Nazi-Literatur bei SZ, Spiegel und FAZ

NPD-BLOG.INFO hatte im Juli 2010 über Nazi-Literatur im Online-Shop der Süddeutschen Zeitung berichtet. Nun greift Report Mainz das Thema auf und setzt den SZ-Verlag und andere große Medienhäuser gehörig unter Druck. Denn nicht nur bei der SZ, auch in den Online-Buch-Shops von FAZ und Spiegel wird offen Nazi-Schund verbreitet. Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins können in den Portalen mindestens 150 Bücher von bekannten Nazi-Größen, rechtsextremen Autoren bzw. Verlagen gekauft werden – darunter auch Titel, bei denen der Anfangsverdacht der Volksverhetzung besteht. Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, spricht gegenüber Report Mainz von einem Skandal: Es sei ihm „unverständlich, dass der gute Name dafür hergegeben wird, eine solche Literatur zu verbreiten, die eigentlich darauf aus ist, das demokratische System zu unterhöhlen und abzuschaffen“.

Die Süddeutsche Zeitung vertreibt kriegsverherrlichende Literatur – weil sie keine „Zensur“ ausüben möchte.

Prof. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, sagte: „Ich fühle mich düpiert und getäuscht und frage mich, haben FAZ, Spiegel, Süddeutsche das nötig, solchen Dreck unter ihrem Label zu verkaufen.“

Zum Angebot der Online-Buch-Shops gehören Bücher von Nazi-Größen wie Otto Skorzeny, Hitlers wichtigstem SS-Mann für Kommando- und Sabotageaktionen, oder von Leon Degrelle, dem Chef der wallonischen Waffen-SS in Belgien. Zu kaufen gibt es auch Werke des bekannten Holocaustleugners David Irving. Ebenfalls erhältlich ist das 2009 erschienene Buch „Der Zweite Weltkrieg“ des Autors Helmut Schröcke. Dieser schreibt in Zusammenhang mit der Erschießung von fast 34.000 Juden durch die Nazis im Jahr 1941 in der Schlucht von Babi Jar bei Kiew von einer „angeblichen Mordaktion“. Der Staats- und Verwaltungsrechtler Prof. Christoph Degenhart von der Universität Leipzig hält dies für eine Leugnung des Holocaust: “Ich sehe im Hinblick auf die Leugnung des Judenmordes in der Schlucht von Babi Jar in der Tat einen Anfangsverdacht für die Verbreitung strafbarer Inhalte, auch in einigen anderen Passagen des Buches.“

Die Bücher für die drei Online-Buch-Shops liefert der Großhändler Libri. Über diesen Dienstleister werden alle Bestellungen abgewickelt. Im Angebot hat Libri mehr als fünf Millionen Titel. Auf Nachfrage von Report Mainz ließ Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo schriftlich mitteilen, man könne den Vertrieb rechtsextremistischer Literatur nicht verhindern. Wörtlich heißt es: “Eine Zensur durch Händler ist ausdrücklich untersagt. (…) Es gibt eine Verpflichtung zum ‚ganz oder gar nicht’“. Zahlreiche Juristen, die Report Mainz unabhängig voneinander befragt hat, halten diese Argumentation für unzutreffend. Der Stuttgarter Medien- und Verlagsrechtler Prof. Emanuel H. Burghardt sagte: „Eine solche Verpflichtung kenne ich nicht. Ein ganz oder gar nicht gibt es für den Bereich der Einzelonline-Buch-Shops nicht. Vielmehr hat hier definitiv der Spiegel die Möglichkeit wie auch jeder andere Buch-Shop auszusortieren und lediglich ein begrenztes Angebot anzubieten. Insbesondere ist jeder Einzel-Buch-Shop frei zu sagen, bestimmte Literatur biete ich nicht an.“

Der Verlag der FAZ teilte Report Mainz mit, eine Positivauswahl von Büchern sei nicht leistbar. Der Süddeutsche Verlag verweist darauf, dass eine Durchsicht im Hinblick auf rechtsextreme Titel „aufgrund des großen Umfangs nicht möglich“ sei. Recherchen von Report Mainz bei Libri haben dagegen ergeben, dass der Dienstleister neben einer Art Basisgeschäftsmodell, bei dem Online-Shop-Anbieter kostengünstig das gesamte Libri-Sortiment übernehmen können, auch ein so genanntes Verlagsshopmodell anbietet. Hier sei man bezüglich des Ausschlusses einzelner Bücher oder Verlage komplett flexibel. Auch die Berücksichtigung einer Negativliste sei technisch möglich. Bei diesem Modell seien allerdings Anfangsinvestitionen ab etwa 30.000 Euro plus Folgekosten notwendig.

Salomon Korn fordert die Verlage auf, vorrübergehend Geld zu investieren, damit diese nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren: „Bei der Verbreitung einer solchen Literatur nimmt der Ruf dieser Qualitätspresse und der Verlage, die dahinter stehen, Schaden.“

Zensur-Begriff, wie ihn Rechtsextreme missbrauchen

NPD-BLOG.INFO hatte im Sommer 2010 ebenfalls bei der SZ bezüglich dieser Angebote angefragt. Eine Sprecherin der SZ räumte ein, man habe bereits mehrfach Beschwerden über die rechtsextremen Angebote erhalten. Allerdings wolle man “keine Zensur” ausüben, sagte sie auf Anfrage des Autors. Zu dem Einwand, ein Nicht-Anbieten von frei zugänglichen Werken in einem privaten Shop sei keine “Zensur”, äußerte sich die Sprecherin nicht. Auch zu der größeren Reichweite sowie der Aufwertung der rechtsextremen Literatur durch die Einbindung in den SZ-Shop gab die Sprecherin keine Kommentar ab. Sie verwies auf eine Stellungnahme des SZ-Vertragspartners “Libri”, wonach man “grundsätzlich […] Titel aus dem gesamten politischen Spektrum” aufnehme. Dieser Position schließe sich die SZ an.

Indizierte Nazi-Literatur frei zugänglich

Während sich die SZ und der Bauer-Verlag also darauf berufen, sie täten nichts Verbotenes und daher sei es überflüssig, über die Verbreitung von brauner Hetze durch angesehene Unternehmen zu diskutieren, können via Amazon sogar indizierte Bücher bestellt werden. Beispielsweise die “Deutschen Annalen 1995″ aus der Verlagsgesellschaft Berg, welche bundesweit nach §130 StGb beschlagnahmt und eingezogen wurden. Dieses Buch bringt es bei Amazon auf fünf Treffer. Auch das Buch über die “Siegerjustiz in Dachau” von Joseph Halow kann via Amazon problemlos bestellt werden – obwohl es ebenfalls nach §130 StGB eingezogen wurde. Auch hier stößt man übrigens auf den Altnazi Rudel, dessen bereits seit 1971 indiziertes Buch “Adler der Ostfront” via Amazon angeboten wird. Nicht-indizierte Propaganda des Altnazis gibt es dann bei der SZ.

Siehe auch: Süddeutsche Zeitung verkauft rechtsextreme LiteraturDer Bauer-Verlag und das rechtsextreme Magazin “Zuerst!”, Amazon beendet Partnerprogramm mit der NPD 

21 thoughts on “Nazi-Literatur bei SZ, Spiegel und FAZ

  1. Ach ob die den jetzt der „Linke“ intoleranter als unsere völkischen Lieblinge muss sich ja jetzt noch zeigen… bis jetzt verhält der „Linke“ sich ja eher wie die „demokratische Mitte“, also NPD und co. als Geschäftspanter zu sehen.

    Die einen durch gemeinsamen Online Shop, die anderen achso Korrekten durch Flattr… tja vielleicht sollte man doch nicht so sehr alles verteufeln….

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