„Nazileaks“ – NPD reagiert verwirrend

Wie erwartet – und auch nachvollziehbar – ist man bei der NPD wenig begeistert über den Blick in die eigenen Abgründe, welcher durch das Zuspielen von Daten aus der Partei an Journalisten möglich geworden ist. Man wolle dies nicht kommentieren, verlautete es aus der Berliner Parteizentrale. Dann äußerte sich die NPD doch, um den Schaden zu begrenzen. Die Stellungnahme dürfte aber eher verwirren.

Von Patrick Gensing

"NaziLeaks" - die Infos fließen aus der NPD, die Neonazis schimpfel.

Insgesamt 21 Gigabyte umfasst das Datenpaket, welches deutschsprachigen Medien und Institutionen zugespielt wurde. Von kriminellen Methoden, welche die NPD bei der Beschaffung durch die Medien wittert, kann dabei keine Rede sein, viel mehr sollte die Partei möglicherweise schauen, ob sie für solche Anschuldigungen irgendwelche Beweise hat.

Überhaupt wirkt die Reaktion der NPD wirr: „Vorsicht! Feind liest mit!“, heißt es auf der „Weltnetzseite“ der Partei. Damit bestätigt die Partei dann ja doch noch selbst, was schon unstrittig war: Die Emails sind echt, Aufbereitung, Inhalt und Plausibilität ließen keinen anderen Schluss zu. Und noch einmal versichert die NPD, dass die Mails echt sind: „Es ist davon auszugehen, daß das System über weitreichende Möglichkeiten verfügt, die gesamte E-Post der NPD mitzulesen.“

Gleichzeitig behauptet die Partei allerdings, es handele sich um „manipulierte Texte“. Also, die Daten sind schon echt, aber dann hat jemand Tausende Emails umgeschrieben, so die Logik der Partei.

In der Netz-Gemeinde wird derweil über die Herkunft der Daten spekuliert. Aus Quellenschutzgründen gilt es, dazu keine Angaben zu machen. Allerdings kann man öffentlich feststellen, dass es sich NICHT um die Daten handelt, welche WikiLeaks veröffentlichen wollte. Diese sind wesentlich älter als das Material, um das es aktuell geht.

Die NPD will nun rechtlich gegen die Veröffentlichungen vorgehen. Das ist ihr gutes Recht, dürfte aber wenig Aussicht auf Erfolg haben, da die Artikel von Juristen geprüft wurden. Weiterhin hatte die NPD bereits im Jahr 2008 eine Schlappe gegen den Spiegel hinnehmen müssen. Das Landgericht Hamburg erließ zwar auf Antrag der NPD eine Einstweilige Verfügung gegen das Zitieren aus den E-Mails. Diese wurde jedoch wieder aufgehoben. Die Richter urteilten, bei der Abwägung der Interessen überwiege das Informationsinteresse der Öffentlichkeit das Persönlichkeitsrecht des Antragstellers, also der NPD.

Weiterhin sind die aktuellen Daten auch nicht nur an den Spiegel gegangen, sondern auch an Wissenschaftler und Experten. Die Auswertung wird wertvolle Erkenntnisse über die Strategien, Stärken und Schwächen der NPD liefern.

Alle Meldungen zu den NaziLeaks.

14 thoughts on “„Nazileaks“ – NPD reagiert verwirrend

  1. wieso ist auf der startseite werbung für die sarrazin anbeter von der sogenannten partei „die freiheit“? besteht die nicht auch zu einem großen teil aus rassisten und ehemaligen npd-miitgliedern?

  2. @ Frederik:
    Das Schweinesystem kauft doch auch Steuersuender-CDs, die nicht so wirklich richtig legal entstanden sind. Der Unterschied zu einer externen Festplatte voll emails erschliesst sich mir grade nicht.

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