Hamburg: NPD-Wahlkampf mit Beil?

Thomas Wulff (Foto: Marek Peters)
Thomas Wulff (Foto: Marek Peters)

Eigentlich lautet sein Spitzname Thomas „Steiner“ Wulff, möglicherweise wird der mehrfach vorbestrafte Neonazi aber bald auch als „das Beil“ bekannt. Denn der NPD-Funktionär soll in Hamburg an einer Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein, bei der angeblich auch ein Beil eingesetzt wurde. Der Vorfall ereignete sich zur Mittagszeit des 26. Januar 2011 in Hamburg-Billstedt – drei Tage vor einem Aufmarsch in Hamburg-Harburg, den Wulff laut NDR Info auch angemeldet hat.

In Billstedt kam es heute offenbar zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Wahlkämpfern der NPD und einem Anwohner. Dabei soll einer der Rechtsextremisten den Mann mit einer Axt bedroht haben. Die NPD wollte Wahlplakate aufhängen. Dem Inhaber eines Tätowierstudios gefiel es aber nicht, dass die Plakate auch vor seinem Geschäft stehen sollten. Als er dagegen protestierte, hätten die Rechtsextremisten ihn angegriffen, sagt der Mann. Wörtlich erklärte er: „Einer hat mir in den Unterleib getreten, der zweite hatte die Axt in der Hand, der Dritte hat mich dann angespuckt.“ Zu den NPD- Männern gehörte auch einer der führenden Rechtsextremisten in Norddeutschland, der aus Hamburg stammende NPD-Funktionär Thomas Wulff.

Wulff wies diese Darstellung allerdings zurück: Der Geschäftsmann habe NPD-Plakate beschädigt und einen seiner Mitstreiter tätlich angegriffen. Beide Seiten erstatteten Anzeige – die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung.

Bekannte NPD-Funktionäre an Wulffs Seite

Nach Informationen des Hamburger Bündnis gegen Rechts handelte es sich bei den Begleitern Wulffs um bekannte lokale NPD-Funktionäre: Kay-Ole Klebe, jüngerer Bruder des Hamburger Landesvorsitzenden der NPD Torben Klebe. Er war demnach mitverantwortlich für die erneute Gründung der Jungen Nationaldemokraten, des Jugendverbandes der NPD in Hamburg und verschickte im Januar 2008 die Gründungserklärung der JN an die NPD-Bundeszentrale. Kay-Ole war den Angaben zufolge im Februar 2007 beteiligt an einem versuchten Überfall auf einen antifaschistischen Infostand des HBgR im Bramfeld, ebenfalls im Wahlkampf. Die Polizei verhinderte damals Schlimmeres.

Jan Zimmermann ist dem Bündnis zufolge langjähriger Kader der NPD. Kandidierte 2004 erstmals zur Bürgerschaft, zur BTW 2009 kandidierte er auf Listenplatz 2. Aktuell wird er als Beisitzer im Landesvorstand angegeben. Im Juni 2006 beschimpfte er den damaligen Einsatzleiter der Polizei als „unzurechnungsfähig und blöd im Kopf“ als dieser einen NPD-Stand auflöste. Daraufhin sei ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung eingeleitet worden (siehe auch VS-Bericht HH 2006, S. 230 – hier wird der Name nicht erwähnt).

Am kommenden Wochenende will die NPD mit Anmelder Wulff in Hamburg-Harburg eine Wahlkampfveranstaltung durchführen. Ein demokratisches Bündnis ruft zu Protesten dagegen auf.

Siehe auch: “Kurzer Prozess” mit Ausländern? Keine Stimme den Nazis!