gehen wir aus), kann man ihm nur gratulieren! Konservative Werte ohne eine Bindung auf das christliche Abendland sind nur scheinbar konservativ. In Wirklichkeit werden in der NPD mit an sich richtigen Tugenden wie Ordnung, Disziplin, Gehorsam u.ä. wieder alte Irrlehren und Ideologien aufgewärmt, von „völkischer Vorrangsstellung“ bis – je nach Umfang der Vertreter – hin zum verderblichen und darwinistischen Rassenwahn und Hass gegen andere Völker, der Deutschland in so gewaltiges Unheil gestürzt hat.

Das wäre doch einmal einen lobenden Hinweis im Bundestag wert: Priesterbruderschaft St. Pius X. hilft mit, die rechtsextreme Szene zu verkleinern.

Fragt sich nur, wie man die extreme Rechte definiert.

Willi Wiener (Jg. 1972), Regensburger NPD-Kreisvorsitzender, vertrat laut bnr die NPD als Landtagskandidat in seinem Wohnort. Der Großhandelskaufmann wurde im Dezember 2007 wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz zu einer Geldstrafe verurteilt. Wiener war Organisationsleiter der im Herbst 2004 gegründeten Kameradschaft „Asgard Ratisbona“ – Asgard hieß eine Burg aus der germanischen Mythologie, Ratisbona ist der lateinische Name für Regensburg. Außerdem organisierte Wiener mehrere Neonazi-Aufmärsche.  Zudem soll er im September 2007 bei einem Infotisch von Vertriebenenverbänden in Regensburg dabeigewesen sein.

Rechtsextremer Referent bei Piusbrüdern

Im April 2010 berichtete „Report Mainz“, dass die deutsche Piusbruderschaft einen einschlägig bekannten Rechtsextremisten als Referenten für mehrere Vorträge engagiert. Einer der Vorträge war demnach in der Deutschlandzentrale der Bruderschaft in Stuttgart geplant. Der österreichische Publizist Dr. Walter Marinovic sollte unter dem Titel “Überfremdung und Islamisierung Europas” mindestens zwei Vorträge halten. Er gilt als einflussreicher Autor und Redner der rechtsextremen Szene in Österreich und Deutschland mit Verbindungen zu DVU und NPD.


Professor Eberhard Schockenhoff von der Universität Freiburg, einer der führenden Moraltheologen in Deutschland, sagte gegenüber “Report Mainz”: “Diese Aktivitäten der Piusbruderschaft im deutschen Sprachraum belegen eindeutig ein weltanschauliches Amalgam von faschistischen, ehemals nationalsozialistischen Aussagen. Diese Aussagen führen unter dem Deckmantel der Piusbruderschaft noch ein weiteres Leben und finden öffentliche Verbreitung. Im Grunde ist das ein Fall für den Verfassungsschutz.”

Der Übertritt eines NPD-Funktionärs, der seine Gesinnung nicht anpassen muss, scheint dieser Einschätzung nicht zu widersprechen.

18 thoughts on “Regensburg: NPD-Chef Wiener wechselt zur Piusbruderschaft

  1. Stef, ich sehe durchaus Ähnlichkeiten zwischen Positionen der NPD und Pius-Brüder, aber es gibt gleichzeitig in den christlichen Werten Bestandteile, die der Nazi-Ideologie absolut entgegenstehen. Insofern frage ich mich, wie auch anderenorts Personen gleichzeitig in der NPD und dem Kirchenvorstand agieren können. Das zeigt für mich, dass einige über ihr Tun und die Inhalte dahinter wenig nachdenken, sondern ihr Denkvermögen an den platten Parolen der Plakate endet.

    Ich glaube, das Plakat ist ein Musterbeispiel für das Bestreben der NPD, absolut bieder daher zu kommen.
    Ich habe mich immer gefragt, wer nachts die ganzen Telefonsexnummern wählt. So wie auf dem Plakat stelle ich mir die Anrufer vor.

  2. „Ich nehme das Wort ungern in den Mund, aber das Plakat ist wahrhaft … öhm … alternativlos.“

    Naja, hat doch was. Ich meine einerseits weist der Wahlspruch „Charakter wählen“ doch darauf hin, dass es gegebenenfalls eine Eigenschaft geben könnte, die der Herr hat. (Vom Plakat her drängt sich schließlich keine – positive – Charaktereigenschaft so direkt auf).
    Zweitens kann man sich bei ihm zumindest recht sicher sein, dass da kein artfremdes Blut in den Venen fließt. Ich würde sogar spekulieren, dass seine Ahnen nicht sonderlich weit gereist sind, um sich fortzupflanzen.

  3. @ego

    Vollkommen richtig. *lol*

    Ich habe sogar die Assoziation zu den „Purpurnen Flüssen“ (nicht gemischte Gene verdünnen das Blut und schwächen es).

    Daher wird jene „rassebewußte“ und den „Volkstot“ bewinselnde Partei auch immer Schwierigkeiten mit … ähm … „Führungskadern“ haben. …ooops. 😉

  4. Also ich bin in der Piusbruderschaft und ich finde, dass durch den Beitritt solcher Menschen, das Bild der Bruderschaft wieder einmal in ein falsches Licht gerückt wird; es aber auch natürlich klar ist, das so etwas sofort debattiert wird, um eine bestimme Meinung über die Piusbruderschaft in der Öffentlichkeit fest zu zementieren. Antisemitismus wird uns z.B. als „Hauptanklagepunkt“ vorgeworfen, und wenn das durch irgendetwas auch nur ansatzweise bestätigt werden kann, wird es öffentlich gemacht… traurig.

  5. Hallo,

    ich finde das sehr interessant. Auch ein anderer bekannter Drahtzieher in der NPD ist auf ähnliche Weise verschwunden. Stefan Rochow, ehemaliger JN Vorsitzender und Fraktionsassistent der NPD im sächsischen Landtag, später Pressesprecher der NPD im schweriner Landtag, trat 2008 aus der NPD aus. Wenn man seine Spur weiterverfolgt, kommt man zunächst zu seiner kleinen Beratungsfirma (im Franchise) – über seine Facebook-Seite dann aber schnell zu verschiedenen katolischen Initiativen. Sowohl Rochow als auch seine Frau gehören z.B. zum Team von „Pro-Papa“ (www.d-pro-papa.de).

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