Die Phantom-Schulungszentren der NPD

Stolz hatte die NPD in den vergangenen Monaten die angebliche Eröffnung von zwei Schulungszentren in Nordsachsen verkündet. Mit Vorträgen und Musik sei beispielsweise in Eilenburg ein Objekt im Beisein von fast 120 Gästen eröffnet worden. Allerdings könnte es sich dabei um Hirngespinste handeln, berichtet die Leipziger Volkszeitung. Weder bei Polizei noch der Stadt Eilenburg sei ein solches Zentrum bekannt. Lediglich von einem Treffen nordöstlich der Stadt sei die Rede, in einem Gasthof in Sprotta-Siedlung (Gemeinde Doberschütz). Das aber sei eine reine Privatfeier gewesen, meint Stadtsprecher Heiko Leihe auf
Anfrage der LVZ. Diese habe die NPD anschließend „zur Begegnungsstätte stilisiert“. Auch die Polizei halte den Ball erkennbar flach. „Mir ist kein Schulungszentrum der NPD in Eilenburg bekannt“, sagte Revierleiter
Peer Oehler dem Blatt.

Ähnlich scheint es laut LVZ um das zweite NPD-Zentrum zu stehen. Denn nach internen Erkenntnissen der Ermittler soll es in Delitzsch lediglich Treffen in einem Gasthof im Ortsteil Zschepen gegeben haben. Auch hier dieselbe Lesart: Es existiere kein festes Objekt, das von den Neonazis für wiederkehrende Veranstaltungen genutzt werden könnte.

Die NPD Nordsachsen allerdings wolle von einem aktuellen Scheitern nichts wissen. Zwar räumte Kreischef Maik Scheffler gegenüber der LVZ ein, dass es „schwierig ist, ein festes Domizil zu finden“. Selbst „Wanderzentren“ seien zuerst denkbar gewesen. Mittlerweile aber hat sich das laut Scheffler geklärt. Der Saal nahe Eilenburg sei gebucht, und in Delitzsch existiere immerhin ein kleiner Veranstaltungsort, den ein Privatmann zur Verfügung stelle. Darüber hinaus sei ähnliches in Oschatz geplant.

Siehe auch: “Nationales Schulungszentrum” in Delitzsch eröffnet, NPD-Bildungswerk: Von JN bis Blauer Narzisse