NPD-Chef Voigt und der Nationalliberale Sozialismus

Die NPD ist bekanntlich wenig wählerisch, wenn es um die Rekrutierung neuer Anhänger oder Kandidaten geht. Nun will sich die Partei, die sonst den „Nationalen Sozialismus“ fordert, für „Mitglieder und Sympathisanten der FDP“ interessant machen. In einem offenen Brief erklärt NPD-Chef Udo Voigt die FDP für „politisch tot“. Guido Westerwelle habe aus der Partei einen „homophilen Club gestrickt, der Mammon und Macht anbetet“.

NPD-Chef Voigt mit dem Vorstandsmitglied und Möchtegernarbeiterführer Wulff
NPD-Chef Voigt mit dem Vorstandsmitglied und Möchtegernarbeiterführer Wulff

Daher wende sich Voigt nun an all die FDPler, „die sich der national-liberalen Idee verpflichtet fühlen“ – so als sei der nationalliberale Flügel in der FDP in den vergangenen Jahren noch sonderlich einflussreich oder aktiv gewesen. Dementsprechend verweist Voigt auch auf Jürgen Möllemann, „der im deutschen Volk Anklang für seine national-liberale Programmatik fand“.

Jede Stimme für die FDP bei den kommenden Landtagswahlen sei eine verlorene Stimme, weiß Voigt. Daher appelliere er „an das national-liberale Ethos, nationale Pflichtbewußtsein und deutsche Ehrgefühl der national-liberalen Wählerschaft“. Voigt fordert einen Schlusstrich „unter die von der FDP-Führung betriebenen Politik des nationalen Verrats“ sowie die Unterstützung der „einzig wahre nationale Kraft in Deutschland“ – nämlich der NPD.

Warum aber ausgerechnet Nationalliberale eine Partei unterstützen sollten, deren Funktionäre regelmäßig von der „Volksgemeinschaft“ sowie dem „nationalen Sozialismus“ schwadronieren, das verrät der „Dipl.sc.pol. Udo Voigt“ leider nicht. Wäre spannend gewesen.

Hintergrund: NPD-Ideologie: Alte Rechte mit etwas Neuer Rechten

9 thoughts on “NPD-Chef Voigt und der Nationalliberale Sozialismus

  1. Die FDP ist eine pure Wirtschaftslobbypartei, die sich konsequent gegen jede Art von Wirtschaftskontrolle, Verbraucherschutz, Mindestlohn usw. einsetzt!
    Zusammen mit Schwarz.
    Da aber auch Rot/Grün während 8 Jahren Regierung absolut nichts gegen die Arbeitslosigkeit getan hat, sondern ganz im Gegenteil durch die Agenda 2010 und die Einführung des Hartz(4)-Systems den Sozialstaat massiv zusammengestrichen hat, wird es dann mit den noch glaubwürdigen Farben etwas eng bei der nächsten Wahl. 😉
    Und morgend wacht das abgehängt Prekariat dann auf und wählt braun. Weil nichts mehr zu verlieren ist.

  2. Michel, dass die Parteien nichts tun, kann man nicht behaupten. Manchmal hat man den Eindruck, sie tun zu viel. Aber es ist blinder Aktionismus, der keine nachhaltige Wirkung entfaltet.

    (Übringens sind auch viele Arbeitnehmer selbst an ihrer Lage mit schuld! Sehen Sie einmal, wie groß gerade in den schlechtbezahlten Branchen wie Wachdienst, Gebäudereinigung, Pflege, Frisöre… die gewerkschaftliche Organisierung ist.)

    Sie meinen hier die Protestwähler und auf jene haben die Nazi-Parteien schon traditionell immer gesetzt – früher wesentlicher plumper als heute. Früher waren sie immer gegen „die Bonzen“, das hat auch noch im letzten Wahlkampf im Mecklenburg-Vorpommern funktioniert. Aber inzwischen ist die NPD raffinierter geworden und hat an ihren Wahlkampfparolen stark gearbeitet. Die DVU hatte diesen Lerneffekt nicht und auch darum den vernichtende Misserfolge.

    Bei allem Verständnis für frustrierte Wähler: Wer aus Protest wählen will, der hat auch genügend andere Möglichkeiten als ausgerechnet Nazis. Denn wenn man Nazis wählt, dann sagt man: „Wenn es mir scheiße geht, dann soll es allen scheiße gehen!“
    Mit dieser Einstellung wird man kaum eine Verbesserung für irgendjemanden herbeiführen können.

  3. Eins muss man Voigt lassen: Er hat Selbstironie!

    „Jede Stimme für die FDP bei den kommenden Landtagswahlen sei eine verlorene Stimme, weiß Voigt“
    (… dessen Partei bundesweit an der Ein-Prozent-Hürde scheitert und nur in zwei Landtagen sitzt, derweil sie in einem bereits wieder mächtig eingebüßt hat.)

    Es war übrigens fast zwigend, dass die NPD irgendwann einen schwulen Minister als Steilvorlage nehmen würde. Das kann sie sich ja nicht entgehen lassen. Es zeigt aber umso deutlicher, wie wenig man inhaltlich zu sagen hat, wenn man auf solche – für die Politik vollkommen irrelevante – Eigenschaften eines Menschen fokussiert. Damit stellt sich die NPD selbst ein Zeugnis der Inkompetenz aus.

    Ich hätte mich ebenfalls gefreut, einmal die „national-liberale“ Idee erklärt zu bekommen. Ist das dieselbe NPD, welche ihre sozialen Thesen von der Linkspartei klaut, ihre grünen Thesen von den Grünen und die Unternehmen antikapitalistisch „nationalisieren“ will? Gegen den hemmungslosen Profit, für das gesamte „Volk“?
    Und all das mit der FDP („weniger Staat, mehr Eigenverantwortung, mehr Privatisierung“) ?

    Hilfe! Schwester, Herr Voigt spricht im Fieberwahn! Er hat Schmerzen!

  4. Ich weis nicht, welche Paraneua alle gegen die NPD haben. Für mich steht der Schuldige für den Werteverfall und dem steigendem Rechtextremimus fest. Die Grünen haben schuld und die Medien mit ihrer Political correctnes. Ich wüsste keine Partei von den 5 in der ich meine Meinung noch vertreten sehe. Die NPD ist nicht gerade mein Idealbild für eine Heimatpartei, aber dem Gendermainstream dem Islamismus ziehe ich die brauen vor.

  5. Kimmel, man sollte über eine Wahl zwischen Pest und Cholera gar nicht erst nachdenken. Das führt zu nichts. Islamismus und Faschismus haben ja durchaus auch Parallelen, darum muss man das auch gar nicht als Gegensatz positionieren.
    Auch die Grünen als Alleinschuldige an was auch immer anzusehen, ist Blödsinn. Gerade aber beim Rechtsextremismus ist es total daneben. Eine Partei verleiht nur einer gesellschaftlichen Gruppe eine Stimme, siehe auch Sarrazin. Man darf nicht nur auf einige zeigen, sondern muss über die Gesellschaft dahinter nachdenken.

    Political correctness nervt mich auch zuweilen, aber sie lässt das Pendel nicht ins Gegenteil schwingen. Wenn ich Zigeuner statt Roma sage, dann muss ich die Leute nicht automatisch als minderwertig ansehen. Wenn Feministen wie die penetrante Alice Schwarzer mich nerven, dann muss ich gleichwohl nicht jede Frau zur Hausfrau machen wollen.

    Im übrigen steht es Ihnen frei, eine eigene Partei zu gründen. Die Mehrheit der Menschen, welche wie Sie mit allem unzufrieden sind, engagiert sich aber gerade nicht politisch oder gesellschaftlich, sondern belässt es beim Meckern. Weil es immer einfacher ist, zu klagen als es selbst besser zu machen.

  6. @Kimmel

    Du brauchst doch garnicht „die Braunen“ vorzuziehen: jetzt, wo der Hitler-Freund Voigt offensichtliche „Schnittmengen“ bei der FDP sieht… Wobei ich mich frage: Warum gerade Dort? – Voigt`s Mannen demonstrieren durch Deutschland für den … ähm … „nationalen Sozialismus“; zumindest dem Worte „Sozial“ nach, müsste doch die NPD ihre Fühler nach „links“ ausstrecken (SPD/LINKE/Grüne). Aber man biedert sich der FDP an. Das mit der CDU/CSU ist natürlich klar: „verjudete Pfaffen“ kommen für die arischen Heiden-Freaks der NPD selbstverständlich nicht in Frage. …Dieser Jesus mit seinem Humanismus, da kann doch eine Parteibande wie die NPD, die ständig den sozialdarwinistischen Überlebenskampf eines Breker-Ariers apostrophiert, nur abstinken. – Also könntest du doch augenscheinlich auch die FDP wählen, da Herr Voigt dort eine, wie auch immer „geartete“, Wesensverwandtheit zu erkennen glaubt, @Kimmel. 😉

    p.s.: Vielleicht ist der Parteivorsitzende der NPD auch Fallschirmspringer. *lol*

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