Eklat beim DVU-Bundesparteitag

Ganze 70 Ja-Stimmen haben gereicht, um das Ende der DVU zu besiegeln. In Kirchheim stimmten nicht einmal 100 verbliebene Mitglieder über den Beitritt zur NPD ab. Zuvor hatten DVUler aus mehreren Landesverbänden den Parteitag verlassen – aus Protest gegen die Tagesordnung sowie die offenbar zahlreichen Neumitglieder aus der NPD.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Während die in Szenekreisen oftmals als „politische Leiche“ bezeichnete DVU sich bei ihrem Bundesparteitag in Thüringen weiter selbst amputiert, werden beim „Verschmelzungspartner“ NPD in der Berliner Parteizentrale Nägel mit Köpfen gemacht: Dort soll bis Sonntagabend das Ergebnis der schriftlichen Mitgliederbefragung ausgezählt werden. Wenn es nach NPD-Bundeschef Udo Voigt geht, wird er als Gast des DVU-Parteitages einen dramaturgischen Höhenpunkt setzen und das per SMS mitgeteilte Resultat in Kirchheim verkünden (95,16 % für die „Verschmelzung“). Es war in NPD-Parteikreisen mit einer 90 prozentigen Zustimmung gerechnet.

Sollte dieser Coup gelingen, dürfte Voigt der DVU am Ende ihres Parteitages die Show gestohlen haben. Denn die braune Schwester um den DVU-Bundeschef Matthias Faust ist nach dem Debakel um den Versand der Parteitagsunterlagen nicht nur terminlich ins Hintertreffen geraten. Ihr steht die schriftliche Mitgliederbefragung nach dem Parteitag noch bevor. Dass es innerhalb dieser Partei deutlich größere Widerstände gegen diese „totale Vereinigung“ gibt, als bei der NPD hat kurz nach Parteitagsbeginn der Auftritt des niedersächsischen DVU-Vorsitzenden Wiechmann deutlich gemacht. Er verließ unter Protest den Parteikonvent und beklagte schwerwiegende Satzungsverstöße bei der Einberufung des Treffens.

Interne Gegner der Fusion mit NPD mobilisieren zum DVU-Parteitag
Interne Gegner der Fusion mit NPD mobilisierten zum DVU-Parteitag - und verschwanden schnell wieder - aus Protest gegen die Tagesordnung.

Mit ihm verließen die Mitglieder der DVU-Landesverbände Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Berlin die Tagung. Wiechmanns Credo: „Hier geht es zu, wie bei der Cosa Nostra.“ Was den DVU- Landeschef besonders empörte, war die nach seiner Aussage hohe Zahl von NPD-Mitgliedern, die erst kurz vor dem Parteitag als Doppelmitglieder auch der DVU beigetreten waren.

Pikantes Detail: Während dieser Kreis von Doppelmitgliedern beim DVU-Parteitag für die „totale Vereinigung“ votieren, wird in der NPD-Parteizentrale bereits ihre „Ja- Stimme“ als NPD-Mitglied ausgezählt. Beobachter nannten dies „rechtsextremen Doppelkopf“. Dass die beiden Parteien in Zukunft nicht nur als siamesische sondern gleich als politische eineiige Zwillinge daherkommen, dafür soll vor allem der Noch-DVU-Vorsitzende  Faust aus Hamburg garantieren. Er wurde kürzlich beim „erschmelzungsparteitag“ in Hohenmölsen auf den Schild des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der NPD gehoben. Sein politischer Einfluss dürfte allerdings eher gegen Null gehen, wie NPD-Führungskader sagen.

Während Faust sich beim DVU-Parteitag für ein paar Stunden beinahe auf Augenhöhe mit NPD- Chef Voigt fühlen mag, witzeln NPD-Spitzen in der Berliner Parteizentrale über Faust´s politische Halbwertszeit. Mit süffisantem Lächeln wird darauf verwiesen, dass bei der NPD im Herbst kommenden Jahres Vorstandwahlen anstehen und dass Faust dabei gewiss nicht als einer der aussichtsreichsten Kandidaten werde gelten können.

Ergebnis der Abstimmung über den Entwurf des Verschmelzungsvertrages: abgegebene Stimmen 79, 70 Ja-Stimmen, 6 Nein-Stimmen, 3 Enthaltungen.

Dennoch dürfte der Name Faust der NPD zumindest noch bis Ende 2011 erhalten bleiben. Voraussichtlich wird er nach dem Dahinscheiden der DVU einen (bezahlten) Vertrag als „NPD- Mitarbeiter“ erhalten, was manchem NPD- Mitglied als geradezu „Faustischer Pakt“ erscheinen dürfte.

Nicht mehr ganz so sicher ist man sich bei der NPD über den finanziellen Zugewinn, den der DVU-Leichenschmaus in die NPD- Kasse spülen sollte. Um die angebliche Erbschaft der DVU in Süddeutschland rankt sich schon jetzt ein Gestrüpp von stechenden Fragen. Ebenfalls noch lange nicht ausgemacht ist der erwartete Mitgliederzuwachs nach der „Vereinigung“ für die NPD. Denn auf dem Fragebogen muss jedes DVU-Mitglied einzeln für sich die Frage beantworten, ob es künftig Mitglied der NPD sein will. Viele von ihnen haben in den vergangenen Wochen überhaut zum ersten mal erfahren, dass sie als stimmberechtigte Mitglieder der DVU im Parteiregister geführt werden. Der Grund: DVU-Gründer und Verleger Gerhard Frey hatte offenkundig viele Bezieher seiner rechtsextremen Zeitschriften und Druckwerke zu „Ehrenmitgliedern“ ernannt . Möglichweise wird dieser Umstand später noch die Bundestagsverwaltung interessieren. Denn für die Verteilung der stattlichen Unterstützungsgelder an die Parteien ist auch deren Mitgliederzahl nicht unerheblich.

Siehe auch: Bitte verschmelzen!DVU darf Bundesparteitag in Kirchheim abhalten, GAU statt Verschmelzung: DVU-Volk ohne RaumDVU-Retteraktion läuft an,  DVU-Parteitag: Spekulationen über Absage, Endgültig bestätigt: DVU-Parteitag fällt aus, Wenn der Rechte nicht weiß, was der Rechte tutVerschmelzung vorerst verschoben,  DVU-Funktionär: Fusion mit der NPD fördert Zersplitterung, DVU: Aufstand gegen “Verschmelzung” mit der NPD, Ein Volk, eine Partei – drei Namen?

7 thoughts on “Eklat beim DVU-Bundesparteitag

  1. Wie jetzt?
    Da wurde einfach eine Internetseite mit dem neuen Namen dieser Partei registriert..?
    Ihr seid vielleicht ein paar raffinierte Schlingel!

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