Nach dem Naziaufmarsch ist vor dem Naziaufmarsch

In Dresden, keine 200 Kilometer südöstllich von Berlin fand auch in diesem Jahr wieder ein Naziaufmarsch anlässlich der alliierten Luftangriffe auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 statt. Der wie seit 2008 von den sich gern selbst als Freie Kräfte bezeichnenden Nazispektren organisierte Fackelmarsch, in Abgrenzung zum Trauermarsch der NPD, zog 1500 Kameraden und Kameradinnen an.

von Danilo Starosta

Anders als in den zurückliegenden 3 Jahren gab es aber entschiedenen Protest in Hör- und Sichtweite der Naziveranstaltungen. Irritiert vom Protest, sagte Dr. Olaf Rose, wissenschaftlicher Mitarbeiter der NPD Fraktion im Sächsischen Landtag, von der Bühne herab, umweht von der Ostpreussenfahne, die gemeinsame Veranstaltung, Trauermarsch der Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) und der NPD am 19. Februar, ab. Er war so durcheinander, dass er die anwesenden Kameradinnen und Kameraden aufgrund ihres nur mit rund 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern als weit unter den Erwartungen gebliebene Teilnahmeanzahl begrüßte und die Versammelten auf den Trauermarsch im nächsten Jahr vertröstete, wo dann sicher wieder die Zahlen von 2010, die er mit 8 bis 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern benannte, erreicht werden würden.

Das es zwei voneinander getrennt stattfindende „nationale“ Trauermärsche in Dresden seit 2008 gibt, ist sicher auch Dr. Rose nicht entgangen. Obwohl sich, wenn man jetzt spekulieren will, vielleicht manche extravagante Geschichts- und Biografieperspektive des Herrn Dr. Rose erklären würde. Wenn er sich eben ganz eigens an Vergangenheit erinnert, kann aber eher sicher davon ausgegangen werden, Dr. Rose war dem hör- und sichtbaren Protest nicht gewachsen.

Dass es den Demonstrant_innen entlang und auf der geplanten Route der Nazis gelingen konnte, eine Verkürzungen der geplanten Nazi- Route zu erzwingen, darf als Erfolg der antinazi-Bemühungen in Dresden gelten. Gerade für den an diesem Samstag den 19. Februar 2011 in Dresden mobilisierten Protest „Dresden Nazifrei“ darf dieser Erfolg Mut machen, sich auch den in wenigen Tagen mehreren Tausend in Dresden aufmarschierenden Nazis erfolgreich entgegenstellen zu können.

Einige Stunden zuvor am frühen Mittag auch in Dresden.

Demokraten, Bürger und Nazis - gemeinsam auf dem HeidefriedhofErfolgreich hörbar und in Sichtweite zu den 100 Nazis war auch der antifaschistische Protest gegen die offizielle Kranzniederlegung auf dem Heidefriedhof. Begleitet vom Blechbläserensemble des Polizeimusikkorps der Landespolizeidirektion Dresden und gegenüber der Steintafel, die noch in eiliger Nachtarbeit repariert wurde, die feierlich umstellt war von den Kranzträger_innen (Offiziersschüler_innen der Offiziersschule des Heeres Dresden), andächtig der Rede des Bürgermeisters Herrn Sittel lauschend, störten Maik Scheffler (u.a.Jugendbeauftragter der NPD Landtagsfraktion) und seinen Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel. Hinzu kamen rund 100 mitgekommenen Kameradinnen und Kameraden zu „ihrer“ „nationalen“ Gedenkveranstaltung. Mutiger und entschiedener Protest der Antifaschist_innen wies mit Transparenten und Sprechchören auf die weiterhin unreflektierte Gedenkkultur in Dresden hin.

Die geladenen Repräsentanten wie die Vertretung des Vereinigten Königreiches Großbritannien, Nordirland, Vertretung der Vereinigten Staaten von Amerika, Generalkonsulin Katherine Brucker, weitere protokolarische Vertretungen und Religionsgemeinschaften waren dem Schauspiel nur solange ausgesetzt, wie es das Protokollamt bestimmte, nämlich kurz. Unmittelbar nachdem die Offiziellen ihre Kränze abgelegt hatten, traten sie über den Seitenweg ab. Somit ließen sie alle folgenden Bürger_innen mit den Nazis allein. Bürgermeister Sittel hatte in seiner Anspracher mit der Begrüßung der Teilnahme der Mitglieder der Parlamente auch Nazis begrüßt, : „ Liebe Dresdnerinnen und Dresdner, liebe Gäste unserer Stadt, sehr geehrter Herr Ministerpäsident, sehr geehrter Herr Landtagspräsident, Repräsentanten des Diplomatischen und Konsularischen Corps, sehr geehrter Lord Mayor, Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Mitglieder der Parlamente, zunächst darf ich Ihnen herzlich dafür danken, dass Sie so zahlreich zu dieser Gedenkstunde auf den Dresdner Heidefriedhof gekommen sind.“ ( Rede des Zweiten Bürgermeisters Detlef Sittel 13. Februar 2011, Heidefriedhof, 11 Uhr)“
Das heißt ein herzliches Dankeschön an die Parlamentarier: Holger Apfel (Fraktionsvorsitzender NPD), Jürgen Gansel, Alexander Delle, Andreas Storr, Winfried Petzold, Arne Schimmer(Mitglied des Sächsischen Landtages für die NPD), Maik Scheffler (Stadtrat für die NPD in der nordsächsischen Kleinstadt Delitzsch), Jens Bauer (Stadtrat für die NPD in Dresden).

Als alle Kränze und Gebinde vor der Gedenktafel liegen, dicht an dicht verdrängend, werden die Kränze des Ringes Nationaler Frauen, die Kränze der NPD, der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland, neben und auf den Kränzen des Zentralrates der in Deutschland, des VVN BdA, der demokratischen Parteien und der Bürger_innen liegen.

Bürgermeister Sittel sollte das Gespräch suchen und in sich gehen, wer hier wohl an welche Wiederholungen und tätigen Hoffnungen gedenkt, wenn er Sätze wie diese auf dem Friedhof sagt: „…Lassen Sie uns vor diesem Mahnmal unsere Kränze und Blumen niederlegen als Zeichen der Trauer, des stillen Gedenkens und unserer tätigen Hoffnung, das nie wieder geschehe, was einst geschah…“

7 thoughts on “Nach dem Naziaufmarsch ist vor dem Naziaufmarsch

  1. Nun ja, aber auch Herr Sittel – als für das Versammlungsrecht zuständiger Bürgermeister und jetziger „Stellvertreter“ der vakanten Bürgermeisterin – konnte doch gar nicht wissen, zu wem er überhaupt spricht. – Woher sollte er auch …? *lol*

  2. Du meine Fresse, das ist alles so peinlich … ich kriege mich gar nicht mehr ein. *grööööl* :)

    … und da rufen Dresdner „Kulturschaffende“ zum „Spaziergang“ auf. – Mann oh` Mann! *looool*

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