NPD in NRW: Zwischen „AN-Spastis“ und „Onkel-Thilo“

In der Neonazi-Szene in Nordrhein-Westfalen kann von einer Einheit zwischen „Freien Kräften“ und NPD keine Rede sein. Die NPD geriert sich gerne als organisatorischer Arm der Szene, zwischen Rhein und Ruhr wird sie aber offen aus der Kameradschaftsszene attackiert. Einmal mehr macht dabei der Vorwurf „Spitzel“ die Runde. Zudem droht dem NPD-Landesverband auch noch Ärger wegen einer möglichen Urheberrechtsverletzung an „Onkel Thilos Buch“.

Von Patrick Gensing

So beschuldigen die „Freien Nationalisten Köln“ den NPD-Landesvorsitzenden in dem Bundesland, Claus Cremer, dieser unternehme nichts gegen angebliche Spitzel des Verfassungsschutzes in der Partei. Zudem sei Cremer verantwortlich für den desolaten Zustand des Landesverbandes.

Christian Worch (Quelle: Marek Peters)

Besonders auf Thorsten Crämer aus dem NPD-Landesvorstand haben sich die „Freien Kameraden“ eingeschossen. Bei Facebook schreibt ein Neonazi: „Ein schlimmerer Reaktionär, fanatischer NS-Hasser und feiger Spitzel als der Thorsten Crämer? Never ever!“ Aber auch in der NPD/JN scheint Crämer nicht nur Freunde zu haben. So schreibt Norman Bordin bei Facebook: „Crämer war schon immer eine Drecksau und vorallem immer schon „politikfähig“(Liebingswort der PRO-Bewegung).“

Bei Facebook werden zudem die „Zecken“ aus Dortmund, gemeint sind die örtlichen „Autonomen Nationalisten“, beschimpft, da sie die NPD beim Wahlkampf unterstützt hatten. In Anspielung auf das Outfit der ANs, die teilweise wie Crossover-Metaller aus den 1990ern aussehen, schreibt ein Neonazis von „AN-Spastis“, ein anderer meint: „Bald kommen sie mit Lippentellern zur Demo.“

Antrag gegen Worch und „Freie Kräfte“

Anlass der Hass-Tiraden gegen Crämer dürfte unter anderem ein Antrag sein, den der 36-Jährige auf der Sitzung des  Landesvorstands am 16. Januar 2011 einbringen wollte. In diesem heißt es laut vorliegenden E-Mails zum „Umgang der NPD mit der Person Christian Worch sowie den Initiatoren des „Boykottsaufrufs“ gegen den Landesvorstand der NPD, man werde keine Aktionen, Kundgebungen Veranstaltungen oder sonstige Versammlungen mit Worch mehr durchführen. Dieser solle auch nicht als Redner oder Gast eingeladen werden. Zudem sollten NPDler nicht an Veranstaltungen teilnehmen, bei denen Worch auftritt. Verstöße würden als parteischädigend gewertet und mit „Ordnungsmaßnahmen“ geahndet. Zur Begründung heißt es in dem Antrag, Worch hetze gegen die NPD, zudem spiele er seit „Anbeginn seines ‚politischen‘ Wirkens“ eine „kontraproduktive Rolle.

Was für Worch gilt, fordert Crämer in dem Antrag auch für die Initiatoren und Unterzeichner des „sogenannten Boykottaufrufs“ der „Kameradschaft Aachener Land“. Damit nicht genug: Crämer will auch beim Bundesparteivorstand einen entsprechenden Antrag stellen – sollte dieser abschlägig beschieden werden, wolle man den Antrag beim Bundespartei einbringen.

Aussage von Thorsten Crämer bei der Polizei - vom "Freien Netz Köln" veröffentlicht.
Aussage von Thorsten Crämer bei der Polizei - vom "Freien Netz Köln" veröffentlicht.

Das „Freie Netz Köln“ revanchierte sich für diesen Antrag öffentlich. So veröffentlichte die Neonazi-Seite an Crämers Geburtstag Ende Januar Dokumente, welche belegen sollen, dass Crämer nach einem Angriff auf eine KZ-Gedenkstätte in Kemna im Jahr 2000 „Kameraden“ bei der Polizei verraten habe.

Elektronische Raubkopien

Neben den internen Grabenkämpfen droht der NPD in NRW zudem nun auch noch Ärger von außen. Wie aus den vorliegenden E-Mails aus der Partei hervorgeht, wurde eine elektronische Raubkopien des Buchs „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin über NPD-Strukturen verbreitet – und zwar von der „NPD Ennepe-Ruhe / Wuppertal“:

„Im Anhang findet Ihr die pdf von Onkel Thilos Buch, falls Ihr dem so nützlichen Noch-Sozi nicht auch noch Kohle in den Rachen werfen wollt. Viel Spaß beim Lesen…“

Das Buch ist der Nachricht als PDF-Datei beigefügt – und diese Mail wurde von einem Mitglied der NPD-Düsseldorf weitergeleitet. Die Verbreitung von Raubkopien ist allerdings strafbar.

Thilo Sarrazin am 3. Juli 2009 (own Work by Nina)
Thilo Sarrazin am 3. Juli 2009 (own Work by Nina)

Das Copyright an dem Sarrazin-Buch hält die Deutsche Verlagsanstalt. Sie will laut Medienberichten rechtlich gegen die NPD und die betroffenen Funktionäre vorgehen. „Das ist ein klarer Verstoß gegen das Urheberrecht“, sagte ein Verlagssprecher. Eine Anwaltskanzlei wurde eingeschaltet, die Schadensersatz eintreiben und die strafrechtliche Verfolgung einleiten soll.

Anklage wegen Brandanschlägen

Weiteres Ungemach droht einem NPDler aus Bochum:  Ein Aktivist muss jetzt mit einem Prozess vor dem Bochumer Landgericht rechnen. Die Staatsanwaltschaft hat vor kurzem Anklage gegen den 19-jährigen Wattenscheider erhoben. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts auf Anfrage der WAZ. In dem Fall steckt demnach eine Menge Brisanz. Der Staatsanwalt wirft dem NPD-Mitglied eine Reihe von Brandanschlägen in Bochum zwischen Juni und September 2010 vor. Er soll sie selbst begangen haben, um sie der antifaschistischen Bewegung (Antifa) in die Schuhe zu schieben.

Herausragend in der Anklage sei der Punkt „Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“. Am 9. Juli 2010 soll der 19-Jährige die Briefkastenanlage seiner Wohnung mit einem selbst gebastelten Zündsatz in die Luft gejagt haben.

Alle Meldungen zu NaziLeaks.

8 thoughts on “NPD in NRW: Zwischen „AN-Spastis“ und „Onkel-Thilo“

  1. Ich denke, dass in diesen Kreisen letztendlich keine Krähe der Anderen ein Auge aushackt.

    So sehr es auch nach Aussen nach einer wüsten Uneinigkeit innerhalb der – sich ansonsten ständig zuarbeitenden – NS-Szene aussieht, so helfen diese vorgeblichen Debatten und Schuldzuweisungen (innerhalb der NPD und ihrer Anhängerschaft) nur Einem: dem erneuten Scheitern eines NPD-Verbotsverfahren! Diese Partei ist in soweit „lernfähig“, um sich der V-Mann-Debatte zu bedienen um in der Öffentlichkeit das Bild der Fremdsteuerung zu entwerfen. – Nun ist aber bekannt, dass jenseits dieser Querelen grundsätzlich keine „inhaltliche“ Uneinigkeit im braunen Mob herrscht: Es gibt gegenüber der NPD nur einen Vorwurf seitens ihrer sattsam bekannten Anhängerschaft: … sie ginge den Weg der Instanzen und sei nicht radikal genug.

    Wie radikal die Kader dieser Partei sind, sieht` man an ihren Vorstrafen – und wie der „Weg der Instanzen“ gegangen wird, sieht man u.A. an den „Abrechnungen“ dieser Partei … und jene Neonazis, die so aufgesetzt gegen die NPD „revoltieren“, waren sich nie zu fein, um nicht die logistischen Möglichkeiten der NPD zu nutzen, die ihrerseits – so klein sie auch immer scheinen mag – durch die Zuschüsse und „Privilegien“ des Staates schon immer im Stande und Willens war, jenen eine Plattform zu bieten, die nun vorgeblich in den eigenen Reihen Zwietracht sähen.

    Jedes dieser beiden Glieder der NPD (die Partei und ihre Anhängerschaft) weiß` nur zu gut, dass der Eine ohne den Anderen nicht kann: die NPD könnte (nur auf ihre Parteimitglieder gestützt) ohne Anhängerschaft nicht flächendeckend wühlen, hetzen und Terrorisieren – die Anhängerschaft wiederum benötigt die Schlipsträger der NPD, um sich unter deren Dach zu flüchten, wenn es juristisch wieder einmal „eng“ werden sollte … siehe Konzertveranstaltungen, „Schulungen“ der JN usw.

    Sofern die braune Szene aufgesplittet und in ihre Bestandteile zerlegt wird, bleiben weiterhin die NPD, ihre Propagandamittel, ihre Veranstaltungen usw. die wichtigsten Eckpunkte auch für jene „Strömungen“, die der NPD und der Öffentlichkeit vermitteln wollen, dass sie vorgeblich autark und ohne NPD agieren würden. Dessen ungeachtet sind und bleiben es gerade jene „autonomen Nationalisten“, „Freie Kameradschaften“ etc.pp., die unter das Dach der NPD flüchten um Erstens mit ihr und für sie zusammen zu arbeiten, zu marschieren, zu „musizieren“ und Zweitens davon abzulenken, was man eigentlich ist: eine außerhalb und für die NPD agierende NS-Zelle – denn für die Justiz und für die Versammlungsbehörden bleibt es augenscheinlich (trotz Einbeziehung jener Zellen) „lediglich“ ein Aufmarsch, ein „Konzert“, ein Vortrag usw. der NPD: einer nicht verbotenen Partei…

    Also was käme ihnen da nicht besser gelegen, als ein V-Mann und Verräter-Gegeifere (oder Mutmaßungen dergestalt), nach dem dann diese Partei weiterhin unangetastet bliebe und weiterhin Schutz für deutsche Nationalsozialisten und sonstigen braunen NS-Müll bieten kann.

    Die stärkste Waffe der NPD ist letztendlich das, worüber sich der VS so beharrlich ausschweigt – aus Gründen der Gefahrenabwehr versteht sich. Bleibt` blos zu Hoffen, dass es da keine Zusammenhänge gibt. *lol* 😉

  2. Sarrazin darf gerade in der FAZ zur Kritik an Islamkritikern Stellung nehmen. Nun ist es bemerkenswert, dass überhaupt eine Zeitung, die ernst genommen werden will, Sarrazin noch Platz einräumt. Die Argumentation, welche dann folgt, lässt den Leser aber fassungslos zurück!

    Er – Sarrazin selbst ausgerechnet – nennt es das Buch von Patrick Bahners ein „zorniges Buch“ und beklagt „ein klares Feindbild“ und dass „nur unwillig beziehungsweise gar nicht zwischen unterschiedlichen Strömungen“ differenziert würde.
    Ja, Sarrazin beklagt das!

    Später entfährt es ihm:

    „Wer so argumentiert, möchte seine Gegner ein für alle Mal erledigen. […] Bahners äußert auch einige kluge Gedanken, und es hätte seinem Buch besser getan, wenn er argumentativ etwas abgerüstet hätte. So erweckt er den Eindruck, dass ihn Emotionen treiben, die mehr ihn beherrschen, als dass er sie beherrscht.“

    Kennen wir das nicht?
    Schließlich weiß Sarrazin noch:

    „Wenn man ein Buch liest oder eine Meinung hört, bei der man den Grundansatz nicht teilt, sollte man gleichwohl für die Argumentationsrichtung des anderen offen bleiben, sonst gibt es keinen Dialog. […] Exemplarisch dafür ist, wie herabsetzend, ja, entstellend und verfälschend er die Personen und die Argumente der von ihm kritisierten Islamkritiker behandelt. Der Umstand, dass er solche Mittel nötig hat, desavouiert sein Anliegen und stellt seine Motive in Frage.“

    Ach nee. Und so weiter…
    Es ist unfassbar. Man fragt sich, was ausgerechnet Sarrazin moralisch befähigt, so über ein Buch zu schreiben, sei es berechtigt oder nicht. Sarrazin, dem selbst keine Pöbelei gegen Muslime und Hartz-IV-Empfänger zu niveaulos, kein Urteil zu oberflächlich, kein Argument zu dünn war, um seinen Hass gegen diese Gruppen zu propagieren. Sarrazin, dem Wissenschaftler seine Schlussfolgerungen in der Luft zerrissen, der sein laienhaftes Verständnis der Sachlage selbst zugab und der trotzdem vehement auf seinen Erkenntnisse beharrte.

    Dieser Sarrazin schreibt nun einen langen Text, in dem er sich über angebliche argumentative Schwächen und fehlende Sachlichkeit beklagt, wenn jemand seine schrägen Thesen nicht teilt. So kommt Sarrazin dann zu dem Schluss. „Hier hat sich ein Autor – und wohl auch ein Mensch – wirklich verrannt.“

    Er muss es ja wissen.

  3. Oaaaaa der Sarrazin oder seine Buchfirma steht auf Urheberrechte???
    Unser selbsternannter „Humangenetiker“ist doch froh das die Nazis,die specktakulären „Rassenaufklärungslektüren“für Anfänger überhaupt noch jemand liest.Und die NPD kann auch nicht ohne diese Autonomen Verbände,auch wenn die sich mal behauen,sie brauchen einander.
    Das es in diesen Reihen nun wie im Kindergarten zugeht ist dort normal,das Gleiche gilt diesen PRO-Gruppen ob in NRW oder sonst wo.
    Die Republikaner sind auch nicht besser.
    Diese Träumer sprengen sich also ihre Briefkästen weg um es dann ihren Gegnern in die Schuhe zu schieben,dann plärren die Nazis wieder gebetsmühlenartig „Verschwörung“durch die Welt „Die bööösen Antifas wollen uns armen Nazis was antun.
    Das ist ja schlimmer wie in der Augsburger Puppenkiste bei den Nationalen Rechtsgruppierungen.

  4. Die große „Zwietracht“ an einem Beispiel:

    Auf der Verweisliste der NPD-Unna

    http://npdunn.vs120067.hl-users.com/neue_seite_9.htm

    …stehen unter anderem die „Freien Kräfte“:

    http://www.ks-hamm.com/

    Auf deren Verweisliste ist u.A. Herr Worch (der so viel Geschmähte), dessen Archiv zeigt, wie „zerstritten“ man ist:

    http://www.worch.info/archiv.htm

    Weitere „Kameraden“, ebenfalls Teil des Netzwerkes der NPD und beworben durch die NS/SS-Schwachköpfe aus Unna http://logr.org/nwunna/2011/02/20/gedenken-an-sa-mann-sengotta/ ,zeigen „eindrucksvoll“ WOHER „Bildung“ bezogen wird und Wer mit Wem, u.A.:

    „Altermedia“
    „Metapedia“
    „Spreelichter“

    …überdies singen die „Kameraden“ offenbar Lieder „…aus alten Zeiten“ und haben ein „Radio“, von dem ich dachte es sei Geschichte http://radio.nw.am/

    Die „Freien Kräfte“, die so zerstritten mit der NPD seien, haben auch „schöne“ Filme zu ehrbaren Bürgern http://www.widerstand.info/9465/karl-heinz-hoffmann-und-das-oktoberfest-attentat/ ,die in … öhm … „Mitteldeutschland“ inzwischen … ähm … Fördergelder erhalten haben, um … öhm … Burgen zu renovieren, die anschließend selbstverständlich nicht der NPD zur Verfügung gestellt werden. *lol*
    http://www.l-iz.de/Politik/Sachsen/2011/02/Kohren-Sahlis-Staatliche-Foerdermittel-fuer-Neonazitreff.html

    Ach Gottchen, sind die alle zerstritten… und ein Pierre Krebs würde niemals nich` auf einer „mitteldeutschen“ Burg des Herrn Hoffmann sprechen. *gröööl* 😉

  5. Sarrazin wird allmählich zum Übervater in der NPD. Selbst in der Broschüre zur Arbeit der NPD in Berlin-Treptow-Köpenick kommt man nicht ohne Hinweis auf ihn aus:

    „Sie können sicher sein, daß wir keine Tabu-Themen kennen und die Wahrheit beim Namen nennen, wie es Thilo Sarrazin tut.“

    Egal ob thematisch stimmig oder nicht, der Thilo muss überall dabei sein – zumindest in Wahlkampfzeiten.

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