Heß-Groupies erneut vor Gericht

Fünf Neonazis müssen sich am 13. und 15. Dezember 2010 erneut vor dem Amtsgericht Meißen wegen Volksverhetzung verantworten. Den Angeklagten wird einem Bericht der Sächsischen Zeitung zufolge vorgeworfen, am 18. August 2006 an einem Gedenkmarsch für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß in Meißen teilgenommen zu haben. Die Angeklagten aus Dresden und der Sächsischen Schweiz sollen mit Trommeln und Fackeln durch Meißen gezogen sein und die Opfer des  Nationalsozialismus verhöhnt, so die Staatsanwaltschaft laut SZ.

Neonazi-Mobilisierungsplakat für den Heß-Gedenkmarsch am 21. August
Neonazi-Mobilisierungsplakat für den Heß-Gedenkmarsch am 21. August 2010

Im Juni 2009 waren die Angeklagten demnach freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen dieses Urteil jedoch Sprungrevision eingelegt. Für den Prozess sich nach Angaben der SZ zwei Verhandlungstage am Montag und Mittwoch vorgesehen. Am  Amtsgericht gelten demnach an diesen beiden Tagen verstärkte Sicherheitsvorkehrungen.

Heß nannte Neonazis angeblich Dummköpfe

In dem Buch der Journalistin Laure Joanin-Llobet kommen mehrere Militärgeistliche zu Wort, die für Heß und die anderen in Spandau inhaftierten NS-Kriegsverbrecher seit 1947 zuständig waren. Roehrig und dessen Vorgänger Charles Gabel zeigen sich darin überzeugt, dass Heß in der zweiten Hälfte seiner 40-jährigen Haft einen tiefgreifenden Wandel vollzogen habe. “Zu der Zeit, als ich ihn getroffen habe, hatte er nichts mehr von einem Nazi oder einem Antisemiten”, sagte Gabel, der Heß von 1977 bis 1986 betreute. “Die Art und Weise, in der er mit mir über die Religion, das Gefängnis, die Juden sprach, beweist mir, dass er eine Entwicklung durchgemacht hat.” Neonazis habe Heß immer wieder als “Dummköpfe” bezeichnet, wenn sie für ihn demonstrierten.

Neonazis behaupten noch heute, Heß sei ermordet worden. Sie veranstalten einen wahren Kult um den Hitler-Stellvertreter, weil sie in ihm “die menschliche Seite des Nationalsozialismus” sehen wollen. Außerdem wird an Heß versucht, eine Täter-Opfer-Umkehr vorzunehmen.

Siehe auch: Militärgeistlicher: “Heß nannte Neonazis immer wieder Dummköpfe”Nazis planen “Zentrum des Widerstandes” im Fichtelgebirge, Bayern: Rieger will angeblich “Heß-Gedenkverein” gründen, Bayern: Rieger und Wulff gehen in Wunsiedel leer aus, Voigt schlägt Hitler-Stellvertreter als Friedensnobelpreisträger vor, Heß-Märsche 2007 in Wunsiedel verboten, Neonazis wollen Heß-Zentrum eröffnen, Neonazis marschieren in Bayern gegen Nürnberger Prozesse

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