Nazi-Beute: „Vier Jahreszeiten bleibt ohne Teppich“

Der Teppich hat für Schlagzeilen gesorgt: Am Montag berichtete der NDR als erstes Medium über einen Gobelin im Hamburger Nobelhotel „Vier Jahreszeiten“, der viel mit der braunen Vergangenheit der Hansestadt zu tun hat. Der Teppich stammt aus jüdischem Besitz und wurde 1937 von den Nazis versteigert. So gelangte er ins Hotel. Viele Jahre hat sich das Hotel über die Herkunft des Kunstwerks ausgeschwiegen. Heute Mittag erklärte sich das Hotel bereit, den Teppich an die rechtmäßigen Erben herauszugeben. Das Schweigen hat damit ein Ende.

Von Stefan Schölermann NDR Info

Das Hotel Vier Jahreszeiten zieht Konsequenzen aus den Schlagzeilen der vergangenen Tage. Marketingdirektorin Judith- Fuchs Eckhoff legte sich im Gespräch mit NDR Info eindeutig fest: „Es ist unsere Pflicht, den Teppich herauszugeben, es ist unsere moralische Pflicht. Insofern fällt es uns leicht. Wir tun hier einen moralischen Schritt. Der gehört sich. Und deshalb werden wir eine Lösung finden für den Platz, an dem der Teppich jetzt hängt.“

Das Nobel-Hotel "Vier Jahreszeiten" an der Hamburger Außenalster. (Quelle: Garitzko)
Das Nobel-Hotel "Vier Jahreszeiten" an der Hamburger Außenalster. (Quelle: Garitzko)

Jahrzehntelang schmückte das imposante Stück aus der Mitte des 18. Jahrhunderts eines der beiden Feinschmeckerrestaurants im Hotel. Der rund 12 Quadratmeter große Teppich stammt aus dem Besitz der wohlhabenden Hamburger Familie Budge. Nach dem Tod der jüdischen Erblasserin Emma Budge rissen die Nazis sich deren Besitz unter den Nagel und ließen ihn versteigern. Die Erben gingen leer aus. Sie werden heute vertreten unter anderem von dem Berliner Anwalt Lothar Fremy.

Er hatte vor einem Jahr den Stein ins Rollen gebracht und im Namen der Erben vom Hotel die Herausgabe des Kunstwerkes verlangt. Jetzt ist er am Ziel: „Ich war natürlich sehr zufrieden, dass das Hotel diese großzügige Haltung eingenommen und sich zu seiner historischen Verantwortung bekannt hat.“

Für das Hotel geriet die Angelegenheit in den vergangenen Tagen immer mehr zu einem medialen Fiasko. Täglich gab es Negativ- Schlagzeilen, in einer ersten Stellungnahme hatten die Anwälte des Hotels noch darauf gepocht, dass das Hotel den Teppich rechtmäßig erworben hatte. Stirnrunzeln und am Ende Erleichterung darüber bei Lothar Fremy: „Nachdem der NDR darüber berichtet hat, hat man sich veranlasst gesehen, die Sache nun doch mal wirklich ernst zu nehmen und die Sache zu bearbeiten – und die Entscheidung, die jetzt getroffen wurde ist ja auch wirklich extrem zeitnah, so dass ich jetzt persönlich keinen Groll hege.“

Immerhin hatte Fremy mehr als ein Jahr auf die Antwort des Hotzels warten müssen. Für Hotel-Managerin Fuchs- Eckhoff ein peinliches Versehen des eigenen Anwalts: „Das ist eine bedauerliche Geschichte, da möchten wir uns auch entschuldigen. Ein menschliches Versehen, ein kleine Schlamperei haben letztlich zu diesem Desaster geführt, so dass wir wirklich die Sache in Vergessenheit haben geraten lassen.“ Am Ende habe man sich sehr schnell entschieden, als die Sache bekannt wurde, darauf legt man Wert im Hotel „Vier Jahres Zeiten“.

Die Zukunft des Wandteppichs scheint besiegelt –  er soll schon bald im Auftrag der Erben erneut unter den Hammer kommen, sagt Anwalt Fremy.

Siehe auch: Das “Vier Jahreszeiten” und der Gobelin-Teppich