HdJ-Zeltlagerleiter vor dem Landgericht Rostock

Am 06. Dezember 2010 muss sich der heute 27-jährige Leiter eines Kinderzeltlagers der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) in Rostock erneut vor Gericht verantworten. Im Dezember 2009 hatte das Amtsgericht Güstrow Martin G. bereits zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen in Höhe von zehn Euro verurteilt. Die Richterin sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte im August 2008 in dem Zeltlager bei Güstrow ein mit einem Hakenkreuz versehenes Banner bei einem Geländespiel verwendet hatte. Weil die Staatsanwaltschaft eine höhere Strafe fordert, verhandelt nun das Landgericht Rostock gegen das ehemalige Mitglied der inzwischen verbotenen HDJ wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Von Kai Budler für NPD-BLOG.INFO

Das Landgericht in Rostock (Foto: K. Budler)
Das Landgericht in Rostock (Foto: K. Budler)

Für die Organisatoren des Zeltlagers auf einem Gehöft in der Nähe der Gemeinde Hohen Sprenz in Mecklenburg- Vorpommern war der Abend des 7. August 2008 kein guter Start ins Wochenende. Nach dem Hinweis eines Bürgers und mit einem Durchsuchungsbeschluss ausgerüstet, machte die Polizei der vermeintlichen Lagerfeueridylle ein schnelles Ende. Der Grund: bei dem Zeltlager im Landkreis Güstrow handelte es sich um ein Jugendcamp der HDJ.

Die knapp 40 Jungen und Mädchen im Alter von acht bis 14 Jahren waren uniform gekleidet, die Älteren trugen Uniformen der HDJ. Nach Polizeiangaben wurden in dem Zeltlager „Verhaltensweisen und Lebensformen aus der Zeit des Nationalsozialismus praktiziert“, die Betreuer verbreiteten „gezielt rechtextremistisches Gedankengut“.

„Jugendgefährdender Ort“

Einer dieser Betreuer war Martin G. aus dem baden-württembergischen Rottenburg, der auch mit der Organisation des Camps betreut war. Für die Polizei handelte es sich um „einen jugendgefährdenden Ort“, in dem die Kinder mit nationalsozialistischem Gedankengut regelrecht beschult wurden. Bei der Durchsuchung der insgesamt 17 Zelte beschlagnahmten die Beamten zahlreiche Gegenstände, Bücher, Broschüren und Liedtexte. Auf einer alten Karten von Deutschland in den Grenzen von 1918 sollten die Kinder einzeichnen, wo „das Memelland und die Nordmark liegen“. Handtücher waren mit Odalrune und Hakenkreuz besprüht.

Nachdem gegen die HDJ wegen des ungenehmigten Betreibens eines Zeltlagers ein Bußgeldverfahren eingeleitet worden war, hatte Martin G. gegen den Bußgeldbescheid Einspruch eingelegt. Das Resultat: das Amtsgericht Güstrow verurteilte ihn im Dezember 2009 zu 90 Tagessätzen in Höhe von zehn Euro. Der Staatsanwaltschaft ist das zu wenig: sie legte Berufung gegen das Urteil ein.

„Leitstellenführer“

Bei Martin G. handelt es sich um keinen Unbekannten in der extrem rechten Szene. Ursprünglich aus Hannover stammend, trat der Mann mit dem strengen Seitenscheitel als Organisator der „HDJ-Einheit Hermannsland“ auf und soll später zum „Leitstellenführer“ der „HDJ-Einheit Schwaben“ avanciert sein. Ob „Sommerlager“, Wandermarsch durch die Lüneburger Heide oder Informationsveranstaltung in Rheinland-Pfalz: spätestens seit 2006 war der spätere Student an der baden-württembergischen Rottenburger Forsthochschule immer wieder an HDJ-Aktivitäten beteiligt.

Artikel in der "Deutschen Stimme" zur HDJ
Artikel in der "Deutschen Stimme" zur HDJ

Doch seine Tätigkeiten beschränkten sich nicht nur auf die extrem rechte Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen. So war Martin G. auch bei der Gründungsveranstaltung der „Deutsch russischen Friedensbewegung Europäischen Geistes” im thüringischen Pfersdorf anwesend. Zu dem Vorstand des Vereins gehörten zu der Zeit unter anderem die Thüringer Neonazis und NPD-Mitglieder Thorsten Heise und Patrick Wieschke. Bilder der Vereinsfeier im März 2007 zeigen außerdem die Altnazis Jürgen Rieger und Manfred Röder hinter einem Rednerpult mit der Aufschrift “Deutschland muss leben”, für die musikalische Untermalung sorgten neben dem extrem rechten „Liedermacher“ Frank Rennicke auch Trommler der HDJ. Auch der „Verantwortliche der HDJ in Thüringen“, Steffen Hennrich, saß im Vorstand der vermeintlichen „Friedensbewegung“, Beobachter gehen davon aus, dass es sich bei dem Verein um eine Tarnorganisation der HDJ handelt.

Siehe auch: Urteil: HDJ-Verbot ist rechtmäßig, “Rasseschulung”: Ex-HDJ-Mitglied verurteilt

4 thoughts on “HdJ-Zeltlagerleiter vor dem Landgericht Rostock

  1. nicht sehr saubere berichterstattung: „Altnazis Jürgen Rieger und …“ altnazi? rieger wurde 46 geboren und ist NEOnazi gewesen.

  2. @info

    Das ist ja nun sehr „kleinlich“ … mit dem „Alt“- und „Neo“.

    Mit der „Rassenhygiene“, dem „Ahnentum“, dem „Völkischen“ etc. haben bzw. hatten es Alt und „Neu“. – Alles der gleiche braune (bzw. SS-schwarze) Rotz. Der verblichene Rieger war mehr Alt-Wewelsburg-SSler als neonazistischer Kader …

    Apropos M.V.:

    „Rechte bedrohen Bürgermeister

    Lalendorfs Bürgermeister Reinhard Knaak (Die Linke) ist am Sonntag von Rechten bedroht worden. Hintergrund ist seine Weigerung, einer angeblich rechtsextremen Familie eine Urkunde zur Geburt des siebten Kindes auszuhändigen.

    Sechs Personen, die der rechten Szene zugeordnet werden, seien auf Knaacks Grundstück vorgedrungen, teilte die Polizei am Montag mit.

    Als die Beamten daraufhin mehrere Personen kontrollierten, kam es zu Übergriffen. Die Polizisten setzten Pfefferspray ein.“ (NDR-Text / 06.12.10)

    Da bin ich jetzt aber sehr erstaunt, dass sich die Polizei den Mitarbeitern des LfV M.V. mit Pfefferspray erwehren muß. – Denn es ist ja erwiesen (ich habe es mehrfach amtlich, wobei nicht der Psychiater gemeint ist), dass es KEINE organisierten NS-Personenzusammenschlüsse in M.V. gibt; es liegen den Behörden KEINE Erkenntnisse und/oder Vorfeld-Hinweise darüber vor, dass aktionsorientierte Neonazis in Gruppen agieren, zur Durchsetzung ihrer Ziele auf die Anwendung von Gewalt zurückgreifen oder sich die politische Zielstellung der Nationalsozialisten als erneute Grundlage zu Eigen machen könnten oder würden.

    Wenn dann also ständig Bürgermeister, Staatsanwälte, öffentliche Einrichtungen etc. von Personen (speziell in … öhm … „Mitteldeutschland“ und M.V.) angegriffen bzw. verwüstet werden, so sind diese Vorgänge weder organisiert, nicht in einen gemeinschaftlichen Kontext zu bringen, keinen bestimmten Personen – geschweige Personenzusammenschlüssen – zuzuordnen, und somit willkürlicher-, bzw. situationsbedinkter Natur. Es existieren keine Erkenntnisse über Vorsätze, Motive, politische Zielstellungen etc., die auch nur Ansatzweise den Anfangsverdacht zulassen würden, dass nach NS-Manier und in NS-Tradition, sowie unter Rückgriff auf nationalsozialistisches und „deutsch-völkisches“ Gedankengut, aktionsorientiert und in Personenzusammenschlüssen
    gehandelt wird.

    Allein die Annahme, bzw. die Äußerung, dass es sich im vorliegenden Fall um „Rechte“ in M.V. handelt (noch dazu in Gruppe von sechs Personen), ist geradezu blödsinnig, denn es kann in M.V. gar keine sechs Neonazis geben, die gemeinschaftlich an einem Ort agieren, denn es gibt KEINE Motive, KEINE Vorsätze und schon gar KEINE Hinweise (alles ersichtlich aus, letztendlich aber nicht vorhandenen, Erfahrungswerten), die überhaupt den Schluss zuließen, dass es sich um „Rechte“ bzw. Neonazis handeln könnte, die einem gemeinschaftlichen Ziel folgen und für dessen Erreichung geplant und gemeinschaftlich vorgehen.

    Gerade am vorliegenden Fall einer doch ziemlich „unglücklichen“ Verleihung des … ähm … „Mutterkreuzes 1. Grades“ an eine (offensichtlich Stadt- bzw. Dorfbekannte) Familie mit rechtsextremer Gesinnung, wird doch ersichtlich, dass die agierenden und den Bürgermeister offenbar bedrohenden Personen KEINEN nationalsozialistischen bzw. neonazistischen Hintergrund haben und auch NICHT gemeinschaftlich als sechs Personen hätten auftreten und agieren können. – Es wird sich also (auch in diesem Fall) um eine verirrte Touristengruppe gehandelt haben, die den Bürgermeister nach dem Wege fragen wollte, oder es war – und dahin „tendiere“ ich – eine Manifestation des komplett aufmarschierten Landesamts für Verfassungsschutz M.V., die eine Vortäuschung neonazistischer Bedrohungen zum Ziel hatte, um vor den „System-Medien“ den Eindruck zu erwecken, als gäbe es in unserem Land wieder (bzw. immer noch) Neonazis/Altnazis. Zur Unterstreichung des Ganzen wurde dann die Polizei angegriffen, die sich mit Pfefferspray den – eigentlich friedlich und demokratisch gesinnten – V-Leuten erwehren musste … 😉

    Nach der Prüfung der Identitäten wird sich aber soundso wieder „herausstellen“, dass es letztendlich harmlose Touristen waren, sich gänzlich unbekannt, verlaufen und planlos … *lol*

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