Döbeln: Brauner Spuk zum Jahreswechsel fiel aus

Offenbar wollten Neonazis den mittelsächsischen Behörden und der Polizei zum Jahreswechsel einen bösen Streich spielen. Am 30. Dezember meldeten sie drei Kundgebungen im Döbelner Stadtgebiet an. Am 31. Dezember um 15 Uhr sowie am 1. und 2. Januar um jeweils 11 Uhr wollten sie ihre braune Propaganda Kund tun. „Nach Einschätzung der Gesamtlage hat das Landratsamt die drei Versammlungen verboten“, erklärte Pressesprecherin Cornelia Kluge.

von Patrick Limbach

„Das Landratsamt sah die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet.“ Nähere Angaben zu Anmelder, geplanten Kundgebungsinhalten und Verbotsgründen möchte sie auf Nachfrage nicht machen.

Screenshot der "Nationalen Sozialisten Döbeln"
Screenshot der "Nationalen Sozialisten Döbeln"

Für die Polizei bedeuteten die Anmeldungen trotz Verbot Arbeit. Die Beamten setzten das Demonstrationsverbot durch, indem sie in der Stiefelstadt verstärkt Präsenz zeigten. Hinter den „Spaßanmeldungen“, mit denen offensichtlich das demokratische Versammlungsrecht unterhöhlt werden sollte, steckten offenbar die „Nationalen Sozialisten Döbeln“. Auf ihrer Internetseite verweisen sie auf zwei Meldungen zu dem Ereignis. Die Kameradschaft veranstaltete zuletzt am 6. November eine Kundgebung am Döbelner Hauptbahnhof, an der rund 110 Neonazis teilnahmen. Anschließend marschierten einige von ihnen in Mittweida und Delitzsch auf. Parallel zur Kundgebung versuchten 100 Kameraden in Lößnig eine Spontandemo durchzuführen, die von der Polizei vereitelt wurde.

Die Idee, Behördenmitarbeitern und Polizeikräften mit Versammlungen die Feiertage zu vermiesen, ist weder neu noch stammt sie aus Sachsen. Erst in diesem Jahr veranstaltete in Dortmund der selbsternannte „Nationale Widerstand“ sowohl an Heiligabend als auch an Silvester Kundgebungen. Anlass für die Ruhrpott-Neonazis war eine Razzia bei einem Dortmunder Szene-Versand Anfang Dezember, bei der die Polizei mehrere Computer beschlagnahmt hatte.

Anders als in Sachsen fanden die Dortmunder Kundgebungen statt. Mit verhaltenem Erfolg: Während sich am 24. Dezember gerade einmal ein Dutzend Teilnehmer am Kundgebungsplatz einfanden, waren es zum Jahreswechsel immerhin 80 Kameraden. Unter ihnen auch Neonazis aus Leipzig, Eilenburg und Chemnitz, was die Zusammenarbeit und sozialen Bindungen zwischen Neonazis des „Freien Netz Mitteldeutschland“ und der aktionsorientierten Kameradschaftsszene aus dem Ruhrpott unterstreicht.

Siehe auch: Überfall in Döbeln: Prozess gegen “Sturm 34″-Mitglieder