NPD-Kandidaten: Angetrunkener Verkehrsexperte und rechtsextremer Grüßaugust aussortiert

Die NPD rüstet sich für die Landtagswahl im Herbst 2011 in Mecklenburg-Vorpommern. Sollte die Neonazi-Partei erneut in den Landtag einziehen, zwei derzeitige Abgeordnete werden nicht mehr dabei sein. Ein offenbar angetrunkener Verkehrsexperte sowie der regionale rechtsextreme Grüßaugust sind nicht mehr auf der NPD-Liste. Dafür finden sich in der Partei weiterhin mehrere verurteilte Neonazis „in Amt und Würden“. Zudem sehr bemerkenswert: Alle 20 Kandidaten auf der Landesliste sind männlich.

Die NPD in Mecklenburg-Vorpommern hat ihre Kandidatenliste für die Landtagswahl im September 2011 veröffentlicht. 20 Kandidaten treten für die Neonazi-Partei an, allesamt sind männlich – überwiegend relativ jung – und einige haben bereits Erfahrungen vor Gericht gesammelt. Zwei NPD-Landtagsabgeordnete sind indes nicht mehr auf der Liste zu finden: Birger Lüssow sowie Raimund Borrmann. Beide haben offenbar nicht den Erwartungen für die Fraktion entsprochen und wurden auf der Liste durch David Petereit sowie Michael Gielnik ersetzt.

Hier die komplette Kandidatenliste:

1.Udo Pastörs
2.Tino Müller
3.Michael Andrejewski
4.Stefan Köster
5.David Petereit
6.Michael Gielnik
7.Andreas Theißen
8.Michael Grewe
9.Jens Blasewitz
10.Dirk Arendt
11.Dirk Susemihl
12.Marko Müller
13.Mathias Grage
14.Tino Streif
15.Enrico Hamisch
16.Stefan Suhr
17.Dirk Bahlmann
18.Christian Hilse
19.Christian Beltz
20.Karsten Münchow

Der NPD-Landtagsabgeordnete Borrmann stammt aus Rostock-Warnemünde. Laut NPD hatte der gelernte Koch seiner Ausbildung ein fünfjähriges Studium der Philosophie mit den Schwerpunkten „Wirtschafts- und Rechtsgeschichte sowie Marxismus“ angeschlossen. Nach dem Studienabschluss arbeitete er in Museen, der Denkmalpflege und war Projektmitarbeiter in der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, schreibt der Wissenschaftler Hubertus Buchstein in einer Studie über die NPD-Kandidaten zur Landtagswahl 2006.

Rechtsextremer Grüßaugust

Borrmann hatte im Landtag immer wieder den rechtsextremen Grüßaugust gemacht, sorgte durch wirre Beiträge für Irritationen auf allen Seiten und geriet unfreiwillig in die Schlagzeilen, als über einen angeblichen Sozialbetrug berichtet wurde. Zudem scheiterte Borrmann mit einer Klage. Er hatte seine Rechte als Abgeordneter verletzt gesehen, weil ihm während der Landtagssitzung im November 2008 das Wort entzogen worden war. Außerdem wurde Borrmanns Bürgerbüro Medienberichten zufolge im Jahr 2009 geschlossen; dabei spielen diese Büros für das NPD-Image der Kümmerer-Partei durchaus eine Rolle. Auch Borrmanns pseudo-akademisches Auftreten dürfte bei der Neonazi-Basis eher weniger gut angekommen sein.

Birger Lüssow hatte sich einen dicken Schnitzer geleistet, als er offenbar angetrunken von der Polizei gestoppt wurde, im April 2010 hob der Landtag die Immunität Lüssows auf. Besonders peinlich: Die Fraktion bot den Neonazi als „Verkehrsexperten“ auf. Auch Lüssow konnte das Saubermann-Image der Partei nicht so wirklich glaubwürdig vertreten, so berichtete der NDR, der Neonazi handele über seine Internetfirma mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Kevlar-verstärkten Schutzhandschuhen. Dem antisemitischen Wahn der Szene bediente sein Online-Shop demnach mit „Burn Israel Burn“-Buttons.

Damit aber immer noch nicht genug. Angeblich, so berichtete zumindest die Ostseezeitung, soll Lüssow auch finanziell unter Druck gestanden haben. Außerdem musste sein Geschäft „dickkoepp“ in Rostock geschlossen werden.

Petereit hingegen hatte zuletzt durch das Medienprojekt mit dem Namen „MUPINFO“ Punkte in der Szene gesammelt.

Zudem wurde der neue Landesvorstand nach NPD-Angaben wie folgt gewählt:

Stefan Köster – Landesvorsitzender
Michal Gielnik – stellvertretender Landesvorsitzender
David Petereit – stellvertretender Landesvorsitzender
Tino Müller – Beisitzer
Sven Krüger – Beisitzer
Enrico Hamisch – Beisitzer
Michael Grewe – Beisitzer
Alexander Wendt – Beisitzer

Mehrere Kandidaten und Funktionäre der NPD mussten sich bereits vor Gericht verantworten. Der Spitzenkandidat Udo Pastörs wurde 2010 wegen Volksverhetzung verurteilt. Landeschef Stefan Köster war wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden, er hatte auf eine Frau eingetreten, wie Fernsehbilder des NDR belegten.

Michael Grewe wurde im März 2010 wegen schweren Landfriedensbruchs und Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt. Und Andreas Theißen hatte nach dem Einzug der NPD in den Landtag 2006 einen NDR-Kameramann attackiert – er wurde dafür wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Nötigung verurteilt. Theißen, Familienvater und gelernter Zimmermann, ist zudem wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz vorbestraft. In jungen Jahren hatte er über “erhebliche Mengen” explosiver Stoffe verfügt.

Das "Thing"-Haus der NPD in Grevesmühlen. Foto: Otto Belina

Sven Krüger ist im September 2010 erneut in das Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Die Staatsanwaltschaft Schwerin leitete einem Bericht der Schweriner Volkszeitung zufolge gegen den 35-jährigen Abrissunternehmer aus Jamel ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Hehlerei ein. Bei Ermittlungsbehörden sind laut SVZ im Laufe der Jahre dutzende Anzeigen gegen Krüger eingegangen. Er war u. a. wegen Landfriedensbruch, Überfall auf einen Dorfkrug, einer angezettelten Gefängnismeuterei und Diebstahls verurteilt worden.

Erst im August hatte es eine Durchsuchung der Wohn- und Geschäftsräume des NPD-Kreistagsmitgliedes Krüger in Jamel und in Nordwestmecklenburgs Kreisstadt Grevesmühlen gegeben. Der Durchsuchung vorausgegangen war damals eine illegale Plakatkampagne gegen Innenminister Lorenz Caffier. Krüger hatte in der Szene gepunktet, da er als Käufer eines Grundstücks aufgetreten war, auf dem die NPD nun das “Thing-Haus” eröffnet hat. Das Logo von Krügers Abrissfirma ziert laut taz der Spruch: “Jungs fürs Grobe”. Ein Mann mit einem Hammer zerschlage etwas, das einem Davidstern gleiche.

Gegen weitere NPD-Kandidaten und Funktionäre wurde bereits ermittelt. NPD-BLOG.INFO wird gemeinsam mit Partner-Projekten im Rahmen der Kampagne „Kein Ort für Neonazis„, welche den Wiedereinzug der NPD in den Schweriner Landtag verhindern will, die NPD-Kandidaten ausführlich vorstellen.

Siehe auch: Serie – Die nettesten NPD-Kandidaten, Kein Ort für Neonazis“Sozial geht nur national”: NPDler wegen Betrugs verurteilt