WM-Planer: Rassismus mit Methode

Der rassistische NPD-WM-Planer war nicht der erste Ausfall von Neonazis gegen Fußballer – und auch nicht der letzte. Zunächst nahmen die Rassisten den heutigen Stürmer des FC St. Pauli, Gerald Asamoah, ins Visier und beleidigten ihn rassistisch. Die NPD versuchte ebenfalls immer wieder, den Fußball für ihre Ziele zu instrumentalisieren. Heute stehen drei NPD-Funktionäre in einem Berufungsverfahren in Berlin erneut vor Gericht, sie waren wegen der Veröffentlichung des WM-Planers im Jahr 2006 wegen Volksverhetzung verurteilt worden.

Von Patrick Gensing

Vor dem Berliner Landgericht wird am 23. Februar 2011 die Berufung des NPD-Chefs Udo Voigt und zweier weiterer NPD-Funktionäre gegen eine Verurteilung wegen Volksverhetzung verhandelt. Im April 2009 hatte das Amtsgericht Tiergarten Voigt und zwei weitere Neonazis zu mehrmonatigen Bewährungsstrafen und Geldstrafen verurteilt, weil sie in einem Flyer den deutschen Nationalspieler Patrick Owomoyela rassistisch beleidigt hatten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass in dem Flugblatt nicht-weiße Nationalspieler diskriminiert und verunglimpft wurden.

Nationalismus statt völkischer Propaganda gegen die DFB-Elf - zur WM 2010 hielt sich die NPD für ihre Verhältnisse zurück.
Nationalismus statt völkischer Propaganda gegen die DFB-Elf - zur WM 2010 hielt sich die NPD für ihre Verhältnisse zurück.

Die NPDler argumentierten, sie hätten mit dem WM-Terminplaner das Finanzgebaren im Profifußball anprangern wollen – was angesichts weiterer Ausfälle von Neonazis gegen schwarze Fußballspieler wenig glaubwürig erscheint. Immerhin hatte der ebenfalls verurteilte NPD-Pressesprecher Klaus Beier den Nationalspieler Özil als „Plaste-Deutschen“ beleidigt. Der DFB hatte Özil daraufhin öffentlich den Rücken gestärkt. “Wir sind stolz darauf, dass Mesut Özil deutscher Nationalspieler ist”, betonte DFB-Präsident Zwanziger. “Dies ist das Zeichen für das Deutschland, das sich der DFB wünscht – ein freies, tolerantes und selbstbewusstes Land, in dem kein Platz für nationalistisches Denken und Rassismus ist, wie es die Wirrköpfe der NPD zu verbreiten versuchen”.

Beier hatte zudem im Juli 2009 ein Freundschaftsspiel mit Energie Cottbus in Storkow verhindert, da der Zweitligist nach Drohungen der NPD den Schwanz einzog und das Spiel für mehr Toleranz kurzerhand absagte. Gleichzeitig beklate sich Beier über die Instrumentalisierung des Fußballs.

Rassistische Propaganda richteten Neonazis auch gegen den ehemaligen deutschen Nationalspieler und heutigen Stürmer des FC St. Pauli, Gerald Asamoah. Die Kampagne gegen den damaligen Nationalspieler könnte auch gut ein Vorbild für den NPD-WM-Planer gewesen sein. Das Motto der Neonazis vom “Schutzbund Deutschland” auf einem Plakat mit einer Abbildung von Asamoah lautete:

“Nein Gerald, Du bist nicht Deutschland – Du bist BRD!?”

Nach der Androhung juristischer Konsequenzen wurde das Foto Asamoahs durch wechselnde Karikaturen von ihm ersetzt. Der stumpfe Rassismus wurde in der Szene als Heldentat gefeiert.

Auch in NRW hatte die NPD im Sommer 2007 versucht, den Sport für sich zu instrumentalisieren und lauthals eine Spende für den klammen Traditionsverein SG Wattenscheid 09 angekündigt. Die Kameraden zogen die Spendierhosen an und überwies der SG Wattenscheid 09 satte elf Euro.

Mit einer ähnlichen Parole wie im Fall Owomoyela trat Beier und seine NPD in Brandenburg im Jahr 2006 auf, als man öffentlich gegen eine Veranstaltung drohte, die den Neonazis nicht passte. Dabei ging es um ein Anti-Rassismus-Seminar für schwarze Jugendliche. Hinter der NPD-Veröffentlichung unter dem Motto “Die Weißen kommen!” stand ebenfalls NPD-Bundespressesprecher und Landeschef Beier. Dieser ließ der Ankündigung auch Taten folgen und rückte zu später Stunde mit Kameraden bei dem Seminar an. Die NPD Fürstenwalde hatte zuvor im Internet angekündigt, das Anti-Rassismus-Seminar “aufmerksam begleiten und besuchen” zu wollen.

Die NPD-Führungsriege mit Frank Schwerdt, Udo Voigt und Klaus Beier (von li. nach re.) auf einer Demonstration in Erfurt.
Die NPD-Führungsriege mit Frank Schwerdt, Udo Voigt und Klaus Beier (von li. nach re.) auf einer Demonstration in Erfurt.

Diese Veröffentlichung der NPD veranlasste die Betreiber der in einem Wald gelegenen Begegnungsstätte – in Absprache mit dem Landkreis – einen privaten Sicherheitsdienst mit dem Schutz des Gebäudes zu beauftragen. Zusätzlich sagte die Polizei zu, mindestens einmal stündlich Streife zu fahren, außerdem beobachteten Beamte in zivil die Umgebung.

Siehe auch: NRW: NPD auf Abramovich`s Spuren, Lesetipps: Fußball, Heimatkult & RechtsextremismusOwomoyela: “Die NPD-Sache hat mich sehr aufgebracht”, “WM-Planer”: Bewährungsstrafe für NPD-Chef Voigt, WM 2006: Die Welt zu Gast bei Feinden?, Brandenburg: NPD-Drohung “war nur Spaß”, Rathenower NPD-Chef soll Fußballfan geschlagen haben, Schönbohm: NPD in Brandenburg nicht kampagnenfähig

10 thoughts on “WM-Planer: Rassismus mit Methode

  1. Gegen solche Aktivitäten der Nazis im Sportsektor muss härter durchgegriffen werden.
    Nazis haben im Sport nichts verloren.
    Es kann nicht sein das dieser abgedrehte Rassenwahn gegen Topsportler ob es nun im Fußball oder in anderen Sportarten passiert.
    Diese Volksverhetzer müssen abgeurteilt werden!
    Des weiteren müssten sich alle Sportverbände aller gängigen Sportarten vom
    Fußball über Leichtathletik,Motorsportverbände sich gegen Nazis aussprechen und die Nazis aus allen Stadien und anderen Sporteinrichtungen
    ein lebenslanges Hausverbot erteilen,und schon gar nicht als Trainer wie in Laucha fungieren,auch andere Sportsektoren sollten wenn bekannt Xy ist Neo-Nazi als Funktionär also an der Quelle beschäftigen,weder bezahlt noch ehrenamtlich,sowas ist für den Verein oder Sporteinrichtung extrem rufschädigend,wenn Verein X oder Sportstätte Y Neo-Nazis in ihren Reihen haben,im Internationalen Sport nicht auszudenken.
    Nazis müssen komplett aus dem Sportgewerbe raus gehalten werden,von der Fantribüne bis zum Funktionsbereich einer Sporteinrichtung.

  2. Zur Politisierung im Fußball:

    Ich finde es zum Beispiel auch sehr interessant, welche Perspektive Dr. Henning von Storch (er heißt wirklich so und hat seinen Dr. wahrscheinlich zu Recht) im Jahr 2009 einnahm. Er ist in der CDU, MdL in Mecklenburg-Vorpommern und zeigt, dass man bis in bürgerliche Kreise hinein das Problem von Hass und Gewalt im Fußball vor allem politisch links sieht und so den Nazis Rückhalt bietet. Auf seiner Seite beklagte er in einer Pressemeldung

    „die Politisierung des Fußballs durch linke Gruppen in der Hansestadt Hamburg“ und sah „Hetzkampagnen“.
    Anlass war damals ein Spiel von St. Pauli gegen Hansa Rostock, vor dem

    „eine regelrechte Schmutzkampagne gegen Ostdeutsche und Fußballfans aus Mecklenburg-Vorpommern geführt“ werde. Wie gesagt, laut Doktorchen nur von links:

    „Linke autonome Gruppen versuchen scheinbar den Fußball zu politisieren und für sich zu vereinnahmen.“

    So einfach kann man Tatsachen umdrehen. Damit stellt er sich pauschal vor alle Nazis, die in der Vergangenheit Gewaltausbrüche verübten und inzwischen auch Hansa Rostock selbst bewogen, dagegen Stellung zu beziehen. Von aggressiven Hansa-Fans in seinen Worten aber keine Spur.

    Schließlich entgleitet sogar die Realität seiner Wahrnehmung:

    „„Die.Linke“ müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, inwieweit sie hier nicht eine Verantwortung übernehmen müsse und die eigene Anhängerschaft zur Räson zu bringen“, lesen wir auf seiner Seite.

    Nun dürfte es viele St.-Pauli-Fans überraschen, dass sie „Änhängerschaft“ von Die Linke sind. Sie sind vor allem antirassistisch und antifaschistisch. Wenn man sie dann automatisch der Linken zuordnet, zeigt das nicht nur ein sehr eingeschränktes Verständnis politischer Inhalte, sondern es stellt sich auch die Frage, wer denn tatsächlich hier die „Politisierung des Fußballs“ betreibt – ja eine Partei gerade dazu auffordert.

  3. Wie es scheint, hat sich Voigt mit seiner Anerkennung von Owomoyela als Deutschem in der Szene nicht beliebt gemacht :-) Bei Altermedia gibt man sich wenig angetan und äußert sich inhaltlich stets so ähnlich:

    „Ja sicher, Voigt. Kannst auch eine Flasche besten Sekt ins Klo kippen und dann behaupten, die Brühe sei noch trinkbar.
    NPD – nur noch traurig.“

  4. @WW

    Dann wird ja demnächst der ehemalige Obermaat Möller („Altermedia“) seine Bundeswehr-Skinheads auf den alten Kumpel Voigt hetzen, um ihn wieder auf Julius Streicher-Linie zu bringen. – Dafür werden VS und Justiz in MV schon sorgen lassen … *lol* 😉

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