Ein Volk, eine Partei – drei Namen?

Die NPD will sich durch die „Verschmelzung“ als vereinigte Rechte präsentieren. Als Gegenleistung für den Beitritt der DVU zu den Nationaldemokraten wurde zugesagt, den Namenszusatz „Die Nationalen“ durch „Die Volksunion“ zu ersetzen. Dabei benutzen einige NPDler bereits lieber den aus Sachsen stammenden Slogan „Die soziale Heimatpartei“. Und der Landesverband MVP braucht sich offenbar auch nicht als „die Volksunion“ zu bezeichnen. „NPD – Die soziale Heimatpartei, Volksunion & Nationalen“ also?

Von Stefan Schölermann, NDR Info

"NPD - Die Nationalen" soll zu "NPD - Die Volksunion" werden. Außer in MVP.

Nichts hasst ein Parteitagsvorbereiter so sehr, wie Initiativanträge aus dem Parteitagsplenum: Siehe NPD- Parteitag Hohenmölsen am Sonnabend. Es war der NPD- Altvordere Friedrick Preuß aus Helmstedt, der den von rund 30 NPD-Kadern aus diversen Landesverbänden bitter geißelte: Solch ein Initiativantrag stelle die mühevolle Arbeit der Vorbereiter in Frage, beklagte Preuß.

Der Initiativantrag um den es ging, stellte allerdings weit mehr in Frage als die Arbeit der Vorbereiter – er stellte streng genommen die „Verschmelzung“ selbst in Frage. Es war der NPD-Kader Michael Gielnik aus Heringsdorf in Mecklenburg- Vorpommern, der mit seiner Rede den Parteitag in Wallung brachte. Sein Credo: Trotz „Verschmelzung“ möge man auf den neuen Namenszusatz „die Volksunion“ verzichten. Und überhaupt wolle man in der Öffentlichkeit die noch aktuellen Fahnen und Symbole verwenden.

„Reinrassige“ Sprache…

Zur Begründung verwies Gielnik auf Kostengründe und bemühte dann ein Fremdwort: “Schlechtes Marketing der DVU“. Im Klartext: Der Verschmelzungspartner habe in den vergangenen Jahren eine derart miese Arbeit abgeliefert, dass es offenbar besser sei, die Erinnerung an diese Partei vollständig zu tilgen.

Gielnick, der dem völkischen Flügel der NPD zugerechnet wird, machte dann auch klar, dass er es zumindest offenbar sprachlich lieber reinrassig mag: Der Begriff „NPD“ stehe für die Nationalen – eine verbale „ Vermischung“ mit dem Appendix „die Volksunion“ sei nicht hinnehmbar. Lauter Beifall war die Folge.

Mächtiges McPomm

Die NPD-Spitze mit DVU-Chef Faust vor einem Werbebanner mit dem Slogan "Die soziale Heimatpartei".

Eine Situation, in der es für Parteichef Udo Voigt plötzlich ums Ganze ging: Wenn man diesem Vorschlag folge, stehe die gesamte Verschmelzung in Frage. “Das werden die DVU- Delegierten bei ihrem Bundesparteitag nicht akzeptieren“, rief er den Delegierten ins Gewissen. Den deutlich missmutigen Blick seines DVU-Gegenüber Matthias Faust dürfte Voigt zuvor sehr wohl registriert haben.

Am Ende rettete Voigts Rede die Situation, der Initiativbeitrag wurde abgeschmettert. Zugleich aber wurde deutlich, wie mächtig die NPD-Mecklenburg-Vorpommern im fragilen Machtgefüge des NPD-Bundesverbandes offenkundig ist: Denn man darf Voigts Äußerung gewiss als Zugeständnis werten, als er am Ende einräumt, dass nichts dagegen einzuwenden sei, wenn bei öffentlichen NPD-Veranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern in Zukunft noch die alten Fahnen und Symbole gezeigt werden – ohne Zusatz „die Volksunion“. Man darf gespannt sein, ob dieses „Vorbild“ auch anderenorts Schule machen wird.

„NPD – Die soziale Heimatpartei, Volksunion & Nationalen“

Anmerkung PG: Übrigens setzte die NPD-Führung auch nach dem Bundesparteitag in Bamberg weiter auf den Namenszusatz “Die soziale Heimatpartei” – obwohl auf dem Parteitag beschlossen wurde, diesen eben nicht zu führen. Formal handelt die NPD korrekt, dennoch hatte das Vorgehen ein Geschmäckle, da die Neonazi-Partei beispielsweise bei Facebook als “NPD – Die soziale Heimatpartei” auftritt. Daneben steht das Parteilogo mit der Unterschrift „Die Nationalen“ – und bald auch noch „Die Volksunion“? Auch bei Pressekonferenzen stand auf den Fahnen bisweilen „Die soziale Heimatpartei“ (siehe Bild oben).

Sieht verdammt alt aus: "Die Neue Rechte DVU"

Nun heißt es also bald möglicherweise „NPD – Die soziale Heimatpartei, Volksunion & Nationalen“. Einfach genial! Denkbar wäre es auch noch, den zweiten Namenszusatz der DVU, nämliche „Die neue Rechte“ zu integrieren. Kommt bestimmt noch besser.

Alle Meldungen zu den Bundesparteitagen in Hohenmölsen sowie in Bamberg.

Alle Meldungen zur “Verschmelzung” mit der DVU.

Siehe auch: Die NPD – die “soziale Heimatpartei” mit GeschmäckleTrotz Parteitagsbeschluss: NPD tritt als “soziale Heimatpartei” auf, “Die soziale Heimatpartei”: Wenn sich zwei streiten…