NaziLeaks: Sponsor des FC St. Pauli druckte NPD-Fyler

Für Aufregung in der Fan-Szene des FC St. Pauli haben die internen E-Mails der NPD gesorgt. Ein Mail-Verkehr des Landesverbands Niedersachsen zeigt, dass die Neonazi-Partei Flugblätter bei der Firma „Flyeralarm“ gedruckt hatte. Diese ist ein Sponsor des FC St. Pauli, dementsprechend irritiert reagierte die als antifaschistisch bekannte Fan-Szene der neuen Nummer 1 im Hamburger Fußball. Doch Flyeralarm kann glaubwürdig darlegen, dass es sich um ein Versehen handelte.

Von Patrick Gensing

Das Unternehmen reagierte mit einer klaren Positionierung: Es räumte auf Anfrage des Autors die Kooperation mit der NPD im Jahr 2009 ein und sprach von einer Täuschung: Einem Unterverband der NPD sei es leider gelungen, eine Bestellung über Flyeralarm in Auftrag zu geben. Bei der Anmeldung sei eine „unverfängliche private E-Mail-Adresse angegeben“ worden, woraufhin Flyeralarm den Auftrag ausgeführt habe. „Das bedauern wir sehr“, versicherte das Unternehmen. „Der demokratiefeindliche Hintergrund des Auftraggebers ist uns zu spät aufgefallen. Wir distanzieren uns aufs Schärfste von den Zielen der NPD.“

Seit Ende der 1980er ein Verkaufsrenner in Hamburg: Der Aufkleber "St. Pauli-Fans gegen Rechts"
Seit Ende der 1980er ein Verkaufsrenner in Hamburg: Der Aufkleber "St. Pauli-Fans gegen Rechts"

Diese Aussage erscheint höchst glaubwürdig. Denn wie aus den internen E-Mails der NPD hervorgeht, versuchte die NPD in Sachsen-Anhalt im Oktober 2010 für ihren Wahlkampf erneut die Dienste von Flyeralarm in Anspruch zu nehmen. Erfolglos. So schrieb Flyeralarm an den NPD-Spitzenkandidaten Matthias Heyer, man habe bereits im September 2009 der NPD schriftlich mitgeteilt, dass man keine Aufträge der Partei ausführe. Dies gelte auch für sämtliche Unterverbände. Das Unternehmen forderte Heyder auf, von weiteren Anfragen Abstand zu nehmen.

„Offenes Unternehmen“

Die NPD suchte danach nach einer neuen Druckerei, da sich bei Flyeralarm eine „überfremdete Belegschaft“ gegen eine Kooperation mit der NPD ausgesprochen hatte. Was für Kleingeister eine Beschimpfung, ist für Flyeralarm ein Kompliment: Das Unternehmen sei „ein junges und offenes Unternehmen, in dem viele Mitarbeiter sehr vieler Nationen einen gesicherten Arbeitsplatz gefunden haben“, schreibt Flyeralarm in der Antwort auf die Anfrage zu dem Vorgang. „Wir lehnen jegliches rassistische Gedankengut grundlegend ab. Gemeinsam mit unseren über 1.000 Mitarbeitern haben wir Standpunkt e.V. ins Leben gerufen, einen Verein, mit dem wir soziale Projekte in ganz Europa unterstützen.“

Wie aus den NPD-Mails zudem hervorgeht, weigerte sich auch „diedruckerei.de“, Aufträge der Neonazi-Partei auszuführen. Dieses verantwortungsbewusste Handeln von Unternehmen behindert die NPD eindeutig dabei, ihre Propaganda zu verbreiten.

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8 thoughts on “NaziLeaks: Sponsor des FC St. Pauli druckte NPD-Fyler

  1. was ihr immer mit st pauli habt… ist doch kein besserer/fortschrittlicherer verein als jeder andere (diverse ostdeutsche ausgenommen).

    :: Ajax Amsterdam & Maccabi Tel Aviv Ultras!

  2. ja gut, unverfängliche emailadresse hin oder her, aber wenn jemand nen flyer in auftrag gibt, dann schickt er doch wohl auch ne vorlage. und auf nem npd flyer steht ja nun mal auch npd drauf, wie kann man denn da behaupten man hätte nicht gewußt was man da druckt?

  3. @hornung: Die gucken wohl nicht auf jeden Flyer (so wie die im Fotolabor sich auch nicht die Fotos anschauen), bei Hunderten Aufträgen pro Tag…

  4. Dann hätten sie es spätestens bei der Grafikabteilung merken müssen.
    Ein Flyer muss im Computer bearbeitet,werden wegen Format,und der Gestaltung des Flyers auch der Schriftsatz das muss ja dann nach Wunsch des Kunden dort bearbeitet und und so dann der Druck dieser Flyer zu Stande kommen,dort hätte spätestens bemerkt worden sein wer der Auftraggeber war,nämlich die NPD.

  5. Hey, sowas zu merken erfordert erstens dass da wirklich jemand draufguckt, zweitens dass wirklich jemand kurz darueber nachdenkt und drittens, und am wichtigsten, „that someone gives a f*ck“ um mal auf’s passendere Neudeutsch auszuweichen.

    Der Grafiker denkt sich doch vermutlich: Wenn das bei mir auf dem Tisch landet, wird es schon seine Ordnung haben.

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