20 Jahre nach dem Mord an Amadeu Antonio

Amadeu Antonio (Foto: AAS/privat)
Amadeu Antonio (Foto: AAS/privat)

„In Ostdeutschland gibt nach wie vor „No-Go-Areas““, sagt die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane. Ausländer und andere Vertreter von Minderheiten seien dort immer schon „Objekt des Hasses“ gewesen. Der Angolaner Amadeu Antonio Kiowa wurde vor 20 Jahren in Eberswalde durch ein Meute rechtsextremer Jugendlicher erschlagen und war eines der ersten Todesopfer von Neonazis nach der Wiedervereinigung.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass man als Schwarzer im Ostdeutschland Opfer rechter Gewalt wird, liegt immer noch 20 Mal höher als im Westen“, sagte Kahane. Erst vor einigen Wochen habe es wieder einen Mord in Leipzig gegeben. Kahane sieht die Gewaltausbrüche von Neonazis in Ostdeutschland im Zusammenhang mit dem autoritären Regime der DDR. „Die friedliche Revolution (…) hatte natürlich ihren Preis“, sagte sie. „Es gab sehr viel angestaute Aggression in der DDR. Und die entlud sich natürlich bei der ersten besten Gelegenheit, wo dann sozusagen der Polizeistaat zusammengebrochen war.“ Ausländer und andere Vertreter von Minderheiten seien immer schon „Objekt des Hasses“ gewesen. Mit dem Untergang der DDR habe man diesen Hass wieder ausdrücken können.

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Die Rechtsradikalen hätten auf diese Stimmungs- und Gefühlslage „sehr intelligent“ reagiert. Für sie habe sich ein „riesiges Versuchsfeld in diesem ehemals autoritär geführten Staat“ angeboten. „Und sie wollten sehen, ob sie da sozusagen eine neue Form von Bewegung hinkriegen“, so Kahane. Das hätten sie tatsächlich auch geschafft. Denn in Ostdeutschland habe es „keine zivile Gesellschaft“ gegeben, die „die sich ausgerechnet mit diesem Thema beschäftigen wollte, „das war ganz schwierig“.

Eberswalde sei inzwischen – durch viel bürgerschaftliches Engagement – „wieder eine gute Stadt geworden“. Es gebe aber im Osten und auch im Westen viele andere Städte, die „von Neonazis, vor allem autonomen Neonazis“ so sehr unterdrückt würden, dass junge Leute, die sich dort engagieren wollten, Angst hätten.

Interview beim Deutschlandradio mit Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung