Sprengstoffanschlag geplant: Anklage gegen Neonazis

Neonazis am 1. Mai auf dem Kudamm
Neonazis am 1. Mai auf dem Kudamm

Die Staatsanwaltschaft Aachen hat Medienberichten zufolge Anklage gegen zwei 20 und 25 Jahre alte Neonazis erhoben – unter anderem wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags. Die Männer sollen Sprengkörper aus pyrotechnischen Gegenständen und Glasscherben gebaut haben. Diese sollten am 1. Mai dieses Jahres am Prenzlauer Berg in Berlin bei ein Demonstration gegen Polizisten und Gegendemonstranten eingesetzt werden. Durch eine Polizeikontrolle konnte der Anschlag verhindert werden. Die Neonazis kommen aus Aachen und sollen zu der „Kameradschaft Aachener Land“ gehört haben. 

Arrest nicht angetreten

Einem Bericht von DerWesten zufolge ist einer der Neonazis einschlägig bekannt. Vier Monate Dauerarrest sollten dem Verdächtigen zu neuen Einsichten über sein Leben verhelfen. Das hatte laut DerWesten jüngst erst das Aachener Amtsgericht angemahnt, als W. zuletzt verurteilt worden sei, weil er zwei Menschen geschlagen habe. Einziger Grund: Er sah sie als politische Gegner. Den Arrest hatte der damals 19-Jährige bisher nicht angetreten.

DerWesten befragte den Szene-Kenner und Fachjournalisten Michael Klarmann zu dem Neonazi. Dieser sagte, aufgewachsen sei Falko W. im Aachener Stadtteil Richterich – “eine Mittelschicht-Gegend mit dörflicher Struktur”. Nach der Grundschule habe Falko W. zunächst das Gymnasium besucht, sei dann zur Realschule gewechselt. „Schon dort ist er aufgefallen, in dem er öfter andere Jugendliche bedrohte, die sich der Punk-Szene zuordneten oder die aus Migranten-Familien stammten“, berichtete Klarmann.

Nach dem Realschulabschluss habe Falko W. eine Lehre begonnen, diese aber wieder abgebrochen, um zur Bundeswehr zu gehen. Klarmann sagte laut DerWesten: „Dort wollte er zum Einzelkämpfer oder Fallschirmspringer ausgebildet werden.“ Auch hier sei der junge Mann negativ aufgefallen, wurde unehrenhaft entlassen.

Zusammenarbeit mit der NPD

Die Kameradschaft Aachener Land, zu der W. gehören soll, entfalte ihre Aktivitäten vornehmlich im Kreis Düren und arbeite auf lokaler Ebene mit der NPD zusammen.

Bildergalerie: 250 Neonazis in Berlin festgenommen

Am 1. Mai hatten etwa 700 Neonazis in Prenzlauer Berg demonstriert. Der Aufmarsch wurde von tausenden Nazi-Gegnern gestoppt. Außerdem liefen etwa 300 Rechtsextremisten über den Kurfürstendamm. Dabei attackierten sie Passanten und warfen Flaschen auf Polizisten. Die Polizei stoppte den nicht angemeldeten Aufzug und nahm die meisten Teilnehmer fest.

Siehe auch: Angriff auf Polizisten am 1. Mai: Neonazi verurteilt, Sitzblockade gegen NPD – keine Strafe für Thierse, Zehntausende gegen Neonazis auf den Straßen