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Einblicke in die NPD: Disziplin durch Geldstrafen

15. Januar 2011 12:57 1.864 mal gelesen 12 Kommentare

In Berlin hat die NPD einen “Festakt” inszeniert, um die “Verschmelzung” mit der DVU zu begehen. Allerdings tobt in der untoten Volksunion noch ein Rechtsstreit wegen möglicher Fehler im Fusionsprozess, der weitreichende Folgen haben könnte. Viele DVU-Mitglieder wollen zudem nicht in die NPD eintreten. Die Vorbehalte erscheinen nachvollziehbar, wirft man einen Blick hinter die Kulissen der Partei. Die NPD fordert offenbar eigene Spitzenfunktionäre auf, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen. Diese verstößt nach Ansicht von Experten  gegen das Parteienrecht. Denn die NPD droht ihrem Personal mit drastischen Geldstrafen – inklusive Wucherzinsen.

Von Patrick Gensing, zuerst bei tagesschau.de veröffentlicht

In dem Schreiben müssen die Mitglieder des Bundesvorstandes der Kommunalpolitischen Vereinigung der NPD versichern, dass sie keine Mitarbeiter oder Informanten “eines Amtes des Verfassungsschutzes, des Bundesnachrichtendienstes, des Militärischen Abschirmdienstes, sonstige in- oder ausländische Geheimdienste” sind.

Die NPD verpflichtet Spitzenfunktionäre zum Schweigen - und droht mit drastischen Geldstrafen und hohen Zinsen.

Die NPD verpflichtet Spitzenfunktionäre zum Schweigen - und droht mit drastischen Geldstrafen und hohen Zinsen.

Der Parteienexperte Hans-Gerd Jaschke betonte auf Anfrage des Autors, die NPD habe sich immer verfolgt gefühlt – durch “die Politik der demokratischen Parteien, durch Polizei und Geheimdienste”. Dieses Verfolgungssyndrom scheine an Schärfe noch zugenommen zu haben, betonte der Professor für Politikwissenschaft an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin. Der gescheiterte Verbotsantrag von 2001 habe “parteiintern verdeutlicht, wie sehr die NPD vom Verfassungsschutz unterwandert ist und wie sehr daher auch das Bild der Kaderpartei beschädigt ist”. Die NPD habe “eben nicht alles unter Kontrolle”, sagte Jaschke.

Der Rechtswissenschaftler Ulrich Battis von der Humboldt-Universität Berlin erklärte auf Anfrage, dies erinnere an die “Einschüchterungsversuche in der KPD, um die Leute gefügig zu machen”. Es handele sich seiner Einschätzung nach um einen Verstoß gegen das Parteiengesetz, denn um den “Einschüchterungsversuchen” Nachdruck zu verleihen, geht die Erklärung - welche die Funktionäre offenbar selbst notariell beglaubigen sollen -  noch deutlich weiter. So heißt es darin, dass sich die Funktionäre verpflichten, bei einer Weitergabe von

“vertrauliche[n] Informationen über die NPD oder eines Ihrer Mitglieder ohne Befugnis bzw. vorherige Zustimmung der Betroffenen an Ämter des Verfassungsschutzes, des Bundesnachrichtendienstes, des Militärischen Abschirmdienstes, sonstige in- oder ausländische Geheimdienste, der Polizei und anderen staatlichen Stellen, den Medien oder dem politischen Gegner” zum Ausgleich der NPD “eine Vertragsstrafe von 15.000,– € (in Worten: fünfzehntausend) für jeden Fall einer Zuwiderhandlung zu bezahlen”. Außerdem sollen sich die Funktionäre “ferner dazu bereit [erklären], im Falle einer Verzögerung der Auszahlung durch gerichtlichen Widerspruch meinerseits die o. g. Summe mit 12 Prozent jährlich zu verzinsen”. 

Die NPD, welche sonst in typisch antisemitischer Manier gegen Zinswucher hetzt, geht hier in die Vollen: zwölf Prozent Zinsen.

Parteispitze kontrolliert Basisaktivitäten

Der NPD-Funktionär Jens Pühse kontrolliert als Bundesorganisationsleiter Aktivitäten an der Basis. (Foto: Marek Peters)

Der NPD-Funktionär Jens Pühse kontrolliert als Bundesorganisationsleiter Aktivitäten an der Basis. (Foto: Marek Peters)

Ein weiteres Dokument zeigt zudem, wie die Partei versucht, ihre Basis zu kontrollieren. Es handelt sich um eine parteiinterne Anmeldung für eine Demonstration, welche von einem Kreisverband durchgeführt werden sollte. Diese Anmeldung muss in der NPD zunächst vom zuständigen Landesorganisationsleiter und dann sogar vom Bundesorganisationsleiter abgezeichnet werden. Der Kreisverband muss Motto, Anmelder, Redner, Ordner sowie weitere Details zu dem geplanten Aufmarsch angeben.

“Großes Misstrauen gegenüber der eigenen Basis”

Parteienexperte Jaschke wertete die Dokumente als “deutliche Signale an die eigene Mitglieder”. Nach innen verstehe sich die NPD als Kaderpartei: “Die Parteiführung entscheidet. Sie setzt alle möglichen Instrumente ein, um die unteren Ebenen zu kontrollieren und zu disziplinieren. Aus den Dokumenten geht großes Misstrauen gegenüber der eigenen Basis hervor.”

NPD-Führungsriege mit Klaus Beier (re.)

NPD-Führungsriege mit Klaus Beier (re.)

Der Vorsitzende der Kommunalpolitischen Vereinigung der NPD, Hartmut Krien, reagierte nicht auf eine Anfrage zu der Verschwiegenheitserklärung.  Bundespressesprecher Klaus Beier bestätigte hingegen die Praxis in der Partei, Aktivitäten von Kreisverbänden vom Bundesorganisationsleiter absegnen zu lassen.

“Die Vorgehensweise kollidiert nicht mit der ‘Idee der internen Demokratie’, sondern dient dazu, Terminüberschneidungen zu vermeiden”, so Beier auf Anfrage des Autors. Zudem würden “Organisation und Ordnungsdienst sowie politische Inhalte miteinander abgestimmt und koordiniert”.

Mit anderen Worten: Die Basis soll durch die Führung offenbar kontrolliert werden - nicht andersherum. Der Politikwissenschaftler Thomas Weber von der Hochschule Magdeburg-Stendal meinte, dies widerspreche der Organisation von demokratischen Parteien, die von unten nach oben gegliedert seien. “Aber so wenig wie die NPD von der föderalen Struktur der Bundesrepublik hält, so wenig legt sie Wert auf innerparteiliche Demokratie”, so Weber. Die Dokumente seien “bezeichnend für eine rechtsextreme Partei”.

Siehe auch: NPDVU: Folgt nach dem Festakt der (Wahl-)Kater?,  V-Männer in der NPD: Die unverbietbare Partei

In dieser Schule in Lichtenberg trifft sich die NPD heute zu ihrem Wahlkampfauftakt und "Festakt". (Foto: NPD-BLOG.INFO)

In dieser Schule in Lichtenberg trifft sich die NPD heute zu ihrem Wahlkampfauftakt und "Festakt". (Foto: NPD-BLOG.INFO)

 

12 Kommentare »

  • Tweets that mention NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Einblicke in die NPD: Disziplin durch Strafandrohung -- Topsy.com said:

    [...] This post was mentioned on Twitter by NPD-BLOG.INFO, NPD-BLOG.INFO, NPD-BLOG.INFO, Gegen Nazis and others. Gegen Nazis said: @npdde @claus_cremer Einblicke in die NPD: Disziplin durch Strafandrohung: In Berlin inszeniert die NPD heute ei… http://bit.ly/h0yIzl [...]

  • Die Politik » Einblicke in die NPD: Disziplin durch Geldstrafen said:

    [...] Einblicke in die NPD: Disziplin durch Geldstrafen [...]

  • WW said:

    Man vergleiche Anspruch und Wirklichkeit.

    Anspruch: “Den Bonzen auf die Finger hauen!” (Pastörs’ letzter Wahlkampf)

    Wirklichkeit: “Die Basis soll durch die Führung offenbar kontrolliert werden – nicht andersherum.”

    Und diese NPD will Deutschland aus dem “Würgegriff der Blockparteien und der eigensüchtigen Interessengruppen befreien.” (Eigendarstellung der NPD)

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » NPD eröffnet “Bürgerbüro” in Bremerhaven said:

    [...] Siehe auch: Pühses Wahlkampf: Wer nichts zu sagen hat, der muss schreien, Einblicke in die NPD: Disziplin durch Geldstrafen [...]

  • NPD KV UNNA / HAMM said:

    Lieber Herr Gensing,
    bei der Verschwiegenheitserklärung handelt es sich nicht um eine von “oben auf gepresste Forderung”, sondern diese Erklärung wurde von “unten” auf mehreren Parteitagen gefordert und dann nach langen Diskussionen vom Vorstand der NPD akzeptiert.
    Sollte jemand diese Erklärung nicht unterschreiben wollen, würde er durch die Delegierten wahrscheinlich auch nicht in eine Funktion gewählt werden.
    Entgegen Ihrer Vermutung sind wir wahrscheinlich erheblich demokratischer verfasst als manche der größeren Parteien, die uns Demokratie lehren wollen.
    Das vielleicht zu Ihrer Information.

  • NPD-BLOG.INFO said:

    Sehr geehrter Herr Voß (NPD KV Unna / Hamm),
    das ist interessant. Also müssen Kandidaten auf Parteitagen erst versichern, dass sie diese Erklärung unterzeichnen (oder schnell notariell beglaubigen lassen) – und dann werden sie gewählt? Gilt diese Erklärung also auch für den Bundesvorstand?
    Danke und freundlichen Gruß
    Patrick Gensing

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Brauner Wanderprediger bei der KPV der NPD said:

    [...] Die NPD fordert von den KPV-Spitzenfunktionären, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen. Diese verstößt nach Ansicht von Experten gegen das Parteienrecht. Denn die NPD droht ihrem Personal mit drastischen Geldstrafen – inklusive Wucherzinsen. Mehr dazu hier.  [...]

  • Bernburg wird Freiluft-Bräunungsstudio « bluthilde said:

    [...] verdienten Kameraden gerne mal gewähren – und der von den Brechern der Zinsknechtschaft bei Bedarf auch renditeträchtig im Interesse der politischen Avantgarde der Volksgemeinschaft angel… [...]

  • Januar 2011 « Infothek… said:

    [...] In Berlin hat die NPD einen “Festakt” inszeniert, um die “Verschmelzung” mit der DVU zu begehen. Allerdings tobt in der untoten Volksunion noch ein Rechtsstreit wegen möglicher Fehler im Fusionsprozess, der weitreichende Folgen haben könnte. Viele DVU-Mitglieder wollen zudem nicht in die NPD eintreten. Die Vorbehalte erscheinen nachvollziehbar, wirft man einen Blick hinter die Kulissen der Partei. Die NPD fordert offenbar eigene Spitzenfunktionäre auf, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen. Diese verstößt nach Ansicht von Experten  gegen das Parteienrecht. Denn die NPD droht ihrem Personal mit drastischen Geldstrafen – inklusive Wucherzinsen. weiter… [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Wurzener NPD-Stadträte ohne Unterstützung said:

    [...] Siehe auch: Kommunalparlamente: NPD in 14 von 16 Ländern vertreten, Einblicke in die NPD: Disziplin durch Geldstrafen [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » NaziLeaks: Medien erhalten Daten aus der NPD said:

    [...] Artikel, welche auf den Informationen aus dem NaziLeak basieren: Einblicke in die NPD: Disziplin durch Geldstrafen, Beleidigen, drohen, klagen: Tollhaus NPD, Wurzener NPD-Stadträte ohne Unterstützung, So [...]