„Kategorie C“ – der Mythos unpolitisch

Lange Zeit waren die Zapfhähne in der Traditionsgaststätte „Zur grünen Allee“ in Vallstedt im niedersächsischen Landkreis Peine trocken und auch der dazugehörige Saal blieb leer. Seitdem das Ehepaar U. vor zwei Jahren den Gasthof übernahm, kann der Saal mit Platz für etwa 400 Personen wieder angemietet werden. Ein Angebot, das nicht nur die Dorfgemeinschaft freuen dürfte: auch der Nazikader Marcus Winter aus Minden griff für sein Konzert mit der Rechtsrock-Band „Kategorie C“ gerne darauf zurück.

Von Kai Budler und monitorex für NPD-BLOG.INFO

marcus winter beim neonazi aufmarsch im juni 2010 in hildesheim. foto: monitorex
marcus winter beim neonazi aufmarsch im juni 2010 in hildesheim. foto: monitorex

Der genaue Ort des Konzertes war noch am letzten Tag geheim gehalten worden, erste Informationen gab es erst ab dem Mittag des 25. Dezember unter einer Handynummer. Über eine Tankstelle als Schleusungspunkt wurden die Besucher durch Eis und Schnee zu dem Gasthof in Vallstedt gelotst. Rund 300 Personen fanden den Weg in die Ortschaft und folgten dem Aufruf auf der Homepage des Quartetts. „Lasst uns zusammen ein letztes Mal feiern in diesem Jahr“, anschließend werde eine „Schaffenspause“ folgen, kündigte die Band an: dann gebe es „bis auf unbestimmte Zeit keine Konzerte in Deutschland“.

Die Polizei sprach von 200 Personen bei dem Konzert, das Winter im Vorfeld als Weihnachtsfeier deklariert hatte. Bereits im Juli 2010 hatte der gerade aus der Haft entlassene Neonazi ein Konzert mit Kategorie C in Scharmede bei Paderborn organisiert. Auch am ersten Weihnachtsfeiertag konnte Winter bei der Organisation auf Hilfe aus dem Umfeld der länderübergreifenden Kameradschaftsstruktur „Westfalen-Nord“ zurück greifen. Der Eintrittspreis von 18 Euro und stattliche Getränkepreise dürften dem Neonazi und seinen Helfern ein gutes Zusatzeinkommen beschert haben.

Auf Anfrage zeigte sich der Betreiber des Gasthauses von dem Konzert völlig überrascht. Er sei von der angemeldeten Weihnachtsfeier ausgegangen und über Winters Gesinnung und das entsprechende Publikum erst am Abend von Presse und Polizei informiert worden. Nach Angaben von Beobachtern trat die Polizei in Vallstedt äußerst defensiv auf. Nach einem Gespräch mit Winter zogen die Beamten ihre Streifenwagen ab, überließen das Dorf den angereisten Rechten und beschränkten sich auf Alkoholkontrollen bei der Abreise.

hannes ostendorf mit schlagzeuger timo schubert bei einem konzert des split-projektes "hungrige wölfe" 2007 in schweden. quelle: art-archiv
hannes ostendorf mit schlagzeuger timo schubert bei einem konzert des split-projektes "hungrige wölfe" 2007 in schweden. quelle: art-archiv

Der Mythos „unpolitisch“

Die Band Kategorie C um Sänger Hannes Ostendorf aus Bremen wird nicht müde, seine vermeintlich „unpolitische Haltung“ zu betonen: Politik spiele keine Rolle, heißt es immer wieder von Seiten der Band, die sich selbst in Hooligan-Kreisen verortet. Doch Ostendorfs Werdegang und die Kontakte ins extrem rechte Lager werfen ein recht eindeutiges Licht auf die politischen Ambitionen der Band. 1991 war er als Mitglied der rechten Clique „Penny Crew“ in Bremen an einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft beteiligt und wurde im Folgejahr zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits Sänger der Rechtsrockband „Nahkampf“ aus dem damaligen „Blood & Honour“ Umfeld.
Geld verdienen

Immer wieder stand Ostendorf auch bei Veranstaltungen der extremen Rechten auf der Bühne: unter anderem trat er mit Kategorie C im Jahr 2002 beim 20-jährigen Jubiläum der „Borussenfront“ auf, 2006 spielte er bei einem Konzert für den inhaftierten Neonazi-Musiker Michael “Lunikoff“ Regener. Auch die Wahl der Labels „Rock-O-Rama“ und „PC-Records“ für die CDs von Kategorie C spricht eine deutliche Sprache. Auf mindestens zwei CDs der jüngeren Zeit wird außerdem für die Modemarken aus der extremen Rechten „Thor Steinar“ und später für „Eric and Sons“ geworben. Auch der Vertrieb von Kategorie-C-Fanartikeln ist mit extrem rechtem Personal besetzt.

Geldmaschine Merchandising

timo schubert bei einem neonazi aufmarsch in göttingen 2005. quelle: art-archiv.
timo schubert bei einem neonazi aufmarsch in göttingen 2005. quelle: art-archiv.

Timo Schubert aus Harste bei Göttingen kennt sich aus mit der Rechtsrock-Szene. Der ehemalige Schlagzeuger der Band Hauptkampflinie aus dem „Blood & Honour“ Umfeld trommelt inzwischen bei der Rechtsrock-Band „Agitator“, deren Merchandising deutlich darauf hinweist, was den Hörer erwartet: „Agitator, Nazi-Mucke“. Auch bei Kategorie C und Ostendorfs Projekt „Hungrige Wölfe“ gab Schubert als Schlagzeuger zwischenzeitlich den Takt an. Diese guten Verbindungen dürften dazu geführt haben, dass Schubert die Exklusivrechte für den Vertrieb des Merchandisings von Kategorie C in Deutschland erhalten hat. Hier gibt es alles, was das Rechtsrock-Herz begehrt: vom bedruckten Babylätzchen über das T-Shirt mit Bandlogo bis zu Postern und Postkarten mit entsprechenden Motiven. In seinem eigenen Versand vertreibt Schubert neben den CDs der Band das typische Angebot für die extreme Rechte: Bekleidung, Tonträger und Baseballschläger sowie Schlagstöcke und Tonfas.

Auch Schubert kokettiert zwar auf den ersten Blick mit dem Hooligan-Image, betreibt aber mit guten Verbindungen zu Thorsten Heise einen von zehn extrem rechten Vertrieben in Niedersachsen. Seine Tätigkeit als deutsche Zweigstelle von „KC Music Limited“ dürfte dem umtriebigen Neonazi eine zusätzliche Finanzspritze verpassen, die somit auch den extrem rechten Strukturen zugute kommt.

Alle Meldungen aus der Rubrik Rechtsrock 

: