Zwischen Großmannssucht und Kleingartenverein

NPD und DVU wollen Deutschland regieren, die Funktionäre wähnen sich im Besitz des ultimativen Programms für eine nationale Rettung. Die „Systemparteien“ seien allesamt moralisch kaputt, korrupt und sowieso vollkommen unfähig. Der altbekannte Größenwahn der extremen Rechten wird immer dann besonders lächerlich, wenn sich die selbsternannten Retter des Vaterlandes erneut intern zerlegen. Die Welt retten wollen, aber keine Partei mit einigen Hundert aktiven Mitgliedern führen können – die meisten Kleingartenvereine dürften ordentlicher verwaltet werden.

Ein Kommentar von Patrick Gensing

NPD und DVU schaffen es aktuell nicht einmal mit vereinten Kräften, eine dahinsiechende Partei wie die Volksunion abzuwickeln. Der Rechte weiß nicht, was der Rechte tut. Ein Chaos, wie es einmalig sein dürfte in der deutschen Parteiengeschichte. Während bereits Fahrgemeinschaften für den am Sonntag geplanten DVU-Parteitag zur Fusion mit der NPD organisiert werden, scheint es noch nicht einmal klar, ob der Bundesvorstand tatsächlich einen Saal angemietet hatte. In Kirchheim in Thüringen wusste man laut Medienberichten von nichts. Sogar eine Selbstverständlichkeit, wie eine Einladung fristgerecht an alle Mitglieder zu verschicken, stellt für die Parteispitze offenbar eine unlösbare Aufgabe da – daher wurde der angesetzte Parteitag nun abgesagt.

Gleichzeitig wird auf einer DVU-Seite öffentlich über die angebliche Alkoholsucht eines Spitzenfunktionärs sowie dessen gesundheitlichen Probleme spekuliert. So viel zum Thema „Kameradschaft“. Die DVU agiert nach dem Motto „Lieber ein Schrecken ohne Ende als ein Ende mit Schrecken.“ Interne Gegner der „Verschmelzung“ wetzen derweil die Messer: Sollte die DVU es überhaupt schaffen, einen Beitritt zur NPD zu beschließen, dürfte eine Anfechtung mit anschließendem Rechtsstreit sicher sein. Dies betonte ein Fusionsgegner auf Anfrage des Autors.

"NPD ...aus der Mitte des Volkes" (Copyright: NPD-BLOG.INFO)
"NPD ...aus der Mitte des Volkes" (Copyright: NPD-BLOG.INFO)

Auch für die NPD verheißt das nichts Gutes. Eine vereinigte, starke Rechte hatte man großmäulig angekündigt, das Projekt „Verschmelzung“ sollte nach innen und außen Stärke und Handlungsfähigkeit demonstrieren. Zunehmend fragen sich aber auch die Kader in der Partei, ob der Geruch der Leichenfledderei nicht an der eigenen Partei hängen bleibe und Streitigkeiten importiert werden könnten. Mit den Ausnahmen Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern präsentiert sich der organisierte Rechtsextremismus in Deutschland weiterhin in einem desolaten Zustand.

Trotzdem kann sich die NPD noch über Zustimmung freuen, aktuell sogar aus den Reihen der SPD. Der Bürgermeister des Ortes Krauschwitz in Sachsen-Anhalt bescheinigte der NPD, gute Ideen zu haben. Dies spricht allerdings weniger für die Stärke der NPD, die noch immer einer verbrecherischen Ideologie aus dem vergangenen Jahrhundert anhängt. Es zeigt viel mehr ein drohendes Problem für die demokratischen Parteien, die auf Grund des Mitgliederschwunds viele Ämter nicht mehr mit qualifiziertem Personal besetzen können. Dadurch wird einmal mehr deutlich: Rechtsextreme sind nur dort stark, wo die Mehrheitsgesellschaft dies zulässt. Der Schlüssel zum Kampf gegen menschenfeindliche Einstellungen liegt in der „Mitte“ der Gesellschaft – nicht an deren „extremistischen Rändern“. NPD und DVU sind Symptome des Problems, nicht die Ursache.

Siehe auch: Endgültig Bestätigt: DVU-Parteitag fällt aus,  Wenn der Rechte nicht weiß, was der Rechte tut, Verschmelzung vorerst verschoben,  DVU-Funktionär: Fusion mit der NPD fördert Zersplitterung, DVU: Aufstand gegen “Verschmelzung” mit der NPD, Ein Volk, eine Partei – drei Namen?, Von der Unfähigkeit, Konflikte sinnvoll zu lösen

4 thoughts on “Zwischen Großmannssucht und Kleingartenverein

  1. Das ist ja nichts Neues das sich die Nazis lächerlich machen.
    Bei jeder Wahl schießt die NPD und deren Anhänger übers Ziel hinaus.
    Auch bei uns in Sachsen -Anhalt ist das nicht anders.
    Nazis ziehen verstärkt auf den Strassen greifen Gegner an nie im Verhältnis 1:1 meist Mehrere auf 1.Person oder eine grössere Gruppe auf kleinere.Plakate an jeden 2.Laternenmast und Sticker fast an jeden Bus-Wartehäuschen und Ähnlichen.Aber wenn sie antraten lag die NPD nie soweit oben das sie im Bundestag oder bei uns im Landtag waren,das schafften die nur im Osten in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern soweit ich weis.
    Sollten diese Hohlköpfe jemals Die Bundesrepublik regieren mehrgesagt abwickeln setze ich mich ins nächste Flugzeug und wandere nach Antalya(Türkei)aus wo ich sonst nur Urlaub mache,sowas darf niemals passieren.

  2. Was ist an der NPD bitteschön verbrecherisch? Das man unterscheidet zwischen eigener und fremder Gruppe?

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