Landeskirche gründet Initiative gegen Neonazis

Die hannoversche Landeskirche macht gegen Neonazis mobil. In Bad Nenndorf gründeten die Protestanten am 10. Dezember 2010 die Initiative „Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Bad Nenndorf als Gründungsort der Initiative ist bewusst gewählt: Alljährlich im August ist die Stadt Aufmarschort für Neonazis aus ganz Europa:  „Wir sind zu einem regelrechten Wallfahrtsort für Rechtsextremisten geworden“, sagt die Bad Nenndorfer Pastorin Sabine Lambrecht. Vor Jahren wurde deshalb ein Bündnis namens „Bad Nenndorf ist bunt“ gegründet, das sich dem braunen Treiben entgegenstellt. Solche Bündnisse miteinander zu vernetzen, das sei Ziel der am Freitag in Bad Nenndorf gegründeten Kircheninitiative, sagt Oberlandeskirchenrat Reiner Kiefer. Bewusst wolle man solchen Gruppen mit der Autorität und Überzeugungskraft der Kirche den Rücken stärken.

Neonazis in Bad Nenndorf
Neonazis in Bad Nenndorf
Für Pastor Klaus Burckhardt, der sich seit Jahren bei der Landeskirche für Friedensarbeit und gegen Rechtsextremismus engagiert, ist das auch religiöser Auftrag: „Rassismus ist Sünde, sagte der Weltkirchenrat. Und wir sagen: Rassismus und Kirche sind unvereinbar.“ Ansatzpunkte in Niedersachsen gebe es leider mehr als genug, sagte Burkhardt und verwies auf die braunen „Sonnenwendfeiern“, die zweimal im Jahr auf dem Hof eines rechtsextremen Landwirts in Eschede abgehalten werden, sowie auf rechtsextreme „Schülerzeitungen“, mit denen in Hannover immer wieder geworben wird.

„Kirche stellt sich Aufgabe in der Mitte der Gesellschaft“

Die jetzt gegründete Initiative wolle ein Netzwerk schaffen, in dem örtliche Initiativen gegen rechts voneinander lernen und profitieren könnten. Dabei sei gleichgültig, ob diese Initiativen selbst in der Kirche organisiert wären oder nicht. Die Kirche stelle sich hier einer Aufgabe in der Mitte der Gesellschaft, sagt Burckhardt. Dabei werde durchaus auch vor der „eigenen Haustür“ gekehrt: Man sei sich bewusst, dass es auch einzelne Konfirmanden gebe, die sich rechtsextreme Musik aus dem Internet herunterladen, sagt der Geistliche. Pastoren, die in ihrer Kirchengemeinde mit rechtsextremen Umtrieben Probleme hätten, könnten in Zukunft auf konkrete Hilfsangebote der neuen Initiative zurückgreifen.

„Bedrohung von besonderer Qualität“

Wie breit man dabei aufgestellt ist, machte die Gründungsveranstaltung in Bad Nenndorf deutlich: Vertreter von Polizei, Innenministerium, Gewerkschaften, Parteien, Vereinen und Verbänden machten deutlich, dass sie in Zukunft eng mit dieser Initiative zusammenarbeiten wollen. Ganz bewusst beschränkt sich die Kirche mit dieser Initiative auf den Kampf gegen Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Rechtsextremismus und seine menschenverachtende Ideologie sei eine Bedrohung von besonderer Qualität, sagt Oberkirchenrat Kiefer.

Pastor Burckhardt untermauert diese Sicht der Dinge mit Zahlen: Seit 1990 seien in Deutschland mehr als 140 Menschen durch Gewalttaten von Rechtsextremisten zu Tode gekommen, sagt er. Dass auch Pastoren dabei ins Visier der Neonazis geraten, sei eine unbestreitbare Tatsache. So seien einer Pastorin aus Herrmannsburg die Scheiben ihres Autos eingeschlagen worden. Burckhardts Fazit: „Wer sich gegen Neonazis aus der Deckung wagt, kann auf ein gefährliches Gleis geraten.“ Deshalb soll diese Initiative vor allem jenen Mut machen, die sich jetzt und in Zukunft gegen Rechtsextreme engagieren.

Alle Meldungen zu Bad Nenndorf.

One thought on “Landeskirche gründet Initiative gegen Neonazis

Comments are closed.