Nordhausen: Rechtsextreme Hooligans on Tour

Auch nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mühlhausen gegen die Hooligan-Gruppe „NDH City“ aus Nordhausen reißt die Serie ihrer rechtsextremen Straftaten nicht ab. Das geht aus den Antworten der Landesregierung Thüringen auf Anfragen der Partei Die Linke hervor. Nach den Ermittlungen gegen die rund 50-köpfige Gruppe hatte die Strafverfolgungsbehörde 90 Verfahren gegen 69 Beschuldigte eingeleitet, hieß es in einem Ministeriumsschreiben. Nicht erst seit dieser Auskunft ist klar: zumindest zum Teil ist die Gruppierung fest in der extrem rechten Szene verankert.

Von Kai Budler

Im März dieses Jahres war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Mühlhausen bereits seit einem Jahr gegen NDH-City ermittelt hatte, u.a. wirft die Behörde Mitgliedern der Gruppierung Körperverletzung, Waffenbesitz und Volksverhetzung vor. Nach einem Überfall auf drei Jugendliche waren im Februar 2010 zwei 19 und 22 Jahre alte Personen festgenommen worden, die die Vorwürfe teilweise eingeräumt hatten. Doch die Mitglieder von NDH-City, mit ihrem Ursprung in der Fußball-Hooliganszene, treiben bereits seit Ende 2008 ihr teils rechtsextremes Unwesen in der Region.

Antisemitismus im Stadion

Ihre Besuche von Spielen des heimischen FSV Wacker Nordhausen in der Thüringenliga sind meist begleitet von antisemitischen Rufen wie etwa „Judenschweine“ und „Wir bauen eine U-Bahn von Jena bis nach Auschwitz“, nicht selten kommt dazu der Hitlergruß im Stadion. Auch gewalttätige Angriffe bleiben nicht aus: sie sind nicht auf die Stadien beschränkt, sondern ereignen sich regelmäßig im Stadtgebiet von Nordhausen. Das mussten Mitte Oktober dieses Jahres auch Besucher eines Konzertes in einer Kneipe in der Nordhäuser Innenstadt am eigenen Leib erfahren. Bei mehreren Angriffen unter Beteiligung von „NDH-City“ Mitgliedern wurden fünf Personen verletzt, drei davon schwer. Nur einen Monat zuvor war die Gruppe wieder in einem Stadion aufgefallen. Bei einem Spiel in Gera kam es erneut zu Straftaten der angereisten Nordhäuser Hooligans. Gegen einen 18-jährigen wurde ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet: er hatte während des Spiels wiederholt „Gera Juden“ skandiert.

Ein Viertel der neuen Verfahren wieder eingestellt

Doch auch Polizei und Staatsanwaltschaft blieben nicht untätig und leiteten seit dem April dieses Jahres insgesamt 31 weitere 

Eigenes Logo spricht Bände, Quelle: myspace 

Verfahren ein, teilte das Thüringer Justizministerium mit. Für die Beschuldigten müssen diese neuen Verfahren aber nicht unbedingt eine Strafe nach sich ziehen, wie ein Blick auf die vom Justizministerium vorgelegte Übersicht beweist. Im Zuge der ersten Verfahren kam es bislang nur in 30 Fällen zur Anklage, 81 Verfahren wurden eingestellt. Und auch bei den jüngsten Verfahren wurden bislang acht wieder eingestellt. Trotzdem haben die Maßnahmen die „NDH-City“ Mitglieder kurzzeitig eingeschüchtert, stellen Beobachter vor Ort fest, zu einer Auflösung der Gruppe haben sie aber nicht geführt. Darauf wollen die Betreiber von zwei Gaststätten in Nordhausen nicht warten: mit einem generellen Hausverbot gegen Mitglieder von „NDH-City“ wollen sie jetzt „ein öffentliches Zeichen gegen Rechts und gegen Gewalt“ setzen. In einer gemeinsamen Erklärung schreiben sie „Die beiden Gaststätten erteilen allen Personen ein unbefristetes Hausverbot, gegen die im Zusammenhang mit Straftaten oder mit Vergehen der Gruppierung NDH-City polizeilich ermittelt wurde oder wird“. Damit liegt in Nordhausen eine der wenigen öffentlichen Stellungnahmen vor, in der die starke Rolle der extremen Rechten in der örtlichen Hooliganszene nicht verschwiegen wird. Bereits im März 2009 hatte Antifaschisten aus Nordhausen einen detaillierten und bebilderten Bericht über die Verstrickungen und Überschneidungen mit der rechten Szene vorgelegt.


Gemeinsames „Gedenken“ von NPD und „NDH-City“
Auch beim NPD-Aufmarsch am 1. Mai 2010 in Erfurt oder im April dieses Jahres beim städtischen Gedenken der Bombardierung im Jahr 1945 fehlten die Mitglieder von „NDH-City“ nicht. Angesichts dessen mutet es fast wie eine Verharmlosung an, wenn selbst bei der Berichterstattung über die Verfahren im März dieses Jahres lediglich von Hooligans die Rede war.

Siehe auch: Ermittlungen gegen rechtsextreme Hooligans