Rechtsextremer Autor Andre Busch gestorben

Der norddeutsche Neonazi Andre Busch ist im Alter von 36 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Dies melden mehrere Neonazi-Seiten. Busch genoss in Neonazi-Kreisen hohes Ansehen für sein Buch „Blutzeugen – Beiträge zur Praxis des politischen Kampfes in der Weimarer Republik“. Dieses war im „Nordland-Verlag“ des NPD-Bundesvorstandsmitgliedes Thorsten Heise erschienen .

In einem Nachruf schreibt eine Neonazi-Seite über Busch:

Es wird auf ewig sein Verdienst bleiben, mit seinen jahrelangen Recherchen ein geschichtspolitisches Grundlagenwerk über die Blutzeugen aus der Kampfzeit der Weimarer Republik, die ermordeten Aktivisten der NSDAP bis 1933, geschaffen zu haben.

Der Verfassungsschutz Hamburg berichtete, am 15. Dezember 2008 habe Andre Busch sein Werk auf einer Veranstaltung des NPD-Kreisverbands Hamburg Mitte-Nord vorgestellt. In einem Beitrag auf ihrer „Heimatseite“ bezeichnete die Hamburger NPD demnach das Buch als „einzigartiges Werk“, verglich gewalttätige Übergriffe auf Mitglieder und Sympathisanten der NPD mit Angriffen auf die NSDAP:

„Eine andere politische Partei, die in den unruhigen Zeiten von 1923 – 1933 noch viel mehr Opfer durch Angriffe, beispielsweise vom Rotfrontkämpferbund oder SPD-Reichsbanner, zu verzeichnen hatte, war die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei mit ihren Untergliederungen wie Sturmabteilung, Schutzstaffel und Hitlerjugend, Hunderte Parteianhänger sind bis zum 30. Januar 1933 dem politischen Terror zum Opfer gefallen.“

Der Verfassungsschutz Hamburg berichtet zu dem Buch weiter:

Anfang Februar 2009 stellte Busch sein Buch vor norddeutschen Neonazis „nach einer kämpferischen Einleitungsansprache vom Kameraden ‚Steiner‘“ (Thomas Wulff) vor. Im Internet berichten „Nationale Sozialisten Vorderpfalz“, dass auf einer Veranstaltung am 01.03.09 in der Vorderpfalz vor über 70 Teilnehmern das Buch ebenfalls präsentiert wurde. Der Vortrag habe „für nachhaltiges Interesse gesorgt und wird mit Sicherheit noch in vielen Aktivistengruppen vertieft“.

Busch war Alter Herr der Hamburger Burschenschaft „Chattia Friedberg“. Sie feierte sein Buch auf ihrer Internetpräsenz überschwänglich. Bei dieser Vereinigung gebe es, so der Hamburger Verfassungsschutz, „Anhaltspunkte für Verbindungen zum Rechtsextremismus“.

Busch war von seinem Arbeitgeber Ende 2009 suspendiert worden, nachdem seine neonazistischen Aktivitäten bekannt wurden. Man dulde in dem Institut keine rechtsextremen Aktivitäten, ließ die Volks- und Raiffeisenbank wissen.

„Wichtige Funktion für die Szene“

Cover des Buches "Blutzeugen" (Publikation Internet via VSHH)
Cover des Buches "Blutzeugen" (Publikation Internet via VSHH)

Autoren wie Busch und ihre Bücher hätten in der rechtsextremen Szene eine wichtige Funktion, kommentierte Dr. Manfred Murck, Vize-Chef des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, gegenüber dem NDR: “Der intellektuelle Teil des Rechtsextremismus liefert jenen eine Rechtfertigung, die nachts üble Taten auf der Straße vollbringen.“ Anders ausgedrückt: die in dem Buch beschriebenen „Blutopfer“ wie die des SA- Schlägers Horst Wessel könnten Vorbild sein für junge Leute.

Ähnlich äußerte sich der emeritierte Politologe der Helmut-Schmidt Universität der Bundeswehr in Hamburg, Professor Wolfgang Gessenharter. Für ihn weist das Buch des Bankers eindeutige Bezüge zur Naziideologie auf. Wer schon den Schutzumschlag des Buches mit den Silhouetten von SA-Männern schmücke und das Signet eines SS-Verlages auf dem Einband abdrucke, müsse sich diese Ideologie auch zurechnen lassen, sagt der Professor.

Siehe auch: Bank suspendiert braunen Mitarbeiter

4 thoughts on “Rechtsextremer Autor Andre Busch gestorben

  1. Andre Busch war auch seit Jahren Mitglied der Hamburger Burschenschaft Germania und publizierte einen Artikel in den Burschenschaftlichen Blättern, der Zeitschrift der Deutschen Burschenschaft (DB). Um genau zu sein, war Herr Busch hier Conkneipant, seit der Ahlhaus-Affäre ist der Begriff ja etwas bekannter. Für die Germania referierte Busch zuletzt im Sommersemester 2010 im Burschenhaus in der Sierichstraße über das Thema „Politischer Kampf in der Weimarer Republik.“ Andre Busch war übrigens nicht der einzige Bursche mit Doppelmitgliedschaft in der Pennalie Chattia und der akademischen Burschenschaft Germania.

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