Hohoho – „Nationaler Widerstand“ ist froh und munter

Anerkennung ist wichtig im Leben: "Freie Kräfte" aus Hamburg feiern ihren Auftritt als Weihnachtsmann. (Screenshot)
Anerkennung ist wichtig im Leben: "Freie Kräfte" aus Hamburg feiern ihren Auftritt als Weihnachtsmann. (Screenshot)

Wenn das der Führer wüsste! Auf den Seiten der NPD-Hamburg wird eine vorweihnachtliche Aktion gefeiert, obwohl der Weihnachtsmann aus Sicht der Neonazis doch eigentlich gar nicht politisch korrekt ist, sondern eine perfide Propaganda-Figur des globalisierten US-Kapitalismus (osä.). Egal, die Rechtsextremen berichten begeistert über einen öffentlichen Auftritt im Weihnachtsmann-Kostüm. Nach Ansicht der Verfasser handelte es sich um die fetteste Aktion, die der „Nationale Widerstand“ in diesem Jahr in der Hansestadt auf die Beine gestellt hat: „Das Beste kommt bekanntlich immer zum Schluß“, heißt es zu dem Besuch in einer „Fußgängerzone im Stadtteil Bergedorf und den angrenzenden Wochenmarkt in Lohbrügge“. Und weiter: „Mit lautem „Ho Ho Ho“ und eine goldfarbene Glocke schwingend bahnte sich der Weihnachtsmann seinen Weg durch die Marktstände Richtung Fußgängerzone.“ Einfach crazy, das gab es in der Weihnachtszeit noch nie (außer täglich in Hunderten Städten in ganz Deutschland).

Werden die Neonazis sonst eher mit Ablehnung gestraft, durfte man sich als Weihnachtsmann verkleidet endlich einmal über ungewohnte Begeisterung freuen: „Auf der anderen Straßenseite hüpften Kinder schon vor lauter Vorfreude, als sie den Mann mit der roten Jacke und dem weißen Rauschebart erblickten.“ Der Weihnachtsmann beschenkte demnach die Kleinen mit allerlei Süßigkeiten – und trug so – entgegen dem Ertüchtigungsgedanken der Nazis – zur weiteren Verfettung des deutschen Nachwuchses bei! Derweil machten sich „seine fleißigen Knechte“ daran, auch die Väter, Mütter und andere Erwachsene zu beschenken. An Hunderten von Tannenzweigen hatten sie „Flugschriften mit abgewandelten Weihnachtsgedichten zu aktuellen politischen Themen festgebunden“.

„Für manchen Spießer wahrscheinlich eine „schöne Bescherung“, wenn er sein Gedicht nach dem Einkaufsbummel zu Hause ausrollt und liest“, so die Fantasie der braunen Weihnachtsmänner. Und in der Tat dürften sich vielen Leuten die Fußnägel in den Winterstiefeln aufgerollt haben, als sie Neonazi-Schüttelreime wie die folgenden vernahmen:

Laßt uns froh und munter sein
Und uns auf Multikulti freu‘n.
Lustig, lustig, tralalalala,
bald sind die Deutschen nicht mehr da,
bald sind die Deutschen nicht mehr da.

Willst Du hier noch froh und munter sein
oder endlich unser Volk befrei‘n?
Lustig, lustig, tralalalala,
es wird Zeit – der Widerstand ist da,
es wird Zeit – der Widerstand ist da!

Naja, Lustig, lustig, tralalalala, der „Nationale Widerstand“ ist ballaballa!, könnte man noch anfügen. Oder in Anlehnung an einen alten Kindergarten-Gassenhauer:

Kling, Glöckchen, Klingelingelling, Kling, Glöckchen, Kling 
jedes Kind im Lande weiß, Nazis sind der letzte Scheiß! 
Braune Schoki macht dick und fett, das steht sogar im Internet!

NPD-BLOG.INFO empfiehlt der „Bewegung“ ähnliche subversive Aktionen, beispielsweise im Frühjahr im Hasenkostüm Ostereier verstecken oder zu Halloween sich einen Kürbis auf die Birne setzen. Stört nicht weiter und die Rechtsextremen dürfen sich endlich einmal über Zuspruch freuen. Eine Win-Win-Situation.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten – oder auch: God Jul!

Siehe auch: Politisch korrektes Deutsch gegen jiddische Wurzeln, Zu Weihnachten: Schmackhaftes aus dem Giftschrank,

7 thoughts on “Hohoho – „Nationaler Widerstand“ ist froh und munter

  1. Tja, so sind` se also …

    http://www.ablogabouthistory.com/wp-content/uploads/2009/11/grinch.jpg 😉

    Vielleicht sind den arischen „Neandertalern“ vom neuen NS-Widerstand lediglich die Bären- und Wildschweinfelle ausgegangen, um dieser glorreichen Aktion die passende NPD-Authentizität zu verleihen? – Aber sicherlich wusste dieser amtsanmaßende „Weihnachtsmann“ vom „Nationalen Widerstand“ um die Hoffnungslosigkeit seines ursprünglichen Unterfangens: Die armen Hamburger Kinder hätten ja ein Trauma für`s Leben bekommen, wenn ein brüllender und Skorbutgeschwängerter NS-Wikinger eine germanische Wildsau durch Hamburg gepeitscht hätte, um somit die zivilisatorische Überlegenheit gegenüber dem Weihnachtsmann zu demonstrieren. *grööööl* :)
    Vielleicht war es aber auch nur zu kalt für den „Volksgenossen“ vom „Widerstand“, um lehmverschmiert und als quasi Schrumpfgermane in der Kälte auch noch kleine selbstgeschnitzte Holzsonnenrädchen an Kinder zu verteilen. – Die armen „Blagen“ hätten dann aber zumindest am Holze einer echten toitschen Eiche nagen können, ehe sich dann die Sippe wieder in die Vollkomfort-Lehmhütte zurückgezogen hätte.

    Nee, nee … „unser“ Nationaler Widerstand kann auch manchmal recht putzig sein, nachdem er sich zur Schmerzbekämpfung gegenseitig den Knüppel vor den Teutonen-Nüschel gekloppt hat – wie in der Werbung für Schmerzmittel gegen rauhe Hälse.

    Bei allem Gegröhle verwundert es mich aber, dass angesichts der sicherlich an junge Familien verteilten Hetzferse keine Strafanzeigen erstattet wurden … vor allem von Amts wegen. – Hatte der NS-Kasper denn eine saisonnale „Weihnachtsmann-Lizenz“ zum verteilen von Hetzschriften an Kinder und Jugendliche in Einkaufspassagen? – Letztendlich zeigt die ganze Aktion wieder einmal wie verrottet der deutsche NS-Mob ist, der mutmaßlich nicht einmal für sich selbst den selbstaufgestellten und von den Nazis entliehenen „Rassevorteilen“ „gerecht“ werden kann … im Gegensatz zum blonden, blauäugigen „Führer“ und unseren blonden, blauäugigen „Ahnen“ in ihren Hinterwäldlerlehmhütten. *lölchen*

    p.s. Warum schreibt` eigentlich Niemand ein post-Sarrazinsches Buch zu den Genen der NPD-Kader und sonstiger Nationalsozialisten? – Quasi eine „Kleine Ethnologie zum angestrebten Führertum des sogenannten Biodeutschen“. Da müsste es doch eigentlich ein spezifisches „NS-Gen“ geben. Mit so einem Buch wird man bestimmt Millionär … wie Sarrazin.

  2. Ach du heiliger Bim-Bam! – Eigentlich meinte ich „Verse“ … und nicht „Ferse“. Wie peinlich. Aber Rechtschreibung war schon immer meine Achillesverse. *g*

    Nu` is aber wirklich Weihnachten. :)

  3. Die NPD richtet sich nach eigener Darstellung an die „Wutbürger“. Das ist dasselbe Motiv, mit dem schon die DVU vor viiieeelen Jahren Wahlwerbung im Fernsehen betrieben hat – stets mit den bekannten (Miss-)Erfolgen.

    Hier kommt Werner S.*

    http://www.youtube.com/watch?v=gG8bZ_gWBbQ

    Politische Inhalte? Argumente? Nicht doch, immer nur „wir“ gegen „die Bonzen da oben“. NS-Nostalgie und Führerkult taugen eben selbst bei Stammtischpublikum nicht für den Wahlkampf. Nur dann bleibt den Nazis eben nicht mehr viel.
    Bleiben wir also gespannt auf die Schuldzuschreibungen, wenn die NPD bei den Wahlen mal wieder abgekackt hat.

    (*Im Gegensatz zur NPD ist bei der DVU nicht davon auszugehen, dass das deutsche Werbegesicht in Wahrheit ein schwedisches Model ist.)

  4. @Axel Mylius: ROFL! Sehr schön gesagt.
    Das NS-Gen. Interessante Theorie. Das würde so einiges erklären. 😉
    Aber die armen Neanderthaler. Haben die den Vergleich wirklich verdient?

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