Thor Steinar: Gegenwind aus dem hohen Norden

Der Thor-Steinar-Laden "Tromsö" in Berlin
Der Thor-Steinar-Laden „Tromsö“ in Berlin

Der in Neonazi-Kreisen weiterhin höchst beliebte Marke „Thor Steinar“ droht neuer Ärger. Laut norwegischen Medienberichten will die Stadt Tromsö gegen die Verwendung ihres Namens durch Rechtsextreme in Deutschland vorgehen. In Berlin nennt sich ein „Thor Steinar“-Geschäft Tromsö.

Von Patrick Gensing

Viele Neonazis mögen Märchen aus der nordischen Mythologie und daher stehen Namen aus Skandinavien hoch im Kurs – ähnlich wie die Möbel bei IKEA, die durch einen nordischen Namen ein sympathisches Image bekommen sollen, möchten die Rechtsextremen durch die Bezüge auf Thor, Odin & Co. möglichst hart wirken – und alte Traditionen vorgaukeln. 

Doch dies beobachtet man in Norwegen mit wenig Begeisterung, wie „itromso“ berichtet. Der Bürgermeister von Tromsö, Arild Hausberg, fordert demnach von dem TS-Laden in Berlin, sich umzubenennen. Daher schickte er einen Brief an die Mediatex GmbH, die hinter dem Label steht. Es handele sich um eine Schändung des Stadtnamens, da das Geschäft mit Nazi-Symbolen flirte, so Hausberg.

Der Politiker schrieb auch an die norwegische Botschaft in Berlin und bat den Botschafter um Unterstützung. Dieser wolle die Sache mit dem norwegischen Außenminister Jonas Störe besprechen, heißt es weiter.

Schlappe für Thor Steinar

Das Berliner TS-Geschäft Tönsberg (ebenfalls eine norwegische Stadt) musste bereits schließen. Der Bundesgerichtshof hatte die Betreiber von Thor-Steinar-Geschäften  verpflichtet, ihre Vermieter vor Abschluss des Mietvertrages über das Sortiment in ihren Läden zu informieren. Andernfalls könne dies als arglistige Täuschung gewertet werden. Die Vermieter hatten den Shop-Betreibern gekündigt, weil sie offenbar nicht über den Hintergrund der angebotenen Waren informiert worden waren.

Norwegen versucht, Druck zu machen

Norwegen hatte im Jahr 2008 gegen die Modemarke Anzeige wegen widerrechtlicher Verwendung seiner Flagge erstattet. “Wir wollen, dass unsere Staatsflagge als Symbol des demokratischen Norwegens nicht weiter in Verbindung mit dem rechtsextremen Milieu gebracht wird”, sagte der norwegische Gesandte in Berlin damals.

Schon länger ärgern sich norwegische Regierung und Bürger über den Missbrauch ihrer Landesflagge durch deutsche Rechtsextremisten bzw. Modemacher aus der rechten Szene. Bereits Ende 2006 forderte die norwegische Botschaft in Berlin, der Verkauf von Kleidung der Marke “Thor Steinar” mit der norwegischen Flagge darauf müsste gestoppt werden. Wie die Zeitung Bergens Tidende damals berichtete, betonte Botschafter Andreas Gaarder, dies sei eine ernsthafte Angelegenheit. Und bereits Ende 2005 hatte das norwegische Außenministerium mit rechtlichen Schritten gegen “Thor Steinar” gedroht. Gegenüber der Zeitung Verdens Gang (VG) sagte ein Sprecher des Ministeriums, man werde wenn notwendig rechtliche Schritte einleiten, um diesen Missbrauch zu stoppen. Zunächst schickte das Außenministerium der Firma “Mediatex” eine dringende Aufforderung, die norwegische Flagge nicht mehr zu benutzen, berichtete das Tönsberg Blad.

Demnach habe Norwegen in den vergangenen Jahren zudem starken Druck auf die deutschen Behörden ausgeübt, damit auch diese rechtlich gegen “Thor Steinar” vorgehen würden. Den Angaben zufolge hatte Staatsminister Jens Stoltenberg und der frühere Außenminister und Botschafter in Deutschland, Bjørn Tore Godal, diese Sache angeschoben. Jetzt haben die deutschen Behörden die Angelegenheit auf eine höhere Ebene gebracht, heißt es weiter. Deutsche Juristen hätten der norwegischen Botschaft zugesagt, es gebe wirksame rechtliche Mittel, um den Missbrauch der Flagge zu stoppen. Diese nutzen die Norweger nun.

Modemarke “Quisling” wäre passender

Für viele Norweger ist der Missbrauch ihrer Flagge und von Städtenamen durch deutsche Rechtsextremisten besonders bitter, da das Land während des 2. Weltkriegs von Deutschland besetzt wurde. Die Deutschen hatten eine Regierung unter der Führung des norwegischen Faschisten Vidkun Quisling unterstützt. Der Begriff Quisling wurde nach dem Ende des Krieges zum geläufigen Synonym für Verräter – unter anderem im Norwegischen und auch im Englischen.

Vidkun Quisling, Heinrich Himmler, Reichskommissar Josef Terboven, Generaloberst Nikolaus von Falkenhorst (sitzend, vlnr) und Offiziere von Waffen-SS, Heer und Luftwaffe bei einer Veranstaltung (Bundesarchiv)
Vidkun Quisling, Heinrich Himmler, Reichskommissar Josef Terboven, Generaloberst Nikolaus von Falkenhorst (sitzend, vlnr) und Offiziere von Waffen-SS, Heer und Luftwaffe bei einer Veranstaltung (Bundesarchiv)

Quisling-Ausstellung im Museum Telemark.

Norwegisches Museum über die “Hjemmefront” (Heimatfront) – auch auf Deutsch.

Zentrum für Studien über den Holoaust in Oslo.