Beleidigen, drohen, klagen: Tollhaus NPD

Neonazis behauptet gerne, in „nationalen Kreisen“ herrsche noch echte Kameradschaft. Ein Blick hinter die Kulissen der NPD zeigt allerdings ein anderes Bild. In der Kommunalpolitischen Vereinigung  der Partei beleidigt der Vorsitzende einen Kameraden als Alkoholiker – und der droht wiederum mit Klagen und Enthüllungen. NPD-Spitzenfunktionär Apfel spricht derweil intern davon, man möge ihn gegebenenfalls zurückhalten, einem Ex-NPDler nicht „auf die Schauze“ zu hauen.

Von Patrick Gensing

Die Kommunalpolitische Vereinigung (KPV) soll eigentlich die NPD-Abgeordneten der Partei unterstützen. Das klappt nicht immer. Beispielsweise in Sachsen tobt hinter den Kulissen ein Kleinkrieg. Hauptakteure: Der KPV-Chef Hartmut Krien sowie der Kreistagsabgeordnete Hans S.*, der zwar kein Parteimitglied ist, aber eng mit der NPD kooperiert und für diese bereits auch kandidierte.

NPD-Parteitag im Jahr 2006 (Foto: Marek Peters)
Hinter den Kulissen knallt es mal wieder, nach außen spielt man gerne Geschlossenheit vor: NPD-Parteitag (Archivbild, Foto: Marek Peters)

Krien ließ es sich nicht nehmen, intern vor mehreren führenden Parteifunktionären aus dem Bundesland sowie NPD-Chef Udo Voigt offen über S. herzuziehen. Dieser habe „ein Problem mit dem Alkohol, das ihm insbesondere in den Abend- und Nachtstunden das Privileg von Narren (wie ehemals Harald Juhnke) verleiht“. Herrn S. sei angeraten, über eine Kur in einer Spezialklinik nachzudenken, so Krien weiter. Außerdem stellte Krien die Frage, ob S. „schon für den Feind“ arbeite.

Klage angedroht

Dies wollte S. nicht auf sich beruhen lassen. Er drohte wegen der Beleidigungen eine Privatklage gegen Krien an. Dies könne allerdings weitere Konsequenzen haben, deutete S. an: Damit würden „vielleicht auch Dinge öffentlich, die nicht nur für Herrn Krien juristisch bedenklich sein könnten“, drohte er – und listete auf:

Zum Beispiel in Sachen Finanzgebaren innerhalb der KPV.
Zum Beispiel in Sachen fehlender Nachweise über Mitgliederbeiträge und deren Verwendung.
Zum Beispiel in Sachen fehlender Kassenberichte innerhalb der KPV.
Ein zweiter Fall Kemna?

Damit spielte S. auf den Skandal um den Ex-Schatzmeister der NPD an, der mittlerweile im Gefängnis sitzt.

Dieser offene Schlagabtausch führte zu wenig Begeisterung in der Partei. „Diese Querelen müssen geklärt werden.Und zwar im kleinsten Kreis,unauffällig und effektiv.Wenn der Feind Witterung bekommt,tobt sich die Schmierenjournaille auf Monate aus“, warnt einer.

Zudem musste Krien Kritik für seine unbewiesenen Behauptungen einstecken:

„Jeder weiß wie sehr sich Hans ehrenamtlich in die Bewegung einbringt und in vielen Stunden unermüdlich unseren Mandatsträgern […] mit Rat und Tat zur Seite steht. Sicherlich kommt die eine oder andere Kritik mal ziemlich scharf rüber, aber wenn man genau hinschaut geht es dabei immer um Sachthemen und nicht wie jetzt am Bsp. Hartmut Krien unter die Gürtellinie.“

Ob S. mittlerweile tatsächlich Klage gegen Krien eingereicht hat, ist bislang unbekannt. Auf eine entsprechende Anfrage reagierte er nicht.

„Auf die Schnauze hauen“

Auch in der Landtagsfraktion in Sachsen herrscht bisweilen ein etwas härterer Ton, wie vorliegende Informationen zeigen. So verkündete Fraktionschef Holger Apfel jüngst in Bezug auf den ehemaligen Parteikameraden Andreas Molau, der vor wenigen Jahren noch von Apfel unterstützt für den Vorsitz der NPD kandidieren wollte, man möge ihn, also Apfel, zurückhalten, „dass ich ihm nicht auf die Schnauze haue“, wenn sich herausstellen sollte, dass Molau Betreiber einer unliebsamen Internet-Seite sei. Echte Kameradschaft eben.

*Wegen Beleidigungen gegen diese Person Name geändert.

Siehe auch: Wurzener NPD-Stadträte ohne UnterstützungSo fließt das Geld aus den Landtagen an die NPD

13 thoughts on “Beleidigen, drohen, klagen: Tollhaus NPD

  1. Axel Mylius, wenn du noch ein Wort sagst, schicken Herr Gensings NSA-Vorgesetzte den Mossad los.

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